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Teltow-Fläming Dem Gastgewerbe gehen die Mitarbeiter aus
Lokales Teltow-Fläming Dem Gastgewerbe gehen die Mitarbeiter aus
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00:26 26.03.2018
Schild an der Gaststätte „Zum Alten Fritz“ in Prieros. Quelle: Oliver Fischer
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Dahmeland-Fläming

Die Kühns zogen die Reißleine vor etwa einem Jahr. Die Gäste waren zuletzt unregelmäßig gekommen, das Stammklientel in Teilen gestorben, der Laden ein Zuschussgeschäft geworden. Geschulte Mitarbeiter zu finden war ohnehin praktisch unmöglich.

„Wir haben branchenfremde Mitarbeiter angelernt und versucht, auf neue Trends zu reagieren. Wir haben laktosefreie Kost angeboten, am Ende auch vegan. Aber die letzten zwei Jahren waren eine Quälerei“, sagt Ute Kühn. Fast 100 Jahre gab es das „Gasthaus zum Köthener See“, drei Generationen machten sich um die Gaststätte im Süden von Märkisch Buchholz verdient. Es fehlte Fachpersonal. Es fehlte ein geeigneter Nachfolger für den Betrieb. Zum 1. Januar 2017 schloss das Haus. Es machte einfach keinen Spaß mehr.

Wenn das Köthener Gasthaus der Kühns der einzige schwächelnde Gastbetrieb in der Region wäre, dann wäre das bedauerlich, aber nur eine Randnotiz. Aber: So ist es leider nicht.

Deutlich mehr Restaurants schließen als noch vor fünf Jahren

Die Gastronomie beklagt seit Jahren Probleme bei der Personal- und der Nachfolgersuche – und die Situation verschärft sich. „In den vergangenen fünf Jahren haben deutlich mehr Restaurants geschlossen als in den Jahren zuvor“, sagt Hartmut Leutloff, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Dahme-Spreewald.

Dahme-Spreewald ist auch insofern besonders betroffen, weil dort aufgrund der Tourismusdichte auch der Bedarf und der Bestand an gastronomischen Einrichtungen weit höher sind. Genaue Zahlen über Restaurants und Caf´ gibt es nicht, aber während etwa die Gastronomen in Teltow-Fläming pro Jahr rund 60 freie Stellen bei der Arbeitsagentur melden, schwankte die Zahl in Dahme-Spreewald in den vergangenen fünf Jahren zwischen 220 und 500. Besetzt werden konnte davon maximal die Hälfte.

Laut Leutloff leiden vor allem die Landgaststätten an Personalmangel „Wir haben verpasst, den Beruf attraktiver zu machen. Das rächt sich. Wir haben riesige Probleme, motiviertes Personal zu finden. Und bei Gaststätten, die auch noch vom Saisonbetrieb leben und schlecht angebunden sind, kommt dann vieles zusammen“, so Leutloff weiter.

Zuletzt haben deshalb schon die Touristiker Alarm geschlagen. Die verbuchen von Jahr zu Jahr mehr Gäste in der Regioen, müssen denen aber auch gastronomische Anlaufpunkte empfehlen – und das wird zunehmend schwieriger. „Wenn es keine Gastronomie mehr gibt, fallen auch touristische Angebote weg“, sagt Dana Klaus vom Tourismusverband Dahme-Seenland. Als Beispiel nennt sie Köthen.

„Nimm dir Essen mit, wir fahren nach Brandenburg“

Der abgelegene Ort sei ein touristisches Kleinod mit tollen, touristischen Potenzialen. Es gebe dort einen See, Wald, viel Ruhe, sagt Dana Klaus, aber eben kein Essen mehr, seit die Kühns aufgegeben haben. Man müsse die Gäste vorwarnen. Und damit wird das trübe Bild in Reinald Grebes wenig schmeichelhafter Landeshymne Wirklichkeit: „Nimm dir Essen mit, wir fahren nach Brandenburg.“

Das ist freilich nicht nur ein Problem des Dahme-Seenlandes. „Alle bemerken das, wir auch“, sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming, Daniel Sebastian Menzel. Es gebe immer mal wieder erfreuliche Gegenbeispiele, zuletzt den Landgasthof Jüterbog, wo ein junger Gastronom mit einem neuen Konzept durchstartet. Aber grundsätzlich sei das Gaststättensterben auf dem Land ein „Riesenproblem“.

Bei jüngsten Tourismusfachtag des Landes hat der Fläminger Verband deshalb auch die Frage gestellt, wie man es schaffen kann, junge Menschen in die Region zu holen und sie für Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu begeistern. Antworten hat niemand parat. „Dafür muss man erst verstehen, wie die junge Generation tickt, was sie für Bedürfnisse hat“, sagt Menzel.

Werben um Jugendliche – aber wie?

Klar ist: Diese Bedürfnisse sehen deutlich anders aus als vor 20 oder 30 Jahren. Damals waren Jugendliche noch offen für Jobs in der Gastronomie, sagt Hartmut Leutloff. „Wir hatten auf offene Stellen bis zu 80 Bewerbungen.“ Es gab freilich auch deutlich weniger Alternativen.

Seither haben sich aber die Bedingungen für Arbeitnehmer ringsherum so gebessert, dass die Gastronomie als unattraktiv wahrgenommen wird: lange Arbeitszeiten, viel Wochenendarbeit, körperliche Belastung, oft geringe Bezahlung.

Die Industrie- und Handelskammer überlegt deshalb schon länger, wie sie Interessenten für dieses Berufsfeld gewinnen kann. Werbemaßnahmen in Polen fruchteten nicht wirklich. „Die polnische Regierung hat das nicht unterstützt und für die Polen ist unsere Region auch nicht sehr interessant.

IHK will in die Schulen gehen

Tägliches Pendeln ist kaum möglich, und dann fahren die Arbeitnehmer lieber gleich in den Westen durch, dort gibt es mehr Geld“, sagt die Fachkräfte-Spezialistin der IHK Cottbus, Jana Frost.

Deshalb will man demnächst in Schulen gehen, Klassen in ein Hotel einladen, dort die Gastroberufe vorstellen und vielleicht mit einem guten Essen Eindruck bei den Jugendlichen machen.

Hartmut Leutloff setzt in seinem Restaurant auf Teambuilding. Gerade hat er seine Köche und sein Servicepersonal zu einem Ausflug an die Algarve eingeladen. „Irgend etwas muss man bieten, sonst funktioniert es nicht“, sagt er.

Von Oliver Fischer

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