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Teltow-Fläming Den Augenblick im Bild behutsam festhalten
Lokales Teltow-Fläming Den Augenblick im Bild behutsam festhalten
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00:19 15.09.2017
Norbert Vogel erzählt in seinen Bildern Geschichten. Quelle: Heidrun Voigt
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Eichwalde

Zwei alte Männer teilen sich ein Zimmer. Einer im Jackett sitzt vorm Radio, auf dem eine Teetasse und eine Teekanne stehen. Auf dem zum Sofa umfunktionierten Bett in dem engen Raum liegt sein kariertes Taschentuch. Der Mann im Hintergrund, dessen Schlafstätte sich unmittelbar anschließt, trägt eine Weste und raucht Pfeife. Sein Blick geht resigniert ins Leere. Beide haben bessere und sicher auch schlechtere Zeiten erlebt. Das Stück Wachstuchtischdecke, der Abreißkalender, die gerahmten Gemälde, die mit Reizwecken angepinnten Fotos. Das Bild erzählt und erzählt und erzählt.

Serie „Alte Menschen“

Es ist eine der frühen Arbeiten des Eichwalder Fotografen Norbert Vogel. Die Arbeit stammt aus der Serie „Alte Menschen“ aus seiner Diplomarbeit von 1969. Schon dort zeigt sich Vogels Wachheit und sein Instinkt für Themen und Situationen. Ein abwesender Gesichtsausdruck, eine müde Handbewegung, eine betont aufrechte Körperhaltung – die Szenen in den Altenheimen lassen mitfühlen, wahren dennoch respektvoll Distanz. Die Stimmung ist sensibel ausgelotet, der Moment behutsam festgehalten.

„Ich habe ein gutes Bildgedächtnis und weiß genau, wann, wo, wer“, meint Norbert Vogel. Zu jedem seiner Fotos hat er eine Geschichte parat. Vielschichtig, ohne Worte erzählen seine Bilder diese. Sie verharren nicht an der Oberfläche, sie tauchen tief ein und beschreiben poetisch, spröde oder melancholisch, aber immer eindringlich Orte und Menschen. Sie erzählen von morbiden Straßen, Braunkohlerevieren, Krankenhäusern, Diskotheken, Altstoff-Annahmstellen, Brigaden, Kindern und Alten.

Kamera war immer dabei

Das Schaufenster eines Frisörs 1981 in Zernsdorf. Vor der Dederongardine hängt das Schild „PGH Figaro“, darunter wirbt Karl Marx mit seiner Mähne um die Vereinigung aller Proletarier. Das hat Vogel zufällig bei einem Fahrradausflug entdeckt. Seine Kamera hat er immer dabei. Der Fotograf ist in Eichwalde aufgewachsen, hat in Königs Wusterhausen Abitur gemacht und beim Fotostudio Kneiphof in Eichwalde seine Ausbildung absolviert. 1965 begann er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Fotografie zu studieren.

„Nach dem Studium hätte ich beim Berliner Verlag anfangen können, aber ich wollte nicht jeden Tag in die Redaktion, wollte lieber freiberuflich sein.“ Norbert Vogel hat bis 1993 für die Zeitschrift „Deine Gesundheit“ fotografiert. Tätig war Vogel auch für die DEWAG (Deutsche Werbe- und Anzeigengesellschaft), Carl Zeiss Jena, für Messen und Verlage. „Die Wende war ein Neuanfang. Das war schon heftig, mit dem Mäppchen wieder rumzurennen und Aufträge zu suchen.“ Vogel hat aber den Anschluss geschafft. Er arbeitete beispielsweise mehrere Jahre für das Funkwerk Dabendorf.

Motive von draußen

Seit 1971 hat Norbert Vogel sein Atelier in der Stubenrauchstraße in Eichwalde. „Das war eine alte Fabrik, wo Spritzpistolen für Lacke hergestellt wurden“, erzählt der Fotograf. Ein Jahr hat er gemeinsam mit seiner Frau, die auch Fotografin ist, das zweigeschossige, kleine Gebäude mit den steilen Treppen ausgebaut. Im Atelier, im Erdgeschoss, stehen Studiolampen, Reflektoren, Stative und Softboxen neben Hockern und einem Sofa. An den Wänden hängen großformatige Schwarz-Weiß-Porträts. Norbert Vogel nutzt das Atelier selten, findet seine Motive draußen.

Die Arbeit und das Archivieren seiner Bilder findet am Computer statt. „Ich fotografiere nur noch digital. Ich bin froh, dass ich nicht mehr in der Dunkelkammer stehen und das ganze analoge Zeug mit mir herumschleppen muss.“ Norbert Vogel verweist auf das Gewicht großer Objektive. Den ganzen „Krempel“ habe er aber noch, räumt er ein.

Viele Bücher veröffentlicht

Fast 60 Jahre hat Norbert Vogel Städte wie Leipzig und Berlin, Landschaften und Menschen fotografiert. Und immer wieder auch die Region. Aufnahmen zeigen, wie beispielsweise die Bahnhofstraße sich in den Jahrzehnten veränderte. Es gibt Zeuthener Kneipenszenen, die er für die Zeitschrift „Deine Gesundheit“ fotografierte, als es um das Thema Rauchen ging. Aufnahmen von Grundschülern waren für den Verlag Volk und Wissen und die Zeitschrift „Elternhaus und Schule“. Norbert Vogel hat aber auch verschiedene Bücher gemacht: „Leipziger Landschaften“ erschien im Greifenverlag Rudolstadt 1986, „Meine graue Stadt. Leipziger Ansichten von 1966 -1991“ im Mitteldeutschen Verlag 2011 und „Jegliches hat seine Zeit“ 2015 im Lehmstedt Verlag. Vertreten sind Vogels Arbeiten auch in vielen anderen Fotobänden, zum Beispiel in „Das pure Leben. Fotografien aus der DDR“, Lehmstedt Verlag 2014. Im Oktober dieses Jahres erscheint bei Lehmstedt „Leipziger Landschaften“.

Von Heidrun Voigt

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