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Der Dokumentator des Jahrhundertbauwerks

Seit zwei Jahren filmt Klaus Mahnke die Tunnelbaustelle in Rangsdorf Der Dokumentator des Jahrhundertbauwerks

Am 30. Mai schließt die Rangsdorfer Schranke zum letzten Mal. Klaus Mahnke hat zwei Jahre lang den Bau des Tunnels mit seiner Videokamera begleitet. Sein Material will er 77-Jährige zu einem Film zusammenschneiden.

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Kameramann Klaus Mahnke an der Baustelle am Rangsdorfer Tunnel.

Rangsdorf. Es ist der letzte Tag der Fußgängerbrücke am Rangsdorfer Bahnhof und Klaus Mahnke ist dabei. So wie fast jeden Tag trägt er die Kamera auf der Schulter und fängt das Spektakel ein. Funken sprühen, die Sägen kreischen und ein Presslufthammer macht Geräusche wie ein Maschinengewehr, das in Zeitlupe feuert.

Der 77-Jährige kann sich noch erinnern, als die Fußgängerbrücke ein paar Meter entfernt aufgebaut wurde. 40 Jahre ist das etwa her. Damals ließ die Reichsbahn die Bahnstrecke durch Rangsdorf elektrifizieren. Mit Helikoptern kamen die Masten für die Oberleitungen eingeschwebt. „Plötzlich ging alles und dazu auch noch schnell“, sagt Mahnke. Nun ist er dabei, wie die Brücke in kleine Häppchen geschnitten und in Schrottcontainer verladen wird. „Damals war das ein echter Fortschritt“, sagt Mahnke. Ein bisschen wird er sie vermissen, weil er von oben den besten Blick auf die Baustelle hatte.


Klaus Mahnke hat zuhause die neueste Technik, um seine Videos zu schneiden und zu bearbeiten.

Klaus Mahnke hat zuhause die neueste Technik, um seine Videos zu schneiden und zu bearbeiten.

Quelle: Christian Zielke

Der gelernte Fernmeldungsmonteur erinnert sich noch gut an die DDR-Zeit, als Telefone Mangelware waren und die Kunst des Improvisierens ein Teil des technischen Fortschritts war. Neuem war Klaus Mahnke schon immer aufgeschlossen. 1993 hatte er sein erstes Mobiltelefon. Die Liebe zum Film begann schon zu DDR-Zeiten in ihm zu wachsen. 1987 legte er sich die erste Super-8-Kamera zu, nach dem Mauerfall kaufte er seine erste Videokamera. Sein neuestes Gerät nimmt Bilder in HD-Qualität auf, die Klaus Mahnke dann am Computer zusammenschneidet. Drei Festplatten füllt das Material mittlerweile. Gigabytes von Erinnerungen an Urlaub und Heimatgeschichte. Wo immer in Rangsdorf etwas Außergewöhnliches passiert, sind Klaus Mahnke und seine Videokamera nicht weit weg.

Er hat den Abriss der alten Kaufhalle dokumentiert und die Eröffnung des Rathauses an der selben Stelle. Doch gegen den Tunnel kommt das nicht an. „Wahnsinn“, sagt er immer wieder, während er das Rohmaterial sichtet, aus dem eines Tages ein ganzer Film werden soll. Kein Bauwerk werde Rangsdorf so verändern wie der Tunnel. Sein Film soll mit einem Fernsehinterview des ehemaligen Rangsdorfer Bürgermeisters beginnen, der im Sommer 2002 auf der Seebadallee steht und laut über einen Tunnel nachdenkt. Fast elf Jahre später, am 5. März 2013, filmte Klaus Mahnke aus dem Auto heraus den Abschnitt zwischen dem Kreisverkehr am Stadtweg und der Schranke – den Bereich, in dem heute kaum noch ein Sandkorn auf dem anderen liegt.

Zwei Monate später rückten die Bagger an und begannen das Zentrum des Ortes, in dem Klaus Mahnke geboren und aufgewachsen ist, umzukrempeln. Wehmut ist ihm dabei fremd. Im Gegenteil: „Der Tunnel ist wichtig für Rangsdorf. Wie es dort vorher aussah, war doch unterste Schublade.“ Wenn er an die Arbeiten denkt, kommt er ins Schwärmen: „Eine so perfekte Baustelle habe ich noch nie gesehen. Das hat geflutscht.“ Am Sonnabend wird das Jahrhundertbauwerk Tunnel eröffnet – mit Ministerbesuch und Festumzug. Klaus Mahnke wird auch dann mit seiner Kamera dabei sein, so wie er es seit zwei Jahren fast jeden Tag tut. Wenn der letzte Bauarbeiter seine Arbeit verrichtet hat, wird er sich in sein Studio einschließen und hunderte Stunden Material durchgehen, Datei für Datei. „Ich habe ja Zeit“, sagt er.

Er wird Musik unter die Bilder legen, wie es sich für einen Film gehört und er wird ein paar Worte sagen. Klaus Mahnke ist ein Heimatforscher mit der Kamera, seine Filme haben bisher nur wenige zu sehen bekommen. „Ich mache das nur zum privaten Vergnügen“, sagt er. Ob sein Film über den Tunnelbau eines Tages einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden soll? Mahnke zuckt mit den Schultern. Ganz ausschließen will er es nicht, schließlich war wohl niemand so oft wie er Zaungast auf der Baustelle. Und wenn sich eines Tages Menschen fragen, wie es in Rangsdorf vor dem 30.  Mai 2015 aussah, kann diese Dokumentation des wohl wichtigsten Bauwerks in Rangsdorf Antwort geben. Wehmut nach dem Vergangenen verspürt er nicht. „Wenn doch, kann ich es mir auf Video ansehen“, sagt er.

Einen Traum hat Klaus Mahnke noch. Er würde gerne dokumentieren, wie die erste S-Bahn seit dem 13. August 1961 in den Bahnhof Rangsdorf einfährt.

Von Christian Zielke

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