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Teltow-Fläming Das Phänomen der Euphorie für den Krieg
Lokales Teltow-Fläming Das Phänomen der Euphorie für den Krieg
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00:21 07.07.2015
Euphorisch fiebern die Protagonisten dem Ersten Weltkrieg entgegen. Quelle: Victoria Barnack
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Altes Lager

Das Thema Konversion der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist das Ziel des Konversionssommers. Zum 18. Mal wurde er in der vergangenen Woche eröffnet. In diesem Zuge trauten sich die Veranstalter nun auch an ein junges Publikum. Koordinator Markus Hennen stellte Freitag sein Forum für Konversion und Stadtentwicklung in Brandenburg circa 50 Schülern aus Jüterbog vor – und zwar an einem Ort, der selbst als erfolgreiches Beispiel der Nachnutzung militärischer Areale ist: das „Haus“ in Altes Lager.

Angereist waren die 10. Klassen des Goethe-Schiller-Gymnasiums und der Wiesenoberschule allerdings nicht mit ihren Geschichts-, sondern den Deutschlehrerinnen. Denn auf der Bühne im großen Saal des Kulturzentrums wurde ein Theaterstück aufgeführt. 90 Minuten lang wurden die Schüler dabei in die Jahre 1913 und 1914 zurückversetzt. Das Stück „Wer ist die Waffe, wo ist der Feind“ stammt aus der Feder des Cottbussers Oliver Bukowski. Aufgeführt und inszeniert wurde es vom Theater ’89 unter der Leitung von Hans-Joachim Frank, der mit dem Autor bereits öfter zusammengearbeitet hat. „Das Stück ist explizit für junge Leute geschrieben“, sagt er. Erzählt wird die Geschichte von zwei Kindern einer Familie des Bürgertums, einem Arbeiter und einem Künstler, die sich zunächst gemeinsam gegen den Kapitalismus und damit auch gegen den erfolgreichen Unternehmer und Vater der beiden Kinder stellen. Die Tochter Thea wird schließlich in ein Sanatorium eingewiesen. Die drei Jungs entkommen dem Gefängnis nur dank der Beziehungen des Vaters. Am Ende stehen jedoch alle vereint. Arbeiter und Künstler ziehen euphorisch in den 1. Weltkrieg. Ihr Oberst ist der vorher verhasste Vater. Und der minderjährige Sohn fiebert seiner Volljährigkeit entgegen, um auch an die Front gehen zu dürfen.

„Warum waren die vier denn erst gegen und am Ende für den Vater?“, ist die Frage einer Schülerin zu Beginn der folgenden Diskussion. Eine konkrete Antwort darauf hätten die Zehntklässler wohl auch von ihren Geschichtslehrern nicht erhalten können.

„Genau das ist es, was wir uns heute auch fragen“, sagt Hans-Joachim Frank und erklärt gleichzeitig die Intention des Theaterstücks. „Wenn ich damals gelebt hätte, wäre ich sicherlich auch marschiert“, sagt er und sieht sich und das Theater deswegen in der Pflicht, einen Beitrag zur Stärkung der Schüler in ihren eigenen Positionen beizusteuern. „So sehr, dass ihr den Widerstand am Ende wirklich geleistet hättet“, sagt er.

Sogar die Schauspieler regte das Stück zum Nachdenken an. „Wir selbst mussten uns auch erst einmal mit dem Thema beschäftigen und haben dafür im Vorfeld viel Material studiert“, erklärt Schauspielerin Laila Maria Witt.

Von Victoria Barnack

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