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Teltow-Fläming Bunker-Streit um Status Bodendenkmal
Lokales Teltow-Fläming Bunker-Streit um Status Bodendenkmal
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05:15 08.04.2016
Horst Dallmann (88) suchte 1944 als Dreher-Lehrling Schutz im wiederentdeckten Bunker unter dem heutigen Industriepark. Quelle: Jutta Abromeit
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Ludwigsfelde

In Ludwigsfelde streiten zwei Behörden um den Status Bodendenkmal für das wiederentdeckte Bunkersystem unter dem Industriepark Ludwigsfelde. Dort entsteht wie berichtet ein zweiter Einstieg in das Bunkersystem, das Anfang der 1940er Jahre als Bombenschutz unter dem Daimler-Flugmotorenwerk Genshagen gebaut worden war. Es gehörte zu den wichtigsten Rüstungsbetrieben der Nazis.

Neben aller Freude über die Wiederentdeckung vor vier Jahren sorgt dieser Bunker für Unmut zwischen der Stadt und einer Landesbehörde, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum. Dort leitet Thomas Kersting das Dezernat für Archäologische Denkmalpflege. Er fordert eine fachlich fundierte Dokumentation all dessen, was dort unten gefunden wird. Doch das sieht Torsten Klaehn, der stellvertretende Bürgermeister und Fachbereichsleiter Bauen, nicht ein: „Warum ist so ein Bunker, den es Jahrzehnte lang praktisch nicht mehr gab, plötzlich ein Bodendenkmal?“

Bei anderen Bauarbeiten störte das Bodendenkmal nicht

Bei großen Bauarbeiten auf dem Industrieparkgelände darüber wie riesigen Stellplatzanlagen oder dem Abriss eines alten Kesselhauses habe das alles auch keine Rolle gespielt, so Klaehn. Außerdem ärgert er sich: „Das Landesamt hat von einem Geophysiker seit Jahren Informationen über diesen Bunker, stellt sie der Stadt aber nicht zur Verfügung. Und jetzt, wo der Bunker gefunden ist, sollen wir eine Dokumentationen vorlegen?“Auch der Wiederentdecker des Bunkers, der Berliner Wirtschaftswissenschaftler Rainer Karlsch, versteht die Forderung des Landesamtes nicht. „Bodendenkmal? Daran hat sich auch niemand gehalten, als die Telekom hier Leitungen verlegt hat.“

So sah es in dem mehr als 60 Jahre nicht betretenen Schutzbunkersystem aus, als der Berliner Wissenschaftler Dr. Rainer Karlsch die unterirdischen Gänge 2012 wiederentdeckte. Quelle: Mike Jentsch

Referatsleiter Kersting kennt keine Informationen eines Geophysikers, obwohl er seit 23  Jahren im Landesamt arbeite: „Es waren immer mal wieder Leute da, die nach Unterlagen zur alten Hakeburg oder zum Bernsteinzimmer gefragt haben. Aber solche Informationen kenne ich nicht.“ Auch nach dem Industriepark-Bunker sei seit den 90er Jahren immer wieder gefragt worden. Kersting versteht auch die Empörung von Klaehn und Karlsch nicht: „Ein archäologisches Denkmal steht nicht unter Schutz, weil ein Amt es per Rechtsakt unter Schutz stellt. Es steht gesetzlich unter Schutz, weil es existiert, egal wann es entdeckt oder in die Denkmalliste eingetragen wird.“ Er ergänzt: „Könnte die Stadt ein archäologisches, also ein fachlich fundiertes Gutachten vorlegen, wäre das Problem gelöst.“ Klaehn meint dazu: „So ein Gutachten kostet eine vierstellige Summe. Die haben wir nicht.“

Wissenschaftler Karlsch freut sich über Zeitzeugen-Aussagen

Zum MAZ-Beitrag über den Bunker hatte sich auch der Ludwigsfelder Horst Dallmann gemeldet. Er ist 88 Jahre alt. 1944 war er Dreher-Lehrling bei Daimler im Werkzeugbau. Während einer Tagschicht gab es Fliegeralarm, er musste in den Bunker runter: „Da waren an beiden Seiten lange Sitzbänke. Doch nur wir Deutschen durften da rein, die ganzen Franzosen, Niederländer und anderen Zivil- und Fremdarbeiter nicht.“ Das ärgert ihn noch heute. „Die sind bei Alarm in den Wald gerannt. Ganze Reihen von Särgen haben wir manchmal gesehen...“

Wissenschaftler Karlsch freut sich über den Zeitzeugen Dallmann: „Solche Aussagen dürfen nicht verloren gehen. Sie geben viel schneller Aufschluss über Sachen, die wir vielleicht gar nicht mehr rekonstruieren können.“

Hier wurde Anfang des Jahres ein zweiter Einstieg in das unterirdische Bunkersystem unter dem früheren Daimler-Flugmotorenwerk gesetzt. Quelle: Jutta Abromeit

Von Jutta Abromeit

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