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Teltow-Fläming Blutspender dringend gesucht
Lokales Teltow-Fläming Blutspender dringend gesucht
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17:31 13.06.2018
Einfach warten, den Rest macht der Körper von allein. Nadine Bayram spendet Blut. Quelle: Oliver Fischer
Dahmeland-Fläming

Das Spenden selbst ist an sich keine komplexe Sache. Bei Nadine Bayram funktioniert es ganz von allein. Es gibt Menschen, die müssen Gummibälle in der Hand kneten, damit der Arm ordentlich durchflossen wird und genügend Blut in den Beutel läuft. Nadine Bayram knetet nicht, es läuft einfach so.

Es ist Montagvormittag, Blutspendetag vor dem Achenbach-Klinikum in Königs Wusterhausen. Das Blutspendemobil ist die 100 Kilometer aus Cottbus gekommen, der rot-weiße Bus parkt auf dem Klinikgelände, der Arzt und die Schwestern nehmen die Willigen in Empfang. Die meisten kennen sich schon.

Klinik-Mitarbeiter haben sich selbst angeboten

Die Klinik-Mitarbeiter hatten sich vor einigen Jahren mal zu einer Spenden-Aktion angeboten, nicht zuletzt, weil sie selbst am besten wissen, wie viel Blut im Krankenhaus gebraucht wird. Und weil nebenan gleich die Polizei und der Wasserverband sitzen und einige Kreisbehörden auch um die Ecke liegen, könnte man rund um den Bus den Eindruck bekommen, es gäbe etwas umsonst.

Am Eingang des Mobils reihen sich die potenziellen Spender, in der Wartezone sitzen weitere und füllen die vorgeschriebenen Fragebögen aus. Name, Alter, ansteckende Krankheiten?

Im Fond des Busses hat es sich Nadine Bayram, Mitarbeiterin des Achenbach-Krankenhauses, auf einer Liege bequem gemacht. Die linke Hand liegt auf der Armlehne, die Handfläche ist nach oben gedreht. In ihrem Unterarm steckt eine Kanüle. Sie schaut an die Decke.

Schon 30 bis 40 mal gespendet

Das Spenden macht ihr an sich nichts aus, sie hat es schon oft gemacht, 30 bis 40 Mal bestimmt. Aber vielleicht muss man trotzdem dem Blut nicht dabei zuschauen, wie es durch den Plastikschlauch gepumpt wird und dann tröpfchenweise ins Beutelsystem rinnt. Auf die Menge achtet ohnehin die Krankenschwester, die alle paar Minuten auf die Anzeige der Blutwaage schaut. „Na, 330 Milliliter“, sagt sie diesmal. „Wir haben’s gleich.“

Für Nadine Bayram bedeutet das: fünf Minuten noch, dann ist der halbe Liter voll und ihr Einsatz im Dienst der guten Sache schon wieder beendet.

Hinter diesem simplen Vorgang steht freilich ein ziemlich großes System, das von morgens bis abends unter Hochdruck arbeitet, um Blut zu organisieren. Denn Blutkonserven sind heute eine ähnliche Daseinsgrundlage für Krankenhäuser wie Medikamente, sie werden überall gebraucht und retten täglich Leben.

Blut ist jedoch leicht verderblich – und die Spendenbereitschaft der Leute nimmt besonders zum Sommer hin rapide ab. „Wir haben schon jetzt zu wenig Spender, und die Ferienzeit kommt erst noch“, sagt Sabrina Rentsch, Öffentlichkeitsarbeiterin beim DRK-Blutspendedienst Nord-Ost.

120 Menschen arbeiten für den Blutspendedienst in Cottbus

Sabrina Rentschs Arbeitgeber ist dafür zuständig, Spenderblut im Brandenburg, Berlin, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in Schleswig-Holstein zu gewinnen und es anschließend den Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen. Allein im Bereich des Instituts Cottbus, das Südbrandenburg abdeckt, arbeiten daran 120 Menschen.

Vier Teams sind täglich in der Region unterwegs, wenn es sein muss auch am Wochenende, um Spenden zu sammeln. An guten Tagen kommen dabei insgesamt etwa 200 Konserven zusammen, also rund 100 Liter Blut, das in die Zentrale nach Dresden geschickt, dort untersucht, in seine Bestandteile zerlegt und dann wieder zurück nach Cottbus geschickt wird.

100 Liter ist nicht viel. Schon das Königs Wusterhausener Achenbach-Krankenhaus hat vier Operationssäle, in denen täglich knapp 20 Operationen über die Bühne gehen. Bei einem Teil davon kommen die Ärzte ohne Blutkonserven aus. Bei schweren Unfällen oder großen, offenen Operationen werden aber auch schon mal bis zu 60 Konserven benötigt. Dafür muss ein Team einen ganzen Tag lang sammeln – sofern sich überhaupt genügend Spender finden.

Drei Prozent der Bevölkerung spenden Blut

Denn so ein Andrang wie am Montag in Königs Wusterhausen herrscht üblicherweise bei Blutspendeterminen nicht. Nur etwa drei Prozent der Bevölkerung spenden Blut – obwohl deutlich mehr Menschen spenden könnten.

Grundsätzlich gebe es nur wenige Einschränkungen, sagt Sabrina Rentsch. Man muss zwischen 18 und 73 Jahre alt sein, mehr als 50 Kilo wegen und man sollte gesund sein. Die Zahl der Spenden ist auch beschränkt. Frauen dürfen vier Mal im Jahr Blut abgeben, Männer sechs Mal. Das ist eigentlich schon alles.

Trotzdem sei es ein andauernder Kampf, genügend zusammen zu bekommen. „Theoretisch könnten wir das Blut gekühlt bis zu 40 Tage lagern. Aber es wird so viel angefordert, dass es nie länger als eine Woche bei uns bleibt, und seit Oktober haben wir kaum noch Lagerbestände. Was reinkommt, geht sofort wieder raus“, sagt Rentsch.

Die meisten brauchen einen Impuls

Dabei sei den Menschen die Dringlichkeit schon bewusst, sie bräuchten trotzdem einen Impuls, um selbst spenden zu gehen, sagt Sabrina Rentsch. Und der kommt meistens von außen.

Bei Nadine Bayram war es ein Notfall im engeren Umfeld. „Erst dadurch bin ich auf den Gedanken gekommen“, erzählt sie. Eine Geschichte, wie Sabrina Rentsch sie oft hört. „Gerade Junge Leute können mit dem Thema oft nicht viel anfangen. Erst, wenn in ihrer Familie jemand auf Blutspenden angewiesen ist, verstehen sie, wie wichtig das Thema ist.“

Als Anreiz muss das auch reichen, denn mehr, als das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, ist für Blutspender nicht drin. Und ein kleiner Imbiss natürlich.

Nadine Bayram bestellt sich, als sie von ihrer Kanüle befreit ist, etwas zu trinken. Der Flüssigkeitshaushalt muss aufgefüllt werden. Einen Gutschein für die Kantine gibt es obendrein. Ein halber Liter Blut bringt einen zwar nicht um – aber spurlos gehe der Verlust am Körper doch nicht vorbei, sagt Sabrina Rentsch. Vernünftig Essen sollte man hinterher schon.

Von Oliver Fischer

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