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Das jähe Ende einer Eigeninitiative

MAZ-Serie „In der neuen Heimat“ Das jähe Ende einer Eigeninitiative

23. Woche: Die Flüchtlingsfamilie Yassin hat einen Deutschkurs in Ludwigsfelde organisiert. Eine große Gruppe Interessenten fand sich, auch ein Deutsch-Lehrer sagte zu. Aber dann durchkreuzt ein Wachmann die Pläne.

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Auf dem Spielplatz gibt’s auch für die Yassins keine Sprachprobleme

Quelle: Martin Küper

Ludwigsfelde. Die ehrenamtliche Deutschlehrerin der Yassins ist seit Kurzem im Mutterschutz, aber Rabiha und Mohamed haben einen neuen Kurs im Heim organisiert. Ein syrischer Landsmann soll die Bewohner unterrichten, die noch keinen Integrationskurs haben. Alle sind begeistert, doch ein ignoranter Wachmann macht alles kaputt.

Reporter lieben solche Storys

Es hätte eine schöne Geschichte werden können, eine Gruppe von Syrern, die sich im Wohnheim ihren eigenen Deutschkurs organisieren, um die Wartezeit auf ihre Asylbescheide sinnvoll zu nutzen. Reporter lieben so etwas. Doch am Donnerstag endete im Wohnheim am Birkengrund in Ludwigsfelde eine beispielhafte Initiative, bevor sie überhaupt begonnen hatte.

Basam Dabak lebt schon seit einigen Jahren in Deutschland, er beherrscht die Landessprache gut und war bereit, ehrenamtlich einen Kurs anzubieten. Organisiert hatte den Rabiha Yassin, ihr Mann Mohammed und Basam Dabak hatten sich vor Kurzem beim Mercedes-Werk in Ludwigsfelde kennengelernt, wo sich Mohammed um einen Praktikumsplatz beworben hatte. Genau wie Mohammed Yassin ist auch Basam Dabak Maschinentechniker von Beruf.

Syrischer Landsmann als Lehrer

Rabihas bisherige ehrenamtliche Deutschlehrerin ist seit einigen Wochen im Mutterschutz, und die Sprache von einem syrischen Landsmann vermittelt zu bekommen, machte auch manchen Heimbewohnern Hoffnung, die in anderen Deutschkursen nicht viel gelernt hatten. Anspruch auf einen professionellen Integrationskurs haben die Bewohner nämlich erst, wenn ihr Aufenthaltsstatus geklärt ist.

Fußball statt Duetschkurs – da kickt auch der MAZ-Reporter (im Tor) mit

Fußball statt Duetschkurs – da kickt auch der MAZ-Reporter (im Tor) mit.

Quelle: Martin Küper

Wie gesagt, eine Geschichte, wie Reporter sie lieben. Aber ein Flüchtlingswohnheim ist ein sensibler Bereich, Journalisten können nicht einfach ein- und ausgehen, wie es ihnen gefällt. Wenn die MAZ-Reporter bei den Yassins sind, gilt das als privater Besuch, Zugang zu den übrigen Wohngebäuden bekommen sie nur mit Genehmigung der Heimleitung und der Kreisverwaltung von Teltow-Fläming. Der Pressebesuch zum Auftakt des neuen Kurses hatte also einiges an Vorbereitung gekostet, Absprachen waren getroffen, Genehmigungen eingeholt, Verantwortliche informiert worden.

Zum Kursbeginn fehlt nur der Schlüssel

So auch Herr G, der diensthabende Wachmann im Wohnheim an jenem Nachmittag. Herr G. war also durchaus im Bilde, was es mit den 14 oder 15 Leuten auf sich hatte, die sich direkt vor ihm an der Treppe versammelten. Alle da? Prima, los geht’s! Basam Dabak, dunkles Hemd, dunkle Hose, kultivierte Erscheinung, sicheres Auftreten, geht voran, links herum am Kabuff der Wachleute, seine Schüler im Schlepptau, am Ende des Gangs die Tür links. Hat jemand die Schlüssel?

Wachmann: „Raus hier, alle raus, aber sofort!“

Super, der Wachmann kommt schon hinterher, sicherlich, um uns den Raum aufzuschließen. „Sie haben sich anzumelden! Das steht klar und deutlich auf dem Schild! Was ist das hier überhaupt für eine Versammlung?“, tönt es uns entgegen. Als einziger Muttersprachler der Gruppe finde ich als erster die Fassung wieder angesichts des empörten Wachmannes. „Wir sind der Deutschkurs, können Sie uns den Raum aufschließen?“ „Nein, raus hier, alle raus, aber sofort!“

Zurück bleiben verdutzte Syrer, die nicht wissen, was los ist, ein empörter Deutschlehrer und der um die Geschichte betrogene Reporter.

Von Martin Küper

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