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Teltow-Fläming Demokratie in der Kita
Lokales Teltow-Fläming Demokratie in der Kita
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00:17 04.06.2017
Die wichtigen Dinge für ein gutes Miteinander sind als „Früchte“ des Werte-Baum im Kita-Flur zu sehen. Quelle: Uwe Klemens
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Jüterbog

„Was hat euch gestern gefallen oder nicht so gut gefallen? Was hat euch traurig gemacht und worüber habt ihr euch gefreut?“ In der „Frösche“-Gruppe der Kita „Spiel mit“ brauchen die Mädchen und Jungen nicht lange zu überlegen, was sie ihren Erzieherinnen Viktoria Schmidt und Manuela Fischer auf deren Fragen antworten. Dass das Essen lecker war und der Spaziergang Spaß gemacht hat, kommt ebenso zur Sprache, wie das Streiten mit anderen Kindern oder der Streit von Mama und Papa daheim. Je nach dem, ob sie deshalb froh oder bedrückt sind, halten die Kinder dabei kleine Kärtchen mit fröhlichen oder traurigen Gesichtern in die Höhe. Der Stolz, dass andere ihre Freude und ihre Sorgen teilen, steht ihnen dabei ins Gesicht geschrieben.

Jedes Kind hat das Recht auf eine eigene Meinung

„Das Beteiligungs- und Beschwerderecht für Kinder ist eine gute Sache und ist laut Sozialgesetzbuch Voraussetzung, um für eine Kindereinrichtung die Betriebserlaubnis zu bekommen“, sagt Kita-Leiterin Andrea Mehler-Hannemann. „Jedes Kind hat ein Recht darauf, seine Meinung zu sagen und zu bestimmten Dingen auch Ja oder Nein zu sagen.“ Für Mehler-Hannemann und ihr Team ist dieser Grundsatz mehr als eine Pflichtübung, um die gesetzliche Forderung zu erfüllen. Denn die Erfahrung, gehört und auch ernst genommen zu werden, forme die Kinder und mache sie stark und selbstbewusst fürs Leben.

Aus diesem Grund haben die Erzieherinnen aus dem geforderten Beschwerde-Management ein eigenes Demokratie-Projekt entwickelt und das Gehört-Werden zum festen Bestandteil des Tagesablaufs gemacht. Die Mädchen und Jungen der „Frösche“-Gruppe haben vor wenigen Wochen den Anfang gemacht. Nach und nach wird das Projekt auf alle anderen Gruppen ausgedehnt.

Keine Angst vor „aufmüpfigen“ Kindern

„Auf keinen Fall dürfen wir vergessen, die Eltern mit ins Boot zu holen“, sagt Mehler-Hannemann, die deshalb vorab in einem Elternbrief das Projekt erläutert hat, auch, um etwaigen Ängsten um „aufmüpfige“ Kinder den Wind aus den Segeln zu nehmen.

„Denn natürlich funktioniert Demokratie nur, wenn sich alle an vorher vereinbarte Regeln halten. Das Aufstellen der Regeln, zum Beispiel wie sich die Kinder beim Tischdecken verhalten sollen, was passiert, wenn ein Kind mittags nicht schlafen möchte oder wie wir uns beim Spazierengehen verhalten, hat prima geklappt. Gemeinsam erarbeitete Regeln dann auch einzuhalten, fällt jedem leichter. Das Ziel des Projektes ist nicht das Prinzip ,Kinder an die Macht’.“

Je nach Reife der Kinder kann das Recht auf Mitsprache Stück für Stück auf andere Themenfelder ausgeweitet werden. Wo sollen die Spiel- und die Essecke hin? Wie könnte die Deko für den Geburtstagstisch aussehen? Welche besonderen Projekte sollten stattfinden oder wie das Abschlussfest für die Vorschulkinder aussehen? „Alles Fragen, bei denen die Kinder lernen, dass auch ihre Meinung wichtig ist“, sagt Andrea Mehler-Hannemann.

Kinder lernen, Kritik zu üben anzunehmen

Neben der Mitsprache bei alltäglichen Dingen, widmen sich Kinder und Erzieher einmal pro Woche im Morgenkreis dem Thema Demokratie. Behutsam können die Mädchen und Jungen lernen, Kritik zu äußern und Kritik anzunehmen und konstruktiv darauf zu reagieren.

„Es wird in der Gesellschaft viel geredet über so große Sachen wie Inklusion und Integration. Hier in der Kita können wir im ganz kleinen Rahmen damit beginnen und Integration leben, ohne große Worte darum zu machen“, sagt Mehler-Hannemann.

Für die Bedeutung der Mitsprache-Erfahrung hat die Kita-Leiterin eine beeindruckende Zahl parat: „Jedes Kind, das missbraucht wird, hat statistisch vorher mindestens sechs Mal versucht, ,Nein’ zu sagen, wurde aber nicht gehört.“

Von Uwe Klemens

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