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Das verwaiste Schloss Baruth verfällt

Baruth/Mark Das verwaiste Schloss Baruth verfällt

Der Baruther Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) weiß nicht mehr weiter – wen soll er suchen, damit niemandem an der Schlossruine mitten in der Stadt ein Dachziegel auf den Kopf fällt? Dabei ließe sich aus dem zwei Hektar großen Areal mit einem Teil des Lenné-Parks so viel machen.

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Der marode Schlosskomplex mitten in Baruth droht zur Ruine zu verfallen – eine unschöne Kulisse für das aufwendig sanierte, weiß strahlende Alte Schloss nebenan.

Baruth. Wenn das ehemalige Schloss der Familie zu Solms-Baruth mitten im Urstromtal-Städtchen Baruth nicht bald saniert wird, dann sind die denkmalgeschützten Gebäude in absehbarer Zeit nur noch Ruinen. Dessen ist man sich sowohl im Rathaus als auch bei der Unteren Denkmalschutzbehörde bewusst. „Nur finden wir seit Jahren keinen Ansprechpartner, um irgendwas unternehmen zu können“, sagt Bürgermeister Peter Ilk (parteilos).

Es geht um rund zwei Hektar am Lenné-Park. Darauf steht ein im Kern 500 Jahre altes Schloss. Die barock anmutende Fassade, auf die man heute von der Hauptstraße aus blickt, und die Häuser dahinter sind der einzige noch erhaltene Teil einer Vier-Flügel-Anlage mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Außerdem gehört das ebenfalls verfallende Gärtnerhaus im Fachwerkstil zu der Immobilie.

Auch die schönste Abendsonne kann über den Verfall nicht hinwegtäuschen

Auch die schönste Abendsonne kann über den Verfall nicht hinwegtäuschen.

Quelle: Jutta Abromeit

Die Baruther hatten nach dem Mauerfall miterlebt, dass Nachkommen der Adelsfamilie das Anwesen unter Amtsdirektor Günter Lesch für einen symbolischen Preis zurück bekommen hatten und Graf Julian zu Solms-Baruth im rückwärtigen Gebäudeteil eine Zeit lang wohnte. „Das eigentliche Schloss gehörte einer Immobilienfirma“, erklärt Ilk. Die hatte jedoch Insolvenz angemeldet. „Im Handelsregister wurde sie gelöscht, aber im Grundbuch steht sie noch“, so der Rathauschef.

Stadt wollte in München einen Nachtragsliquidator bestellen

Deshalb habe man beim Amtsgericht München beantragt, einen Nachtragsliquidator zu bestellen, sagt er. Das sei 2014 jedoch abgelehnt worden. „Daraufhin haben wir bei der nächsten Instanz, dem Landgericht München, Beschwerde dagegen eingelegt, weil es wirklich Handlungsbedarf gibt“, so Ilk. Es könne jederzeit passieren, dass sich ein Ziegel aus dem maroden Dach löst. „Oder dass irgendwas anderes von den Schornsteinen oder der Fassade abfällt“, sagt er; auf alle Fälle gebe es eine Verkehrssicherungspflicht. Doch um die anzumahnen, brauche man einen Ansprechpartner. Ilk schüttelt noch immer den Kopf: „Das Gericht hat uns tatsächlich geschrieben ,Es ist nicht Aufgabe eines Nachtragsliquidators, Ansprechpartner für Behörden zu sein.’“

Detail der im Barockstil nach 1700 angebrachten Fassade

Detail der im Barockstil nach 1700 angebrachten Fassade.

Quelle: Jutta Abromeit

Dass die Stadt bei ihrer Suche nach einem Ansprechpartner auch den Kreis Teltow-Fläming an ihrer Seite weiß, hat zwei Gründe. Zum einen soll das unter Denkmalschutz stehende Ensemble nicht weiter verfallen. Zum anderen hatte die Denkmalschutzbehörde nach einem Brand vor ein paar Jahren im hinteren Teil des Komplexes das Dach notdürftig decken lassen. „Das kostete 80 000 Euro. Dieses Steuergeld der Bürger will der Kreis natürlich irgendwann zurück haben“, erklärt Ilk.

Briefe kommen ungeöffnet aus Südafrika zurück

Wie berichtet hatte die Familie den hiesigen Besitz nicht Graf Julian zugesprochen, der die Familieninteressen seit 1990 in Baruth vertreten hatte, sondern dem Erstgeborenen, seinem älteren Bruder Friedrich. An ihn und noch bekannte Adressen in Südafrika hatte die Stadtverwaltung mehrfach Post geschickt. „Aber die Briefe kamen ungeöffnet und mit bunten Briefmarken zurück“, sagt Ilk. Auch beim Solmsschen Anwalt Christian Linde sei man nicht weitergekommen. Der erklärte der MAZ gegenüber ebenfalls, nichts zu sagen zu haben.

Parkseite des verfallenden Gebäude-Ensembles

Parkseite des verfallenden Gebäude-Ensembles

Quelle: Christian Zielke

Dabei kann man sich in Baruth gut vorstellen, im Kopfgebäude Tourismusbüro, Bibliothek und Stadtarchiv unterzubringen und zum Park hin Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen. „Die werden hier so dringend gebraucht“, sagt Ilk. Im Moment hat er keine Idee, wo er weiterfragen soll. Es bleibe wohl nur, gemeinsam mit dem Kreis die Zwangsversteigerung zu beantragen. Und er sagt: „Diese große Hütte mitten im Ort kann doch nicht einfach weiter so verfallen.“

Von Jutta Abromeit

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