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Dahmer Arbeitskreis zeigt seit 23 Jahren Herz

Kinder von Tschernobyl Dahmer Arbeitskreis zeigt seit 23 Jahren Herz

Das Schicksal der „ Kinder von Tschernobyl“ machte vor allem in den 90er Jahren viele Menschen auch hierzulande betroffen. 30 Jahre ist es her, dass ein explodierender Reaktor weite Teile Weißrusslands verstrahlte. Vor 23 Jahren bildete sich deshalb in Dahme ein Arbeitskreis, der Kinder aus den am meisten betroffenen Regionen zur Erholung einlädt.

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Ilka Pietsch hält per Internet Kontakt zu ihrem Schützling Marina, die heute in einem Minsker Unternehmen für alle Kontakte nach Deutschland zuständig ist.

Quelle: Uwe Klemens

Dahme. „Über die Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk haben wir uns zu Anfang noch gar keine Sorgen gemacht“, erinnert sich Ilka Pietsch. Die Rede Michael Gorbatschows, in der der sowjetische Regierungschef eher beiläufig davon erzählte, hatte die gelernte Russischlehrerin verfolgt. Erst Wochen später, als das Thema im Westen die Nachrichten dominierte, dämmerte es auch hierzulande, dass sich hinter dem Reaktorunfall in der Ukraine eine Katastrophe verbarg. Heute jährt sich diese zum 30. Mal.

Große Welle der Sympathie

Als Anfang der 90er Jahre der damalige Leiter des Dahmer Seminars für kirchlichen Dienst die Idee hatte, Kinder aus den verstrahlten Gebieten zu Erholungsaufenthalten nach Dahme einzuladen, gehörte Ilka Pietsch zu den ersten, die im neugegründeten Arbeitskreis „Die Kinder von Tschernobyl“ mitarbeiten wollte. Über Partnerorganisationen in Weißrussland, das von der radioaktiven Wolke stärker als die Ukraine betroffen war und bis heute als ganzflächig verstrahlt gilt, wurden Kontakte in die am schlimmsten betroffenen Regionen geknüpft. Auf der Suche nach Unterstützern, die die Kinder während ihres Erholungsaufenthaltes betreuen und versorgen oder das Projekt zumindest finanziell unterstützen wollten, stieß der Arbeitskreis auf eine große Welle der Sympathie, offene Herzen und offene Portemonnaies.

300 Kinder in 23 Jahren

Im Sommer ’93 kamen die ersten Kinder zum zweiwöchigen Aufenthalt. „22 Mädchen und Jungen, denen man die Schädigung ihres Knochengerüstes und ihres Immunsystems auf den ersten Blick nicht ansehen konnte, aber die mit großen Augen und großen Erwartungen kamen“, erinnert sich Ilka Pietsch. Kein Jahr ist seither ohne Besuch einer Kindergruppe vergangen, in manchen Jahren waren es sogar zwei. „Ende Juni erwarten wir nun bereits die 25. Gruppe“, freut sich die 71-Jährige. „Gut 300 Kinder werden es im Laufe der Jahre wohl insgesamt gewesen sein.“ Nach dem Wegfall des bisherigen Stammquartiers ist Ilka Pietsch froh, ein günstiges Ausweichquartier gefunden zu haben.

Entgegen der ursprünglichen Idee, jedes Jahr Kinder einzuladen, die noch nie in Dahme waren, sind einige der Mädchen und Jungen schon mehrfach hier gewesen. „Wenn sich Quartiereltern wünschen, im nächsten Jahr das selbe Kind wieder einzuladen, weil eine Freundschaft entstanden ist, können wir das nicht ignorieren“, sagt Pietsch.

Sie selbst hat vor elf Jahren die damals 13-jährige Marina Golub ins Herz geschlossen und gilt in deren Familie seither als Oma Ilka, gegenseitige Besuche in beiden Richtungen inklusive. Den Kontakt halten die beiden über das Internet. Wenn es die junge Frau, die heute in einem Minsker Unternehmen für alle Kontakte nach Deutschland zuständig ist und als Dolmetscherin arbeitet, dienstlich nach Deutschland verschlägt, ist ein Besuch bei ihrer „Oma“ in Dahme auf jeden Fall mit dabei.

„Gebrochenes Deutsch, aber weißrussisches Gefühl“

„Wir alle fühlten uns bei unserem ersten Besuch in Dahme von Anfang an wie zu Hause, weil die Menschen hier so unglaublich nett und herzlich zu uns waren“, erinnert sich Marina Golub. „Wir haben uns damals zwar nur in gebrochenem Deutsch unterhalten können, das aber mit weißrussischem Gefühl.“ Für Ilka Pietsch und die anderen Mitglieder des Arbeitskreises kann es wohl kaum eine schönere Anerkennung geben. „Möglich ist das aber nur, weil wir bis heute so viele Unterstützer haben“, sagt Pietsch. Ilona Radünz, Annegret Albrecht, Monika Petras und Karin Manka sind bis heute über all die Jahre das Rückgrat des Arbeitskreises geblieben. „Jeder ist wichtig und bringt sich mit dem ein, was er kann. So lange wir so viele Unterstützer haben, die uns mit Geld und Sachspenden unter die Arme greifen und sich bei der Freizeitgestaltung mit einbringen, machen wir weiter“, sagt Pietsch.

Von Uwe Klemens

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