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Teltow-Fläming Bunt verkleidet von Haus zu Haus
Lokales Teltow-Fläming Bunt verkleidet von Haus zu Haus
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06:00 01.02.2016
Verkleidet wird am Sonntag nach Fastnachtsabend gezempert. Quelle: Victoria Barnack
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Oehna

Wer im Januar oder Februar zur falschen Zeit am falschen Ort ist, muss zahlen. Damit sind nicht die Blitzer des Landkreises gemeint, sondern zur Fastnachtszeit ziehen traditionell bunt verkleidete Dorfbewohner durch die Straßen ihrer Heimat. Dabei werden auch Autos angehalten und um einen Obolus gebeten. Zum Dank gibt es mehr oder weniger gute Musik aus frisch geölten Kehlen.

Dass sich im Fläming niemand dafür schämt, peinlich verkleidet mit einem Bier in der Hand und singend am Sonntagvormittag von fremden Leuten gesehen zu werden, hat einen einfachen Grund: Tradition verpflichtet. Denn das Zempern haben oft schon die Großeltern der heute Aktiven mitgemacht. Viele Dorfbewohner haben den Brauch bereits als kleine Kinder kennen gelernt.

Dabei hat die skurril aussehende Veranstaltung einen historisch bedeutsamen Hintergrund. Für den genauen Ursprung des Wortes gibt es allerdings zwei Versionen. Auf der Internetseite Wikipedia wird das Zempern mit dem Zampern gleichgesetzt und als sorbische Tradition aus der Lausitz erklärt. Das Wort selbst soll ebenfalls vom sorbischen „camprowanje“ stammen, was so viel wie „einfordern“ heißt. Die Alternative bezieht sich auf das Latinische „decem“, also „den zehnten Teil“, der von jedem Haushalt eingesammelt wird.

Tatsächlich ergeben beide Übersetzungen Sinn. Denn das Zempervolk zieht auch im Fläming von Tür zu Tür und fordert eine Gabe vom Hausherrn sowie oft auch einen Tanz mit der Hausdame. Früher wurden in erster Linie Zutaten für den bevorstehenden Zemperschmaus gesammelt. Heute gibt es meist Hochprozentiges, das sich mehr oder weniger gut mit dem Pegel vom Vorabend verträgt. Denn am Samstag findet die Fastnacht in der Orts-Gaststätte statt.

Exemplarisch machten es am vergangenen Wochenende die Einwohner von Oehna vor. Dort führte die Zempergruppe am Samstagabend sogar ein kleines Programm für die Fastnachtsgäste auf. „Sparmaßnahmen im Altersheim war unser Motto“, sagte Martin Münch, der am nächsten Morgen pünktlich um zehn Uhr erneut vor der Gaststätte Witte eintraf und mit seinen Zemperkollegen loszog.

Ein ähnliches Bild bot sich am selben Tag auch in Heinsdorf. Dort zogen die Bewohner sogar in Begleitung einer Kapelle umher, wie es einst üblich war. Denn die Verkleidung und der Gesang gehören nicht nur aus reinem Spaß zum Zempern. Früher glaubte man, damit die Geister und Dämonen des Winters vertreiben zu können.

Einen Vorteil hatten die Niebendorfer und Heinsdorfer allerdings. Fastnachten wurde nicht am Vorabend gefeiert. Tatsächlich variiert die Zempertradition von Ort zu Ort. In einigen Dörfern wird erst eine Woche später gezempert.

Genervt von dem lauten Umzug sind weder die Anwohner von Oehna noch von Niebendorf-Heinsdorf. „Wir freuen uns, dass diese alte Gepflogenheit aufrechterhalten wird“, sagen etwa Helmut und Brigitte Wiedemann aus Oehna.

Von Victoria Barnack

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