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Das ist eine der besten Lehrerinnen Deutschlands

Luckenwalde Das ist eine der besten Lehrerinnen Deutschlands

Unzählige Schüler-Jahrgänge hat Ines Weghenkel in Deutsch und Englisch bis zum Abitur geführt. Offensichtlich hat die Lehrerin ihre Klassen mit ihrer engagierten Art überzeugt. Denn sie erhält am Montag den Deutschen Lehrerpreis – auf Vorschlag ihrer Schüler.

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Ines Weghenkel wird mit dem Lehrerpreis ausgezeichnet.

Quelle: Martina Burghardt

Luckenwalde. Ein respektvoller Umgang miteinander schließt Wortspielereien mit dem Namen aus. „Mrs. W“ mit den wilden, roten Locken würde allerdings niemals auf die Idee kommen, dass es ihren Schülern an Respekt mangelt, wenn sie sie so nennen. Im Gegenteil, Ines Weghenkel, die unzählige Jahrgänge in den Fächern Deutsch und Englisch bis zum Abitur begleitet hat, genießt großes Vertrauen und Anerkennung. Am Montag wird sie dafür in Berlin den Deutschen Lehrerpreis erhalten. Abiturienten des Jahrgangs 2015/16 am Oberstufenzentrum Luckenwalde hatten sie dafür vorgeschlagen.

Abschiedsbriefe und Fotos für „die beste Lehrerin der Welt“

„Es gibt bestimmt viele wunderbare Lehrer“, sagt Annika Plewa aus der Abschlussklasse, „die ihrem Beruf alle Ehre machen und den Schülern viel Freude bereiten. Jedoch ist Frau Weghenkel Jahr für Jahr in der selben selbstlosen Weise aktiv, so dass sie diese Auszeichnung mehr als verdient hat.“ Dass sie „die beste Lehrerin der Welt“ ist, hat Ines Weghenkel schriftlich. Schmunzelnd zeigt sie die rührenden Abschiedsbriefe und Fotos von Mädchen und Jungen, hauptsächlich aus ihrer Zeit in Madrid, wo sie sieben Jahre an der deutschen Schule tätig war. Die Erinnerungen, die in Heftern und Büchern festgehalten sind, haben wenig mit Unterricht und Wissensvermittlung zu tun, sondern mit jungen Menschen.

Die Abiturklasse des Jahrgangs 2015/2016 aus dem Luckenwalder Oberstufenzentrum schlug Ines Weghenkel vor

Die Abiturklasse des Jahrgangs 2015/2016 aus dem Luckenwalder Oberstufenzentrum schlug Ines Weghenkel vor.

Quelle: privat

Ines Weghenkel sagt ungern „Schüler“. „Das bedeutet ja, man reduziert Menschen auf Schule und Unterrichtsstoff“, sagt sie. „Dabei haben sie auf so vielen Ebenen zu kämpfen.“ Fehlende Vorbilder, Geldmangel, eine strukturschwache Gegend führt sie als Beispiele an. Relativ oft, so ihre Erfahrung, schlagen die Jugendlichen, die an das berufliche Gymnasium wechseln, als erste in ihrer Familie diesen Bildungsweg ein. „Nicht nur Schüler, sondern viele Menschen sind überfordert von den gesellschaftlichen Entwicklungen und der sozialen Situation“, sagt sie. „Da gibt es viele Sachen, die sie nicht verdauen. Deshalb brauchen die Jugendlichen Mentoren.“

Weghenkel: „Ich bin kein Vorbild.“

Mentorin – ja, Vorbild – nein. „Ich bin kein Vorbild, nicht ich setze die Werte“, erklärt Ines Weghenkel mit einer Bestimmtheit, die sowohl die Schüler als auch Kollegen, Freunde und Verwandte von ihr kennen. „Ich bin menschlich, auch mit Schwächen“, sagt sie. „Die jungen Leute sollen sich nicht an einer perfekten Größe messen – sie müssen ihren Weg finden, ihre Stärken entdecken.“ Dabei hilft sie ihnen und lässt sich auch nach mehr als 30 Jahren immer wieder gern überraschen – mit dem Potenzial, das in ihren Schülern steckt. „Ich falle jedes Mal nach hinten um, wenn ich erlebe, wie kreativ sie sind“, erzählt Ines Weghenkel.

Sie vermittelt den Jugendlichen Wissen und Methoden, um ihren eigenen Weg zu gehen. „Denken zu lernen, Entscheidungen zu treffen“, nennt sie es. Und beschreibt sich als „Unterhaltungskünstler und Dompteur mit Elefantenhaut“. So klar die Ziele auch sind, „man kann nicht leisten, dass jede Stunde gut ist“. Für kreativen Unterricht brauche man Zeit.

Eigene Lust am Lernen

Ihre vielen Ideen, von denen Schüler und Kollegen in Weiterbildungen profitieren, entspringen ihrer Lust am Lernen. „Das gehörte für mich von Anfang an mit dazu“, sagt sie. „Ich lerne auch von meinen Schülern.“ Ines Weghenkel nimmt an Fortbildungen teil, übernimmt Verantwortung, stellt Unterrichtsmittel selbst her, arbeitet mit Schulbuchverlagen zusammen, nutzt die neueste Technik, die sie bekommen kann.

Füreinander da sein, Respekt, Kreativität – das sind Eigenschaften, die einen guten Lehrer ausmachen. Die „Beurteilungen“ der Preisträger der vergangenen Jahre legen diese Schlussfolgerung nahe. Aus Kollegensicht wird das Bild differenzierter.

„In erster Linie ist sie bunt“, sagt die stellvertretende Leiterin des OSZ, Bettina Mitius, über Ines Weghenkel. Und damit meint sie keineswegs nur das äußere Erscheinungsbild ihrer Kollegin. „Sie ist neugierig, braucht ständig neue Herausforderungen und ist für ganz vieles offen“, berichtet Bettina Mitius. „Sie hört sich alles an und überlegt, wie man das hinkriegt.“ Besonders schätzt sie, wie kommunikativ Ines Weghenkel ist, dass es bei ihr keinen sturen Unterricht gibt und sie auf die Bedürfnisse der Schüler eingeht, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Zur Person

1985 begann Ines Weghenkel ihre Tätigkeit als Lehrerin.

Die gebürtige Thüringerin unterrichtet zunächst in Eisenach und seit 1989 am Goethe-Schiller-Gymnasium Jüterbog.

Zweimal war Ines Weghenkel seitdem an deutschen Schulen im Ausland beschäftigt: von 1995 bis 1997 in Rumänien, von 2002 bis 2009 in Spanien.

Nach ihrer Rückkehr begann Ines Weghenkel am Oberstufenzentrum Luckenwalde zu unterrichten. Sie engagierte sich dort beim Aufbau der gymnasialen Oberstufe.

Sie ist Fachkonferenzleiterin für Deutsch, Fachberaterin Deutsch sowie Schulprozessberaterin des Landes Brandenburg und in dieser Funktion hauptsächlich im Landkreis Teltow-Fläming tätig.

Ines Weghenkel ist Initiatorin des „Arbeitskreises Deutsch als Zweitsprache“. Dort ist sie zuständig für die Materialerstellung sowie Ansprechpartnerin für die Lehrer, die Flüchtlingsklassen unterrichten.

Dass ihr auch mal die Knie zittern, gibt Ines Weghenkel gern zu. Als sie von der Preisverleihung erfuhr, passierte das zum Beispiel. Aber sie war vor allem überrascht, wie ihre Schüler das durchgezogen haben. Mit welcher Hartnäckigkeit sie sich dahintergeklemmt haben, nötigt ihr höchsten Respekt ab.

Niemand ist absichtlich ein schlechter Lehrer

Trotz zittriger Knie bleibt sie auf dem Teppich und fragt sich, warum ausgerechnet sie den Preis erhalten soll. „Bei der Klasse war ich ,nur’ die Deutschlehrerin“, so Ines Weghenkel. „Ich kenne viele gute Lehrer.“ Und sie weiß auch, dass kein Lehrer von allen gemocht wird, dafür gibt es zu viele unterschiedliche Bedürfnisse. „Die werden vom Lehrerteam abgedeckt“, so Ines Weghenkel.

Und dann ist ihr noch wichtig zu sagen, dass niemand mit Absicht ein schlechter Schüler oder Lehrer ist. „Ich glaube, dass jeder Mensch wahrgenommen werden will, und als Lehrer muss ich merken, was den Schüler ausmacht.“ Junge Leute seien sich ihrer Stärken oft nicht bewusst. „Sie brauchen deshalb Orientierung und feste Regeln“, so die Pädagogin.

Whatsapp an Mrs. W

Mit der Frage, ob sie denn bei ihrem Sohn (32) alles richtig gemacht habe, läuft man bei ihr ins Leere. „In der Schule bin ich in der Lehrerrolle, zu Hause in der Mutterrolle“, stellt sie klar, gibt aber auch zu, dass sie ganz zufrieden ist. Obwohl ihr Sohn eher unfreiwillig mit ins Ausland musste, geht es ihm gut: Er spricht fünf Sprachen und lebt in Barcelona. Wenn er Rat braucht, fragt er seine Mutter. Wenn die Schüler etwas von Ines Weghenkel wissen wollen, schicken sie eine Whatsapp an Mrs. W. Manchmal auch so eine: „Danke, dass Sie mir zugehört haben.“

Von Martina Burghardt

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