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Teltow-Fläming Cyberkriminelle setzten auf Täuschung
Lokales Teltow-Fläming Cyberkriminelle setzten auf Täuschung
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22:15 15.09.2016
Zahlreiche Gäste informierten sich in Wildau zum Thema Wirtschaftsschutz in digitalen Zeiten. Quelle: Danilo Hafer
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Wildau

Es waren nur wenige Minuten und ein paar Klicks im Internet nötig und schon konnte sich Denny Speckhahn als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens ausgeben, samt persönlicher E-Mailadresse. Mit dieser konnte er nun die echten Mitarbeiter des Unternehmens anschreiben. Öffnen diese den Anhang der E-Mail, wird auf dem Rechner am Arbeitsplatz eine Schadsoftware installiert und der falsche Geschäftsführer kann sämtliche Daten abgreifen.

Infoveranstaltung wurde vom „Forum Mittelstand“ organisiert

So weit kam es aber glücklicherweise nicht. Denn Denny Speckhahn ist kein Krimineller, sondern Leiter der Ermittlungsgruppe für Cyberkriminalität beim Landeskriminalamt Brandenburg. Gemeinsam mit anderen Experten informierte er am Donnerstag auf der vom Forum Mittelstand organisierten Veranstaltung „Wirtschaftsschutz – Herausforderung und Chance für Unternehmen in Brandenburg“, im Luft- und Raumfahrtzentrum Wildau, über die Gefahren für Unternehmen durch Cyberkriminalität. Denny Speckhahns „Live-Hack“ zeigte , wie einfach es ist, sich in ein Unternehmensnetzwerk einzuschleusen. „Und das alles ohne Programmierkenntnisse“, betont Speckhahn. Denn alles was er benötigt ist frei im Internet zugänglich. Für Jedermann. „Sie müssen kein Technikexperte sein um das zu schaffen, sie brauchen nur die kriminelle Energie“, so Speckhahn.

Kriminelle geben sich Geschäftsführer aus

Durch Cybercrime entsteht in Deutschland jährlich ein geschätzter Schaden von rund 46 Milliarden Euro. Die CEO-Fraud-Methode, bei der sich die Kriminellen als Geschäftsführer eines Unternehmens ausgeben und dann einen echten Mitarbiter damit beauftragen, einen Geldtransfer ins Ausland durchzuführen, wird dabei immer beliebter. Das Vorgehen der Cyberkriminellen ist dabei fast jedes Mal gleich. „Der erste Schritt ist die Sammlung von Insiderwissen. Wer arbeitet in der Buchhaltung, wie lauten die E-Mailadressen der Mitarbeiter und wer ist wann anwesend“, erklärt Susanne Gondolf vom Bundeskriminalamt. Viele dieser Informationen würden die Unternehmen bereits auf ihren Internetseiten von sich aus bekannt geben. Soziale Netzwerke, in denen Mitarbeiter ihre Funktion und Tätigkeit oder persönliche Details preisgeben, stellen ebenfalls eine wichtige Informationsquelle dar.

Geld wird oft ins Ausland überwiesen

In der zweiten Phase beginnt dann die Täuschungshandlung. Die Täter nehmen mit dem „ausgeforschten“ Mitarbeiter Kontakt auf und fordern unter Hinweis auf eine angebliche Unternehmensübernahme oder angeblich geänderter Kontoverbindungen den Transfer eines größeren Geldbetrages auf Konten in China und Hong Kong, aber auch in osteuropäischen Staaten. Und das häufig mit Erfolg. „Seit 2013 gab es deutschlandweit 65 vollendete Betrugsfälle, mit einem Schaden von 120 Millionen Euro“, sagt Susanne Gondolf. Die Zahl der versuchten Straftaten, bei denen das Geld hinterher wiederbeschafft werden konnte, liegt bei 185. „Die Dunkelziffer ist aber deutlich höher“, so Gondolf. Daher sei es umso wichtiger, die Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Software sollte immer auf dem neusten Stand sein

Doch oft reicht es nicht, sich nur mit den Gefahren auseinanderzusetzen, es muss gehandelt werden. Die Software, die den Server der Unternehmensseite steuert, sollte immer aktualisiert werden, rät Denny Speckhahn. Sonst seien diese Sicherheitslücken ein leichtes Einfallstor für Cyberkriminelle. Bemerken Unternehmen, dass sie angegriffen werden, sollte sich diese sofort an die Polizei wenden. Experten könnten dann versuchen den Angriff abzuwehren.

Investitionsbank Brandenburg bietet Förderprogramme

Wollen Unternehmen in eine erhöhte Sicherheit investieren, stehen dem häufig hohe Kosten im Weg. In diesen Fällen bietet die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) verschiedene Fördermittel für gewerbliche Unternehmen. Diese reichen von Dahlehen mit einem Umfang von 25 Millionen Euro bis hin zu prozentualen Zuschüssen. „Darüber hinaus gibt es auf Bundesebene die Möglichkeit Beratungen zu 80 Prozent fördern zu lassen“, erklärt Tilo Hönisch, Kundenberater der ILB.

Häufig kommen Täter aus dem eignen Unternehmen

Doch nicht nur von Außen droht Gefahr. Vor allem im Bereich der Wirtschaftsspionage kämen viele Täter aus dem eigenen Unternehmen. „In 70 Prozent der Fälle handelt es sich um sogenannte Innentäter und die kann es in jedem Unternehmen geben“, sagt Mario Faßbender, Ansprechpartner für Wirtschaftsschutz beim Innenministerium Brandenburg.

Von Danilo Hafer

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