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Teltow-Fläming „Aufgerüstet bis zum Gehtnichtmehr“: Schäfer wehren sich gegen den Wolf
Lokales Teltow-Fläming „Aufgerüstet bis zum Gehtnichtmehr“: Schäfer wehren sich gegen den Wolf
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00:22 24.01.2019
Der Wolf ist nach wie vor präsent und gefährlich, die Schutzzäune scheinen aber zumindest vorläufig zu helfen. Quelle: dpa
Dahmeland-Fläming

Der Wolf hält die Tierhalter der Region Dahmeland-Fläming schon seit einigen Jahren in Schach. Deren Investitionen in den Herdenschutz zeigen aber nun offenbar erstmals Wirkung. Obwohl die Zahl der Wölfe in der Region stetig zunimmt, ist die Zahl der Risse zuletzt deutlich zurückgegangen. Der gemeldeten Risse muss man allerdings einschränkend sagen.

Laut der offiziellen Rissstatistik, die das Landesumweltamt veröffentlicht hat, gab es 2018 vor allem in Teltow-Fläming deutlich weniger Verluste. Während die Bauern dort im Jahr 2017 noch 92 Tiere meldeten, die von Wölfen gerissen wurden, waren es im vorigen Jahr nur noch 38. In Dahme-Spreewald wurden 36 Tiere Opfer von Wölfen. Dort ist die Zahl der Risse aber nur um ein Tier gesunken. Vor allem die Schäfer blieben in diesem Jahr von den ganz großen Verlusten verschont. Die Zahl der getöteten Schafe blieb halbwegs überschaubar und es wurden auch keine Massenrisse mehr gemeldet wie noch im Mai 2017, als ein Wolfsrudel in Alexanderdorf gleich 33 Schafe auf einmal tötete.

Aufgerüstet bis zum Gehtnichtmehr

„Es stimmt, die Angriffe sind zurückgegangen“, sagt auch Lutz Ritter. Ritter hat einen großen Schafzuchtbetrieb in Klein Schulzendorf (Trebbin), er ist außerdem Vorsitzender des Schäferstammtisches Teltow-Fläming und kennt daher auch die Situation in anderen Betrieben. Der Rückgang sei aber nicht auf eine Zurückhaltung der Wölfe zurückzuführen, sagt er, sondern auf den Aufwand, den die Schäfer inzwischen betreiben. „Alle haben aufgerüstet bis zum Gehtnichtmehr“, sagt Ritter.

Schäfer Lutz Ritter, mit seinen Schafen. Quelle: Oliver Fischer

Tatsächlich hat das Land im vorigen Jahr knapp 780 000 Euro Fördermittel für Schutzzäune an Landwirte ausgereicht. Das ist knapp dreimal soviel wie im Jahr 2017. Thomas Frey vom Landesumweltamt vermutet ebenfalls, dass die gesunkenen Risszahlen vor allem darauf zurückzuführen sind.

So hätten etwa drei Betriebe aus Teltow-Fläming, die 2017 besonders gebeutelt waren, umfangreiche Fördermittel erhalten und mit dem Geld wolfsabweisende Zäune installiert. Nach Fertigstellung der Zäune seien dort keine Wolfsrisse mehr gemeldet worden, sagt Frey.

Hauptbeute sind Damwild und Wildschweine

„Wölfe entscheiden auch aufgrund des Risikos und des Energieaufwandes, wo sie Beute machen. Flächendeckend und überall zugängliche Beute wie Rehwild, Jungtiere und geschwächte Alttiere von Damwild und Schwarzwild sind deshalb die bevorzugte und alltägliche Nahrungsgrundlage“, so Frey. Je schwerer Beutetiere zugänglich sind, desto eher werde sich der Wolf andere Beute suchen.

Lutz Ritter hat deshalb versucht, es den Wölfen so schwer wie möglich zu machen. Er selbst habe im vorigen Jahr für 9000 Euro einen doppelten Schutzzaun um seine Herde gezogen und lasse inzwischen seine Tiere auch tagsüber nur noch auf eingezäunten Flächen weiden, erzählt er. Zeitweise sei er sogar nachts rausgefahren, um die Herde zu schützen. „Wir haben den Zaun auch mit Warnblinkern ausgestattet. Manchmal haben wir ein Radio laufen lassen. Und wir haben den Zaun mit Smartphone überwacht.“ Die Bilanz kann sich sehen lassen. 2018 gab es keinen einzigen Wolfsangriff auf Lutz Ritters Herde. „Wir waren damit aber der einzige Betrieb in der Umgebung. Und diesen Aufwand hält man nicht ewig durch“, sagt Ritter.

Schwerpunkt verlagert sich nach Potsdam-Mittelmark

Zumal es auch keine Erfolgsgarantie gibt. Ritter berichtet von Schäfern, bei denen Wölfe tagsüber trotz Herdenschutzhunden Tiere gerissen haben. Und landesweit, auch das muss man konstatieren, ist die Zahl der gerissenen Tiere leicht gestiegen. Der Schwerpunkt hat sich allerdings nach Potsdam-Mittelmark verlagert, wo die Landwirte 116 getötete Tiere beklagten. Lutz Ritter berichtet von einem Fall aus dem Landkreis, wo Wölfe sich unter einem eingegrabenen Schutzzaun durchgebuddelt und acht Schafe gerissen haben. „Die Dreistigkeit der Tiere hat inzwischen eine neue Dimension erreicht“, sagt er.

Lutz Ritter merkt auch an, dass längst nicht alle Tierhalter ihre Risse melden. „Vielen ist der Aufwand zu hoch, sie haben resigniert.“ Der Schäfer würde es deshalb am liebsten sehen, wenn die Zahl der Wölfe eingedämmt würde, zumal die Zahl der nachgewiesenen Rudel landesweit mit 37 einen neuen Höchststand erreicht hat.

Damit teilt Ritter die Position der Bauernverbände, die erst in dieser Woche eine Obergrenze für Wölfe gefordert haben. „Irgendwo muss es eine Grenze geben“, sagt auch die Vorsitzende des Bauernverbandes Teltow-Fläming, Silvia Fuchs. „Wir müssen ja miteinander leben.“

Von Oliver Fischer

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