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Teltow-Fläming Das große Gemetzel
Lokales Teltow-Fläming Das große Gemetzel
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00:24 26.08.2015
Die schwarzen Preußen in Pulverdampf und Mehlstaub gehüllt.
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Großbeeren

Gewehr neu laden, Stellung beziehen, zielen, schießen. Dann den Lauf reinigen. Im Hintergrund feuert die französische Artillerie, die Großbeeren schon in Brand gesetzt hat. Unterdessen rücken die sächsischen Infanteristen vor ins Dorf. Mittendrin: Uwe Kober.

Es ist Sonnabend, der Tag des 202. Siegerfestes in Großbeeren, und vor Uwe Kober spielt sich mal wieder ein zentraler Teil der Ortsgeschichte ab. 45 Vereine haben sich zusammengetan, sie präsentieren historische Uniformen und Waffen. „Das ist Geschichte zum Anfassen“, sagt der Pensionär. Kober kommentiert die Szenen des Schaukampfes für das Publikum. Kober begleitet und organisiert die Schaukämpfe schon seit 1991. Wenn die Kampfhandlungen von 1813 nachgestellt werden, schlüpft er dabei immer in die Rolle des Majors von Spreuth.„Wir spielen aber nicht Krieg“, wie er betont. Mit dem Vorführen der historischen Waffen wolle er zum Nachdenken anregen: „Krieg heißt Zerstörung und Elend“, sagt er.

Hintergrund: 1813 versuchte das napoleonische Heer, das zum großen Teil aus sächsischen Verbänden bestand, Berlin zu besetzen, wie schon 1806. Im Frühsommer war die Armee Napoleons aus Moskau zurückgekehrt. Da der preußische König Friedrich Wilhelm III. nicht recht wusste, wie er mit dem geschlagenen Kaiser umgehen sollte, kam Marschall Yorck seinem zögerlichen König zuvor und unterzeichnete mit dem russischen Zaren einen Bündnisvertrag. In der Folge wurden Bauern zu Landwehren mobilisiert, Sensen zu Speeren geschmiedet. Den Oberbefehl über das zusammengetrommelte Heer bekam Jean Baptiste Bernadotte, ein Überläufer von Napoleons Armee.

In Großbeeren mischte sich auch die preußische Artillerie ins Gefecht. An deren Sechspfünder steht am Sonnabend Walter Keil. Die Kanone, 180 Kilogramm schwer, hat er nach originalgetreuen Skizzen nachgebaut. Der gesamte Wagen, die Lafette, wiegt über eine Tonne. „In Waterloo hat sie dieses Jahr ihre Taufe erlebt“, sagt der gelernte Schmied und Stellmacher. Keil schiebt mit Schwarzpulver gefüllte Kartuschen aus Staniolpapier in den Rohrschaft und zündet die Lunte. Es knallt, qualmt und staubt mächtig – vor allem wegen des beigemengten Mehls. Für die Zuschauer wurde vorher gratis Ohropax verteilt.

Die echten Truppen hatten damals mit nassem Pulver zu kämpfen, weil es regnete. Als General von Bülow mit seinem Landwehrheer gegen Großbeeren rückte, sah er seine einzige Chance im Nahkampf. Gegen den Befehl von Bernadotte leitete er den Angriff auf das überraschte napoleonische Heer ein. Die Niederlage Napoleons bei Großbeeren, der nicht auf dem Schlachtfeld zugegen war, führte schließlich zur entscheidenden Völkerschlacht in Leipzig.

Die heftigsten Kämpfe in Großbeeren fanden auf dem Kirchfriedhof statt, unweit der heutigen Schinkelkirche. Dort wurde am Sonntag die Friedensandacht gehalten. Bereits vor den Gefechtsdarstellungen gedachten Gemeindevertreter und die historischen Truppen auf dem Friedhof der Opfer. Längst hat sich um die Gefechtsdarstellungen auch ein Fest mit Rummel, Livemusik, Trödel- und Handwerkermarkt etabliert. Uwe Kober ist das Gedenken ein besonderes Anliegen. „Jeder Treffer hat damals zwölf Mann in den Tod gerissen“, sagt er. Besonders für die Bevölkerung habe sich der Krieg gravierend ausgewirkt. Ernten seien ausgefallen, Bauern im Krieg geblieben. Er ärgert sich, dass keine Lehren aus der Geschichte gezogen würden.

Seine Uniform will Kober im nächsten Jahr an den Nagel hängen.

Von Krischan Orth

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