Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Als Franzose und Deutscher an der Front
Lokales Teltow-Fläming Als Franzose und Deutscher an der Front
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:30 18.08.2014
Charles Kuentz besuchte kurz vor seinem Tod einen Kriegsgräberfriedhof. Quelle: Agentur
Jüterbog

„Das kann doch nicht sein. Der hat sich bestimmt versprochen.“ Das jedenfalls dachte sich Fred Knochmuß, als er erfuhr, dass der alte Herr noch einmal die Stadt und die Kasernen in Jüterbog sehen wollte, aus denen er in den Ersten Weltkrieg gezogen war. Mit seinem Begleiter fragte er vor zehn Jahren bei der Polizei, um keine Zeit mit dem Suchen zu verschwenden, in welches Viertel sie fahren müssten. In der Wache wussten alle, dass sie auf ihren Kollegen Knochmuß verweisen mussten, da er sich schon wegen seiner Sammelleidenschaft mit der Geschichte des Militärs befasst.

Diese Ansicht von den Fuchsbergen hat Charles Kuentz sicher gesehen. Quelle: Sammlung Knochmuss

Zweimal Deutscher, zweimal Franzose

So kam Fred Knochmuß 2004 zu der besonderen Begegnung mit dem Elsässer Charles Kuentz. Zweimal war Kuentz Deutscher, zweimal Franzose. Als er erzählte, dass er 1897 im Elsass geboren worden war, dämmerte Knochmuß, dass es kein Versprecher war, sondern dass er einen der letzten Veteranen des Ersten Weltkriegs vor sich hatte. 36 Frontsoldaten lebten damals noch in Frankreich.
Kuentz war vermutlich der letzte Überlebende von 13,2 Millionen Soldaten, die in deutscher Uniform kämpfen mussten, schrieb der „Spiegel“ damals in seiner Sonderausgabe zum Ersten Weltkrieg. Darin wurde auch Kuentz vorgestellt. Der damals 107-Jährige war auf Einladung des Deutschen Historischen Museums Berlin nach Deutschland gekommen. Von dort ist es nach Jüterbog nicht weit. Denn in Jüterbog wurde er auf das Kriegshandwerk eingestimmt.

Elsass

  • Das Elsass ist eine Region am westlichen Rande des deutschen Sprachraumes. Es ist geprägt vom Einfluss zweier großer Kulturräume innerhalb Europas: des deutschen und des französischen.
  • Nach der Völkerwanderung zunächst germanisiert und in die Strömungen der deutschen Geschichte einbezogen, geriet es seit der Neuzeit zunehmend unter die politische Kontrolle des französischen Königreichs.
  • Zu nennen sind das Herzogtum Elsass (7. bis 8. Jahrhundert), die beiden Landgrafschaften des Elsass (12. bis 17. Jahrhundert) und die französische Provinz Elsass (17. bis 18. Jahrhundert).
  • Die Region wechselte schließlich zwischen 1850 und 1950 viermal die nationale Zugehörigkeit. Dadurch mussten die männlichen Einwohner unter wechselnden Fahnen in die Kriege ziehen.

Der südliche Teil des Elsass gehörte 1916 zum Deutschen Reich. So musste Kuentz auf deutscher Seite aufs Schlachtfeld ziehen. Als der Krieg zu Ende war, fiel seine Heimat wieder an Frankreich.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, 1939, wurde er als Franzose eingezogen. Diesmal nur kurz, da er schon alt war. Doch sein Sohn wurde 1944 gegen die Franzosen an die Front geschickt. Deutschland hatte die Grenzregion gerade wieder annektiert. Charles Kuentz sah seinen Sohn nicht wieder; er fiel für Deutschland. Dann verdrängte der Vater die Kriegserlebnisse über Jahrzehnte. Als sich sein 100. Geburtstag näherte, begann er zu erzählen. Von den Schlachtfeldern, vom Gas, von Ypern, von Typhusfällen, zerfetzten Kameraden, vom russischen Winter und vom Misstrauen. In Jüterbog war er der einzige Elsässer in seiner Kompanie.

Der Krieg zerstörte seine Lebens-Pläne

Das Kriegsministerium hatte schon 1915 befohlen, „politisch verdächtige Elsass-Lothringer“ von der Westfront abzuziehen. So wurde Kuentz nach seiner Ausbildung im Juni 1916 nach Russland geschickt. Dort musste er den Winter überstehen. Der Katholik betete oft. Im Frühling 1917 wurde seine Einheit nach Frankreich verlegt. Das Kriegsende erlebte er in Aachen, als alles drunter und drüber ging. Er machte sich ohne Entlassungspapiere auf den Heimweg und verlor so seinen Anspruch auf das Entlassungsgeld. Immerhin sprach er gut französisch, bekam Arbeit bei der Post und gründete eine Familie, zu der 1939 vier Kinder gehörten. Für sie alle wollte er ein Haus bauen. Doch wieder zerstörte der Krieg alle Pläne. Nun musste der Familienvater die französische Uniform tragen. Das Elsass wurde besetztes Gebiet und dem „Gau Oberrhein“ zugeordnet. Und damit wurde Charles Kuentz wieder Deutscher.

Truppenübungsplatz Jüterbog, August 1900. Quelle: Sammlung Knochmuss

Sein Sohn gehörte zu den 140.000 Elsass-Lothringern, die die Wehrmacht völkerrechtswidrig einzog. Bei der Abfahrt des 17-Jährigen nach Königsberg hätten die jungen Burschen die „Marseillaise“ gesungen, erinnerte sich der Vater. Der Sohn erlebte seinen 18. Geburtstag nicht.

Als er einiges aus seinem ereignisreichen Leben erzählt und die Kaserne, in der er „geschliffen“ worden war, gesehen hatte, lotste Knochmuß Kuentz noch ins Museum. Dort beeindruckte er die Mitarbeiterin Bärbel Morling. Sie erinnert sich gut an die damalige Begegnung. „Mit 107 Jahren hat er sich noch eigenhändig in unser Gästebuch eingetragen“, berichtet sie. Im April 2005 starb Charles Kuentz im Alter von 108 Jahren.

Folgen Sie uns auf Facebook!

Aktuelle Nachrichten und Fotos aus den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald finden Sie auf unserer Facebook-Seite. Folgen Sie unserer Seite und diskutieren Sie mit uns über aktuelle Artikel oder geben Sie uns Hinweise, worüber wir berichten können.

Hier kommen Sie direkt auf unsere Facebook-Seite: www.facebook.com/dahmelandflaeming.

Werden Sie Fan von der MAZ bei Facebook!

Von Gertraud Behrendt

Teltow-Fläming VW-Bus-Festival zum siebten Mal in Niedergörsdorf ausgerichtet - Bulli-Kult am Flugplatz

Bullis sind keine Nutzfahrzeuge, sie sind eine Leidenschaft. Das zeigte das VW-Bus-Festival in Niedergörsdorf. Zum siebten Mal trafen sich hunderte VW-Bus-Fahrer auf dem ehemaligen Flugplatzgelände. Geübte Bulli-Fans bewiesen sich in Wettbewerben. Kinder kamen ebenfalls mit dem Fahrgefühl in Berührung - allerdings nicht auf dem Beifahrersitz.

18.08.2014
Teltow-Fläming Fünfte Musiker-Session des Musicshops im Luckenwalder Nuthepark - Bunter Blumenstrauß lokaler Musik

Livemusik gab es am Freitagabend im Luckenwalder Nuthepark. Mehr als 20 Bands aus der Region boten Sound verschiedener Genres auf zwei Bühnen. Die Musiker-Session von Veranstalter Jörg "Bulli" Unger ist bereits die fünfte Auflage. Einst eine Sektlaune, ist die Veranstaltung mittlerweile ein kultureller Höhepunkt im Sommer.

18.08.2014
Teltow-Fläming Verfärbte Stämme sind für Baum, Mensch und Tier unschädlich - Algen lassen Bäume rosten

Mit ihrer rötlich-braunen Rinde sehen einzelne Bäume in der Region derzeit aus, als würden sie rosten. Im südlichen Landkreis Teltow-Fläming sind rot-gefärbte Stämme derzeit vor allem in Gärten mit Obstgehölzen, aber auch an Straßenrändern zu sehen. Dort sind Eichen und Eschen betroffen, vereinzelt auch Kiefern.

18.08.2014