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DNA-Spur überführt Einbrecher nach Jahren

Blankenfelde-Mahlow DNA-Spur überführt Einbrecher nach Jahren

Nach langer, intensiver Fahndung hat die Brandenburger Polizei einen bemerkenswerten Erfolg erzielt. Ein 36 Jahre alter Mann aus Moldau wurde an der rumänischen Grenze festgenommen. Er war in mehrere Häuser in Brandenburg eingestiegen, unter anderem in Blankenfelde-Mahlow. Dass er überführt wurde, liegt auch an einer gut gefüllten DNA-Bank.

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Quelle: dpa

Blankenfelde-Mahlow. Die Nacht zum 21. Juni 2014 würden wohl mehrere Menschen am liebsten aus ihrem Leben tilgen. Da sind zum einen die Eheleute aus dem Mahlower Ortsteil Waldblick, die damals grausige Minuten durchlitten, nachdem sie von Geräuschen geweckt wurden und feststellten, dass sich ein Einbrecher in ihrem Haus zu schaffen machte.

Einer, der auf diese Nacht rückblickend wohl ebenso verzichten könnte, ist der Einbrecher selbst. Der heute 36 Jahre alte Mann aus der südosteuropäischen Republik Moldau konnte damals zwar fliehen und erbeutete bei seinem Einstieg immerhin auch Schmuck, Geld und Fototechnik im Wert von insgesamt 4500 Euro. Seit Anfang dieser Woche sitzt er aber in einem brandenburgischen Gefängnis in Untersuchungshaft – wegen genau jenes Einbruchs.

Einbruch: Aufklärungsquoten sind gering

Dass er in Deutschland für seine Tat zur Rechenschaft gezogen wird, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Aufklärungsquoten bei Wohnungseinbrüchen sind relativ gering, im Lauf der vergangenen Jahre haben sie mit der Professionalisierung der Einbrecherbanden eher noch abgenommen. Im Jahr 2014 etwa wurden im Landkreis Dahme-Spreewald 333 Wohnungseinbrüche angezeigt, zu nicht einmal jedem zehnten davon konnte die Polizei einen Tatverdächtigen präsentieren. Im Landkreis Teltow-Fläming sah die Quote ähnlich aus. Umso bemerkenswerter ist es, dass der 36 Jahre alte Moldauer nun eineinhalb Jahre nach der Tat an der Grenze zwischen Moldau und Rumänien von rumänischen Grenzbeamten festgenommen wurde. Dem ging allerdings auch eine aufwendige Fahndung voraus, wie die zuständige Polizeidirektion West nicht ohne Stolz mitteilt.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Kuhfuß. Den hatte der Mann, als er in besagter Nacht vom Hauseigentümer ertappt und in die Flucht getrieben wurde, im Haus zurückgelassen. Mit der gebogenen Brechstange hatte er zuvor offenkundig das Fenster aufgehebelt. Die Kriminologen nahmen einen Abstrich von dem Gerät, stellten Hautpartikel sicher und extrahierten dann daraus eine DNA-Spur, die mit der bundesweiten Datenbank abgeglichen wurde.

DNA-Spur europaweit nachgegangen

Weil in Deutschland jedoch kein polizeibekannter Straftäter zu dem Profil passte, versuchten die Beamten es europaweit – und wurden tatsächlich fündig. Sowohl in Frankreich als auch in Österreich war der Mann zuvor auffällig geworden und polizeilich als Straftäter erfasst. Allerdings unter verschiedenen Namen. Die Kriminalisten glichen diese Daten dann wieder mit deutschen Daten ab und filterten schließlich einen moldauischen Staatsbürger heraus, der auch in Deutschland bereits unter zahlreichen Alias-Namen bekannt war.

Als das Landeskriminalamt seine Identität geklärt hatte, erließ das Amtsgericht Zossen im Juli 2015 einen internationalen Haftbefehl gegen den Mann. Der Rest war Warten – und das zahlte sich im Januar dieses Jahres aus. Der Moldauer wurde von rumänischen Behörden verhaftet, als er am Grenzübergang Albita erneut in die Europäische Union einreisen wollte.

Täter hat inzwischen gestanden

Den Einbruch in Mahlow hat der Tatverdächtige inzwischen gestanden, eine Speichelprobe wurde ihm ebenfalls entnommen. Da er darüber hinaus aber wenig kooperativ ist, müssen die Beamten nun Spuren, Daten und Tatmerkmale aus vielen Einbrüchen mit dem vorhandenen Material abgleichen. Das könne noch eine Weile dauern, sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Zum einen sei die Menge der vorhandenen Daten groß – Wohnungseinbruch gehört immerhin seit Jahren zu den Kriminalitätsschwerpunkten im Berliner Umland. Zum anderen seien womöglich noch gar nicht alle Spuren aus dem in Frage kommenden Zeitraum aufbereitet und erfasst. Da das Landeskriminalamt nur über ein einziges Labor verfügt, könnten zuweilen viele Monate vergehen, bis Fingerabdrücke und DNA-Profile aus Wohnungseinbrüchen in die Datenbank eingepflegt sind.

Je voller diese Datenbanken sind, desto häufiger komme es auch zu Treffern, sagt Mario Heinemann, Sprecher des Polizeipräsidiums in Potsdam. Der internationale Abgleich, der mit dem Prümer Vertrag im Jahr 2005 EU-weit geregelt wurde, erleichtere die europaweite Fahndung dann noch einmal enorm. Trotzdem ist es für die Polizeidirektion West das erste Mal, dass eine europaweite Fahndung nach Einbrechern tatsächlich zu einer Festnahme führt – und auch Mario Heinemann im Präsidium kann sich an einen vergleichbaren Fall nicht erinnern.

So arbeiten die Einbrecher

Fraglich ist, ob sich solche Erfolge künftig öfter wiederholen lassen. „Wir bekommen schon immer wieder Täter“, sagt Jana Birnbaum. Aber die Vorgehensweise der in Banden operierenden Einbrecher erschwere die Arbeit der Polizei enorm. Denn die Täter kundschaften zumeist vor dem Einbruch das Gelände aus, sie suchen sich schwer einsehbare Grundstücke aus, passen günstige Zeiten ab und gehen professionell und zügig zu Werke. Zwar könne man die Vorgehensweise meistens bestimmten Tätergruppen zuordnen – etwa ob Fenster aufgehebelt, Scheiben eingeschlagen oder Schlösser aufgebohrt werden. Aber um die Täter wirklich überführen zu können, brauche es Beweise. „Da die Nachbarn tagsüber meistens arbeiten, ist es schwer, für Einbrüche Zeugen zu finden“, sagt Jana Birnbaum. Und auf Fingerabdrücke und DNA-Spuren können die Ermittler auch nicht immer zählen. Die echten Profis tragen Handschuhe.

Von Oliver Fischer

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