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Teltow-Fläming Der Berliner Ring zerbröselt
Lokales Teltow-Fläming Der Berliner Ring zerbröselt
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06:20 13.09.2016
Der Beton platzt infolge einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion auf. Wahrscheinlich muss die gesamte Fahrbahn saniert werden. Quelle: Aireye
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Dahmeland-Fläming

Auf dem Berliner Ring rund um das Dreieck Spreeau ist seit einigen Wochen die Höchstgeschwindigkeit auf 100 Stundenkilometer begrenzt – wegen „Fahrbahnschäden“. Der Hintergrund ist ernst. Bei den Fahrbahnschäden handelt es sich nicht um herkömmliche Schlaglöcher. Die Betondecken weisen teilweise über alle drei Fahrspuren zunehmende Risse auf. Ursache dafür ist eine Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR), wie die Sprecherin des Autobahnamtes, Cornelia Mitschka, am Dienstag bestätigte. AKR wird im Volksmund auch als „Betonkrebs“ bezeichnet. Und das nicht ohne Grund.

Die Geschwindigkeit wurde beschränkt. Quelle: aireye

Bei einer Alkali-Kieselsäure-Reaktion finden chemische Prozesse innerhalb des Betons statt, die dazu führen, dass das Betongefüge geschädigt wird. Der Beton wird brüchig, Teile können aus der Fahrbahn platzen. Das Problem dabei: Der Prozess lässt sich in der Regel nicht aufhalten. Bei Reparaturen reißt die Betonoberfläche außerhalb der Flickstellen wieder auf. Eindringendes und gefrierendes Wasser sowie die tonnenschwere Last der Lkw verschärfen das Problem.

Autobahnamt: Temporeduzierung ist schnellste Reaktion

Die Situation ist Insidern zufolge seit längerem bekannt, oberflächliche Reparaturen brachten nicht den gewünschten Erfolg. „Eine Temporeduzierung ist jetzt die einfachste und schnellste Möglichkeit, auf die Schäden an der Fahrbahn zu reagieren“, sagt Cornelia Mitschka. Wie es mit dem fraglichen Autobahnabschnitt allerdings weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. Sicher ist nur: In absehbarer Zeit wird das Tempo wohl nicht wieder freigegeben.

Problem auf vielen Autobahnen

Denn die bisherigen Erfahrungen mit Betonkrebs zeigen, dass bei betroffenen Straßen mindestens der Straßenbelag ausgetauscht werden muss. „Mitunter reicht das nicht einmal“, sagt Cornelia Mitschka. Um festzulegen, was genau mit der Fahrbahn passiert, müsse der Zustand der Straße aber genau untersucht werden. Anschließend wird die Reparatur projektiert und in eine Prioritätenliste aufgenommen. „Der fragliche Abschnitt ist leider nicht der einzige, bei dem wir Probleme mit AKR haben“, so Mitschka.

Alkali-Kieselsäure-Reaktion

Beton, der als zentraler Baustoff für die Autobahnen der Region benutzt wurde, wird aus Zement und einer Gesteinskörnung – in der Regel Kies und Sand – hergestellt.

Eingesetzt wird Beton, weil er leicht zu verarbeiten, druckfest und relativ kostengünstig ist. Allerdings ist er – je nach Bestandteilen und Typ – auch anfällig für Korrosion, dazu gehört auch die Alkali-Kieselsäure-Reaktion (AKR).

Bei der seit den 40er Jahren bekannten AKR reagieren basische Bestandteile des Zements mit Kieselsäure, die in der Gesteinskörnung auftritt. Es entsteht eine Verbindung, die Wasser aufnimmt und aufquillt. Der Beton wird dadurch von innen aufgebrochen.

Die Empfindlichkeit der beigemischten Gesteine ist je nach Gesteinstyp unterschiedlich. In Grauwacke aus der Lausitz etwa kann Kieselsäure auftreten, Betone mit Grauwackeanteilen sind damit anfällig für AKR.

Autobahnen in ganz Deutschland sind von AKR betroffen.

Beim Bund geht man davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in die Sanierung betroffener Autobahnabschnitte in Brandenburg investiert werden muss. Betroffen war zuletzt die A2 in Richtung Hannover. Zwischen Netzen und Brandenburg/Havel wurde sieben Monate lang die Fahrbahndecke ausgetauscht. Die Kosten für die 4,3 Kilometer: rund zehn Millionen Euro. Auf dem Abschnitt war das Tempo vor der Sanierung auf 60 herabgedrosselt. So sollte verhindert werden, dass lose Betonteile in die Luft geschleudert werden.

Betroffene Autobahnen vergleichsweise neu

Das Ärgerliche dabei: Die betroffenen Autobahnen sind alle noch vergleichsweise neu. Alle sind nach der Wende ausgebaut worden, der Ausbau des südlichen Rings wurde erst im Jahr 2000 abgeschlossen. Eigentlich sollen Fahrbahnen aus Beton mindestens 25 Jahre halten. Eine Baufirma kann für die Schäden aber auch nicht mehr haftbar gemacht werden. Bis die Folgen des Betonkrebses sichtbar werden, dauert es Experten zufolge nach der Fertigstellung der Autobahn zwischen fünf und zehn Jahre. Bis dahin sind alle Gewährleistungsfristen abgelaufen.

Von Oliver Fischer und Peter Jagst

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