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Teltow-Fläming Das Reihersteg-Trauerspiel in Reimform
Lokales Teltow-Fläming Das Reihersteg-Trauerspiel in Reimform
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04:50 14.06.2016
Horst Reinhardt ärgert sich über den Zustand des Reiherstegs. Quelle: Zielke
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Rangsdorf

Wenn reden nichts mehr nützt, hilft manchmal die Poesie. Horst Reinhardt hat immer wieder über das Problem Reihersteg gesprochen – mit Nachbarn, dem Bürgermeister und mit Gemeindevertretern. Geschehen ist nichts. Der Reihersteg ist die selbe Modder- oder Schlammpiste wie seit Jahren.

Um seinem Ärger, aber auch seiner Ratlosigkeit, Luft zu machen, hat Horst Reinhardt ein Gedicht geschrieben. Darin beschreibt er den Reihersteg als „eine Mischung aus Schlagloch und Weg“. „Bei Regen gleicht er einem Kanal, bei Sonne wird atmen hier zur Qual“, gehen die Verse weiter. „Ich habe mir das zusammengereimt“, sagt der 63-Jährige. Insgesamt habe er für die 24 Zeilen kaum mehr als eine halbe Stunde gebraucht – mit Pausen. „Die meisten Ideen kommen mir beim Autofahren“, sagt Horst Reinhardt. Zu Hause bringe er die Gedanken dann auf Papier. Joachim Ringelnatz sei sein großes Vorbild. „Ironie finde ich wichtig“, sagt er. Mit ihr lasse sich jedes noch so trockene Thema unterhaltsam rüberbringen. Normalerweise reimt er über Freunde und Verwandte. In der Familie seien seine kurzen Gedichte seit Jahren gefragt. In sein erstes Gedicht schrieb Horst Reinhardt 1966 einen Aufsatz über den Frühling in Reimform. Letztlich, sagt er, könne man zu jedem Thema, das einen bewegt, schreiben, auch über eine Straße.

Das Gedicht

Gemeinde Rangsdorf

Rangsdorf ist ein schöner Ort,

drum wohnen viele Menschen dort.

Rangsdorf hat Wälder, Rangsdorf hat Seen,

dass man sich hier wohl fühlt, kann ich versteh‘n.

Doch Rangsdorf hat auch Straßen oder so in der Art,

manche kann man befahren, bei ander‘n wird es hart.

Da gibt es den herrlichen Reihersteg,

er ist eine Mischung aus Schlagloch und Weg.

Bei Regen gleicht er einem Kanal,

bei Sonne wird atmen hier zur Qual.

Zwischen Bergstraße und Wiesenrain

gibt es die Straße nur zum Schein.

Wer in diesen Abschnitt muss,

kommt am besten her zu Fuß.

Selbst Fahrrad fahren wird zum Fluch,

du rechnest stets mit Rahmenbruch.

Die Gemeinde versucht mit wenig Verstand

die Löcher zu füllen mit trockenem Sand.

Wenn wir Glück haben hält dies bis zum nächsten Schauer.

Wir Anwohner sind mittlerweile sehr sauer,

denn die Gemeinde hat vor Jahren die Planung erstellt

nur zur Realisierung hat sie kein Geld.

Man fühlt sich verarscht nach Faden und Strich

und wenn man was sagt, heißt es: „Beruhigen Sie sich“.

In der Hoffnung unser Bürgermeister liest diese Zeilen und denkt

mal wieder über die Realität in seiner Gemeinde nach.

Schlechte Straßen sind in Rangsdorf nichts ungewöhnliches, doch der Reihersteg bietet seit Jahren ein besonderes Trauerspiel. Immer wieder wurde den Anwohnern versichert, dass die Straße bald ausgebaut wird und immer wieder wurden sie vertröstet. Weil mehrere kleine Straßen vom Reihersteg abgehen, ist dort relativ viel Verkehr.

Bereits 2006 war der Bau der Straße eigentlich geplant

„Als ich im November 2006 in mein Haus gezogen bin, hat man mir gesagt, ich solle mich auf den Bau der Straße einstellen“, erinnert sich Horst Reinhardt. Nun möchte er das Geld, das er und seine Frau damals beiseite gelegt haben, für eine vernünftige Straße ausgeben, doch die Gemeinde hat kein Geld „Ich finde, wir sind jetzt dran“, sagt Horst Reinhardt. Wie er sähe das die große Mehrheit der Anwohner. Auch die Fraktion Freie Wähler/ Allianz für Rangsdorf (FW/ AfR) fordert einen Ausbau der Straße 2017. „Es wird nur repariert, ohne dass das Problem gelöst wird“, sagt Gemeindevertreter Ralf von der Bank.

Es könnte bald Bewegung in die Sache kommen – allerdings vm Kreis. Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) verweist auf ein Baugrundachten, in dem das Recyclingmaterial mit dem die Schlaglöcher verfüllt wurden, als problematisch einstuft. Die Gemeinde könnte aufgefordert werden, die Gefahr zu beseitigen – mit Folgen für den Haushalt. „Schlimmstenfalls gibt es eine Haushaltssperre“, sagt Klaus Rocher. Er rät den Anwohnern, die Straße selbst auszubauen.

Von Christian Zielke

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