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Teltow-Fläming Das Warschauer Ghetto in Luckenwalde
Lokales Teltow-Fläming Das Warschauer Ghetto in Luckenwalde
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06:43 14.01.2016
Und Action: Die nächste Szene in der Mühlenstraße wird vorbereitet. Quelle: Lorenz Reck
Luckenwalde

Einen Zeitsprung erlebten im Frühherbst die Buchtstraße und die Mühlenstraße in Luckenwalde. Am 2. Oktober 2015 dienten die nicht gerade beschaulichsten Straßenabschnitte der Kreisstadt als Filmkulisse (die MAZ berichtete). Für einen historischen Dokumentarfilm, der am kommenden Montag, dem 18. Januar, spät abends in der ARD ausgestrahlt wird, waren sie als Drehort für Filmszenen ausgewählt worden, die im Warschauer Ghetto vor mehr als 70 Jahren spielen.

Produzent Thomas Schuhbauer (l.) und Regisseur Tom Ockers (r.). Quelle: Lorenz Reck

Morgens um 8 Uhr rückte das Filmteam mit Schauspielern, Komparsen, Kameraleuten, Tonassistenten, Masken- und Kostümbildnern, Aufnahmeleitern, Regisseur und Produzent in Luckenwalde ein. Quartier bezog es in der MAZ-Lokalredaktion in der Schützenstraße, die genau im Schnittpunkt zwischen den beiden Drehorten Buchtstraße und Mühlenstraße liegt. Der Konferenzraum der Redaktion verwandelte sich zum Masken- und Frisiersalon und zur Kostümgarderobe. Von der ehemaligen Dunkelkammer aus dirigierten Produzent und Aufnahmeleiter die Abläufe. Zwölf Stunden später war alles im Kasten, und die Filmleute rückten wieder ab. Sie hatten einen beachtlichen Aufwand betreiben müssen für ein paar Minuten Filmszenen.

Zweck und Inhalt dieser Aufnahmen wurde damals noch recht geheim gehalten. Klar war nur, dass es um Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus geht. Am Drehort Luckenwalde spielte die Szene eines deutschen Besatzungsoffiziers, der im Warschauer Ghetto mit ansehen muss, wie ein jüdisches Mädchen von SS-Leuten erschossen wird, weil es Lebensmittel in das abgesperrte und von Juden bewohnte Viertel Warschaus schmuggeln wollte.

Am Montag nun, eine Woche vor der Fernsehausstrahlung im Ersten Programm, wurde die TV-Dokumentation „Vater Mutter Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin der Presse vorgestellt. Eingeladen hatten der Südwestrundfunk (SWR) und der Norddeutsche Rundfunk (NDR), die gemeinsam das Projekt „Vater Mutter Hitler“ redaktionell verantworten.

Spurensuche zu später Stunde

Die TV-Dokumentation „Vater Mutter Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche“ wird am Montag, dem 18. Januar, von 23.30 bis 1 Uhr morgens im Ersten Programm gezeigt.

Der Grund für die späte Ausstrahlung ist das Spiel Deutschland – Schweden der Handball-Europameisterschaft, das live ab 20.15 Uhr im „Ersten“ über den Bildschirm läuft.

An dem Projekt arbeiteten die Autoren und Fernsehmacher seit mindestens drei Jahren. Dazu wurden unzählige Tagebücher ausgewertet, aus denen man exemplarisch vier auswählte.

Der Fernsehbeitrag wurde aufwendig produziert und setzt sich zusammen aus historischen Filmdokumenten, nachgestellten Filmszenen und Interviews mit den Nachkommen.

Dabei geht es um vier Zeitzeugen, die in der Zeit von 1933 bis 1945 Tagebuch geführt haben, und wie ihre Kinder mit Hilfe dieser Tagebuchaufzeichnungen auf Spurensuche gehen und dabei ihre Väter beziehungsweise Mütter zum Teil in einem ganz anderen Licht erkennen müssen, oder auch dürfen. Allen vier Protagonisten haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind anfangs von Hitler und seinem Aufstieg zum deutschen Reichkanzler und „Führer“ begeistert. Zwei davon bleiben es offenkundig bis zum Zusammenbruch Deutschlands. Die beiden anderen erkennen aber durch persönliche Erfahrungen schon zuvor, dass sie einem gefährlichen „Ver-Führer“ hinterhergelaufen sind.

Einer derjenigen, der seinen Irrtum erkennt, ist der deutsche Besatzungsoffizier Wilm Hosenfeld. Er rettete in Warschau so viele Juden wie ihm möglich war vor dem Abtransport ins KZ. Seine Geschichte wurde in Luckenwalde szenisch nachgestellt. Berühmt wurde Hosenfeld bereits durch den Hollywood-Regisseur Roman Polanski, der die Geschichte des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman in dem Spielfilm „Der Pianist“ erzählte. Szpilman gehörte zu denen, die Hosenfeld rettete.

Von Hartmut F. Reck

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