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Das Problem mit dem Essen von nebenan

Zeuthen Das Problem mit dem Essen von nebenan

Der landespolitische Sprecher der Grünenfraktion im Landtag, Benjamin Raschke, fragt sich, weshalb Biobauern in Brandenburg nicht in dem Maße vom Regional- und Bio-Boom in Berlin profitieren, wie man es sich in der Landesregierung wünschen würde. Deshalb besuchte er unter anderem den Zeuthener Gastronom Hartmut Leutloff – und weiß nun mehr.

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Benjamin Raschke, Lübbener und landwirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen, am Messer.

Quelle: Fischer

Zeuthen. Benjamin Raschke steht in der Küche des Restaurants „Wirtshaus am See“ in Zeuthen und bemüht sich darum, zwischen all dem Profi-Equipment eine gute Figur abzugeben. Er hat sich eine rote Schürze umgebunden, hantiert mit einem großen Messer und zerlegt einen Mozzarellaball in kleine Stücke. Es handelt sich um Büffelmozzarella aus Jüterbog, eine schöne Fügung. Nicht nur, weil man bei Mozzarella kaum Gefahr läuft, sich in den Finger zu schneiden. Der Jüterboger Mozzarella ist ein regionales Produkt. Und Raschke, landwirtschaftlicher Sprecher der Grünen- Fraktion im Landtag, ist auf regionaler Mission unterwegs.

Schlagwort regional

Regional ist eines der wichtigsten Schlagworte der Grünen. Regionale Produkte, regionale Küche, regionale Kost. Seit Jahren fordert die Partei die Hinwendung zum Lebensmittel, das um die Ecke gezogen, geerntet oder gezüchtet wurde. Doch während in Berlin die Bio-Märkte aus dem Boden sprießen und das Heimische eine große Fangemeinschaft gefunden hat, tut man sich in Brandenburg schwer damit – obwohl das Land doch alles zu bieten hat, sagt Raschke. Deshalb bereist er derzeit Unternehmen und Bio-Höfe in Brandenburg und lässt sich erklären, woran es hakt.

In Zeuthen ist er verabredet mit Akteuren, die aus der Sicht der Gastronomie etwas zur Aufklärung beitragen können. Hartmut Leutloff betreibt seit Mitte der Neunziger Jahre ein Restaurant, das inzwischen etabliert ist als Anbieter von anspruchsvoller gehobener Küche. Seine Köche kochen saisonal und regional – wann immer es möglich ist. Aber es sei nicht immer möglich, sagt der Restaurant-Chef, als Raschke das Messer wieder aus der Hand gelegt hat. „Das Problem ist schon der Transport. Wir brauchen kleine Mengen, die täglich frisch angeliefert werden müssen. Ich habe keine Zeit, mir die Ware persönlich abzuholen.“ Die Großhändler in Berlin beziehen ihre Waren aber nicht nur aus der direkten Umgebung. „Deshalb kann ich auch nicht sagen, woher mein Blumenkohl kommt“, so Leutloff.

Fisch vom Zeuthener Fischer

Regionale Versuche haben die Restaurantbetreiber öfter gestartet. Noch heute bekommt Leutloff Fisch vom Zeuthener Fischer. Aber sein früherer Kräuter-Lieferant aus dem Spreewald hat aufgegeben, und bei den Gemüse-Bauern heiße es immer wieder, dass die Bestellungen zu klein sind, sagt Leutloff. Andersherum erfüllen die regionalen Produkte auch nicht immer die Qualitätsansprüche der Küche. Das Schweinefleisch bezieht Leutloff deshalb aus Thüringen, die Lämmer aus dem Harzer Vorland. Das alles – plus die aufwendige Verarbeitung – macht das Essen hochpreisig. „Aber Essen ist auch mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Lebenskultur“, sagt Leutloff. „Ich würde mir wünschen, dass mehr Brandenburger das erkennen. Das ist auch eine der großen Aufgaben der Politik“, findet er.

Darin ist er sich mit Johannes Ehmken einig, den die Grünen zum Gespräch hinzugebeten haben. Ehmken ist ein Bio-Caterer aus Berlin und Mitglied im Bio-Wirtschaftsverbund „Fair & Regional“. Er sagt: „Im Alltag muss Essen wieder mehr Bedeutung haben.“ Nur etwa 10 bis 15 Prozent der in Berlin verkauften Bio-Produkte kämen auch aus Berlin und Brandenburg. „Da muss mehr gehen.“ Ehmkens Forderung: Die Politik solle den Wert des Regionalen stärker bewerben und beispielsweise kleine Regionalläden stärker fördern, die auch den Vertrieb regionaler Produkte übernehmen könnten.

An diesem Punkt hebt Landespolitiker Benjamin Raschke allerdings eine Augenbraue. Die Grünen reden ja schon viel über hochwertiges Essen, aber mit den Kampagnen der Discounter und Fast-Food-Ketten könne man nicht konkurrieren. Und Fördertöpfe für kleine Läden seien im Land schlicht nicht vorhanden. Es ist ein komplexes Feld, sagt Raschke. „Wir sind noch nicht am Ende der Reise.“

Von Oliver Fischer

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