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Butterweich in Richtung Sachsen

Eröffnung der Bahnstrecke Berlin-Dresden Butterweich in Richtung Sachsen

Deutschland kann Großprojekte – mit dieser Botschaft wurde am Dienstag die neue Strecke zwischen Berlin und Dresden in Betrieb genommen. Zehn MAZ-Leser durften an der Jungfernfahrt teilnehmen, darunter das Ehepaar Schulze aus Paplitz. Es gab auch Menschen, denen nicht zum Feiern zumute war.

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Als Ortschronisten haben Gerhard und Sieglinde Schulze aus Paplitz die Bauarbeiten mitverfolgt.

Quelle: Zielke

Baruth/Dresden. Udo Lindenberg geht immer. Sein „Sonderzug nach Pankow“ ist so etwas wie die inoffizielle Hymne der Deutschen Bahn und kommt gerne zum Einsatz, wenn das Unternehmen etwas zu feiern hat.

Begrüßung mit Blaskapelle

So war es auch am Dienstag auf dem Dresdner Hauptbahnhof. Als der Sonderzug aus Berlin eintraf, wurde er von einer Blaskapelle mit dem Lindenberg-Klassiker begrüßt. Mehr als 200 Fahrgäste waren an Bord des Zuges, der im Berliner Hauptbahnhof gestartet war. Neben Vertretern aus Politik, Wirtschaft und der Deutschen Bahn hatten auch zehn MAZ-Leser die Möglichkeit bekommen, bei der denkwürdigen Fahrt dabei zu sein.

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Zehn MAZ-Leser gingen auf große Fahrt nach Dresden. 16 Monate war die Strecke zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch voll gesperrt. Das Ende der Bauarbeiten wurde mit einem großen Fest auf dem Dresdner Hauptbahnhof gefeiert.

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Für Sieglinde und Gerhard Schulze aus Paplitz ist der Tag eine besondere Freude. In den vergangenen 16 Monaten der Vollsperrung der Bahnstrecke zwischen Wünsdorf und Hohenleipisch haben sie immer wieder Fotos von den Arbeiten gemacht und waren dabei, wenn eine Brücke eröffnet wurde. Für Sieglinde Schulze ist es auch eine Fahrt in die eigene Vergangenheit. Die 82-Jährige war viele Jahre Zugbegleiterin bei der Deutschen Reichsbahn. Sie kennt die Strecke noch aus der Dampflokzeit. In Erinnerung sind ihr die vielen sowjetischen Soldaten, für die der Bahnhof in Wünsdorf bis 1994 eine der wichtigsten Verbindungen in die Welt war. „Jeden Morgen kurz nach 6 Uhr kam der Zug aus Moskau an“, erinnert sich Sieglinde Schulze. In ihrer Ausbildung musste sie das Moskauer Verkehrsnetz auswendig können.

In den 50ern häufig in Dresden

Ihr Ehemann Gerhard ist früher oft nach Dresden gefahren. Anfang der 1950er Jahre arbeitete er dort im Bergbau bei der Wismut. „Damals konnte man vom Hauptbahnhof bis zur Elbe gucken“, erinnert er sich. Kriegstrümmer bestimmten damals das Bild der Stadt.

Dresden ist wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Europa

Heute ist Dresden nach den Worten der Politiker ein wichtiger Knoten in einem Schienenkorridor, der von den Häfen in Hamburg und Rostock über Berlin bis nach Prag reicht. „Die Eisenbahn denkt europäisch“, frohlockt Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. In den weiteren Reden spürt man sowohl beim sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig und der Staatssekretärin im brandenburgischen Infrastrukturministerium (MIL) Ines Jesse (beide SPD) Erleichterung. „Deutschland kann Großprojekte“, sagte Dulig. Gelungen sei dies, fügte Jesse an, durch die gute Zusammenarbeit beider Länder, des Bundes und der Bahn.

Gedenken an Projektleiter Michael Bung

Einer, der bis zum Schluss unter Hochspannung stand, ist Hans-Jürgen Kieke, der Projektleiter der Deutschen Bahn. „Als wir den neu gebauten Abschnitt befahren haben, kam die Erleichterung. Der Zug fährt so butterweich, wie es sein soll“, sagt er. Dennoch ist er auch ein wenig wehmütig, denn sein Kollege Michael Bung, der den Bau der Bahnstrecke Berlin – Dresden geleitet hat, kann diesen Tag nicht miterleben. Er ist im Juni im Alter von 53 Jahren gestorben. Ihm zu Ehren haben seine Kollegen eine Gedenktafel am Bahnhof in Baruth angebracht. „Wir wollen, dass man ihn nicht vergisst“, sagt Kieke.

Drahnsdorfer fordern stündliche Verbindung nach Berlin

Während sich Bahn und Politik selbst feiern, versammelt sich am Rand der Strecke der Protest. Mehrere Drahnsdorfer „grüßen“ den vorbeirauschenden Sonderzug mit einem Transparent. Sie fordern eine stündliche Verbindung von und nach Berlin in der Hauptverkehrszeit. „Wir fühlen uns abgehängt“, sagt Andrea Weigt, eine der Initiatoren des Protestes. Die Drahnsdorfer sind einige der wenigen, denen an diesem Tag nicht zum Feiern ist.

Von Christian Zielke

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