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Das Reh als Sündenbock

Waldgesundheit Das Reh als Sündenbock

Die Ergebnisse der ersten Waldinventur in Brandenburg scheinen längst gehegte Befürchtungen im Forstministerium zu bestätigen: Die Daten weisen einen hohen Verbiss von Jungpflanzen auf. Beim Land drängt man deshalb auf mehr Abschüsse. Jäger und regionale Forstbehörden bewerten das Problem allerdings differenzierter.

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Schaut ganz unschuldig, frisst aber junge Bäume ab: ein Reh.

Quelle: Peter Geisler

Dahmeland-Fläming. Bisher gab es nur ein Gefühl – und das war schon nicht gut. Aber jetzt liegen Zahlen vor, und die belegen, sagt Carsten Leßner, dass man etwas tun muss. Am besten mit dem Gewehr.

Carsten Leßner arbeitet im brandenburgischen Umweltministerium. Er ist Referatsleiter Wald und Forstwirtschaft und damit auch zuständig für die erste Waldinventur im Land Brandenburg, die gerade abgeschlossen wurde. Im gesamten Land wurde der Wald grobmaschig untersucht. Die Ergebnisse sind aus Leßners Sicht brisant. Zum einen zeigen die Daten, dass der Holzvorrat in Brandenburg kontinuierlich steigt. Das heißt: Es wird deutlich weniger Holz geerntet als es nachwächst. Das sei erst einmal gut, sagt er. Aber es könne auch nicht immer so weiter gehen. „Man muss sich Gedanken machen, wie man den Wald wieder verjüngt.“

Und genau da sei das Problem – auch das zeigen die Ergebnisse der Waldinventur. Laut den Zahlen wird fast die Hälfte der ganz jungen Pflanzen von Rehen, Hirschen und Damwild an- und weggefressen. In der Region Dahmeland-Fläming sind 44 Prozent der nachwachsenden Bäume, also fast jeder zweite Baum bis 1,30 Meter Höhe, verbissen. Diese Quote ist für Brandenburg ein Mittelwert, im Süden liegt sie noch höher. Aber das sei kein Grund zur Beruhigung, sagt Leßner. Denn bundesweit führe das waldreiche Brandenburg die Verbissstatistik deutlich an. Nirgends schlägt demnach das Schalenwild so zu wie in der Mark. „Tolerabel wäre eine Quote von etwa 20 Prozent“, sagt Leßner. Dafür müsste man den Verbiss um die Hälfte reduzieren.

Eine politische Konsequenz sei, dass Zaunbau in größeren Privatwäldern nicht mehr gefördert wird. Zäune im Wald seien immer die schlechteste Lösung. „Man schließt Mensch und Tier aus.“ Womöglich werde dadurch zwar ein Teil des Waldes geschützt – aber auch nur, wenn der Zaun überall dicht ist. Andererseits steige dadurch aber der Druck auf andere Flächen, die Tiere fressen ja trotzdem. Eine bevorzugte Lösung heißt deshalb: deutlich mehr Abschüsse von Schalenwild.

Die Jäger und Forstbehörden in der Region bewerten die Situation allerdings etwas differenzierter. Sicher gebe es in Revieren, in denen nachlässig gejagt wurde, auch extreme Schäden – wie zuletzt in der Region um Münchehofe. Aber da werde inzwischen auch gehandelt, sagt der Vorsitzende des Jagdverbandes Königs Wusterhausen, Horst-Dieter Hennings. Grundsätzlich müsse man beim Verbiss indes schauen, was genau abgeknabbert wird, heißt es aus der Unteren Jagdbehörde Teltow-Fläming. Schädlich für den Baum sei nur Verbiss am Leittrieb, und da sei man mit 13,7 Prozent absolut im Rahmen.

Dort, wo tatsächlich zu viel abgefressen werde, müsse man sich die Ursachen anschauen. Und die seien, sagt auch Ortwin Seier, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming, oft hausgemacht. Das Land selbst habe in seinen Wäldern über viele Jahre nicht ausreichend junge Bäume nachgepflanzt. Wenn dann plötzlich im großen Stil verjüngt werde, konzentriere sich der Verbiss eben auf diese Flächen. „Es gibt deshalb Reviere, wo wir tatsächlich ein Problem haben. Aber dann muss man das Wild auch an den Verjüngungsflächen bejagen – und zwar ganzjährig und nicht nur im Herbst, wie es im Landeswald oft getan wird“, sagt Seier.

In Teltow-Fläming sei die Strecke, also die Zahl des geschossenen Wilds, in den vergangenen Jahren aber generell stabil gewesen – was darauf hindeutet, dass auch der Bestand nicht dramatisch zugenommen hat. Deshalb seien auch keine großen Änderungen nötig, solange Waldbauer und Jäger zusammenarbeiten und sich auf die jeweiligen Anforderungen der Reviere einstellen.

Das Reh zum Sündenbock zu machen, sei jedenfalls wenig hilfreich, sagt Seier. Auch bei der Unteren Jagdbehörde bewertet man den Umgang mit dem Reh seitens des Landes als nicht zielführend. Rehe sind seit dem vorigen Jahr von der planmäßigen Bewirtschaftung ausgenommen – im Grunde wurden sie zum Abschuss freigegeben. Das Resultat war aber offenbar nicht das gewünschte. Da jeder Jagdpächter nun nach Gutdünken handeln kann, könnten Flächeneigentümer keinen Einfluss mehr auf die Bejagungsintensität nehmen, heißt es beim Landkreis. „Die Rehwildstrecke ist in unserem Landkreis nach dem Wegfall sofort gesunken.“

Tim Ness, Leiter der Oberförsterei Hammer, glaubt, dass an allen Stellen einfach ein Gefühl für die natürliche Ausgewogenheit von Wild und Wald abhanden gekommen ist. Er setzt da auf die Natur. „Meine Hoffnung ist, dass der Wolf das künftig etwas reguliert.“

Von Oliver Fischer

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