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Der Fischer vom Motzener See

Kallinchen Der Fischer vom Motzener See

Peter Sombert führt die Fischerei Kallinchen seit 1993. Sein Traumberuf. Jeden Tag ist er mit dem Boot draußen, schlachtet, filetiert und räuchert die Fische in seinem Einmannbetrieb. Die Binnenfischerei ist heute ein Job, von dem allein man kaum noch leben kann. Auch Sombert kombiniert das Fischen noch mit anderen Einnahmequellen.

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Fischer Peter Sombert ist in seinem Boot auf dem Motzener See unterwegs. Er hat den schönsten Arbeitsplatz der Welt, sagt er.

Quelle: Anja Meyer

Kallinchen. Peter Sombert hat nicht allzu große Hoffnungen auf eine Riesenbeute, als er an diesem Dienstagmittag mit seinem kleinen Holzboot vom Steg des Motzener Sees ablegen will. Noch lange kein Grund für ihn, Trübsal zu blasen. Der 62 Jahre alte Fischer ist entspannt, lässt sich von dem überraschen, was ihn draußen erwartet. Am Vorabend hat er zwei Netze im Motzener See gestellt, seinem Fischereirevier. Der Moment, in dem er tags darauf wieder hinfährt, ist für ihn der spannendste. Er weiß ja nie, was kommt. Zurzeit ist die Saison nicht die beste für große Fänge. Der Holunder blüht, dann gehen weniger Fische ins Netz – so besagt es eine alte Fischerweisheit. Wissenschaftlich belegen konnte sie noch niemand, aber die Erfahrungswerte zeigen: Es scheint was dran zu sein.

Hobby 1993 zum Beruf gemacht

Wie immer grüßt Peter Sombert noch die beiden Schwäne am Ufer, die er Hans und Ortrud getauft hat und wirft ihnen ein paar Brotkrumen zu. Dann geht es raus auf den See. Peter Sombert sieht zufrieden aus, er lächelt während sein Blick in die Ferne schweift. Sombert hat den schönsten Arbeitsplatz der Welt, wie er im Gespräch immer wieder betont und dabei auf den weiten und klaren See zeigt. Auf dem ist er als Fischer der einzige, der mit einem Motorboot fahren darf.

Im Jahr 1993 hat Peter Sombert aus Mellensee, gelernter Schlosser, sein Hobby zum Beruf gemacht und führt seither die Fischerei Kallinchen. Seine Ehefrau macht die Buchhaltung. „Ich war schon immer ein Naturtyp“, erzählt er. Als sich die Gelegenheit ergab, die Fischerei zu pachten, griff er sofort zu. „So eine Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.“ Der See ist einer der saubersten Brandenburgs, das Grundstück liegt direkt neben dem Strandbad Kallinchen, von wo aus Badende gerne zum Fischkauf herüberkommen. Im Laufe der Jahre hat Sombert seine Fischerei immer weiter ausgebaut. Heute stehen drei Häuser auf dem Grundstück. Dort schlachtet, verarbeitet, räuchert und verkauft Sombert seinen Fang. Um die 1500 Kilo Hecht, Zander, Schlei, Karpfen, Wels und Aal gingen im vergangenen Jahr über die Theke. Im kleinen Imbiss bietet er Fischbrötchen an.

 Peter Sombert kontrolliert seine Netze

Peter Sombert kontrolliert seine Netze.

Quelle: Meyer

Brandenburg ist das Bundesland mit den meisten Binnenfischereien, die meisten sind Einmann- oder kleine Familienbetriebe. In der Region sind 23 Berufsfischereien gemeldet – elf in Teltow-Fläming und zwölf in Dahme-Spreewald. Ihre Betreiber sind sieben Tage in der Woche im Einsatz, um die Kundenwünsche zu bedienen und von ihrem Beruf leben zu können – so wie es in landwirtschaftlichen Betrieben üblich ist. Die meisten Fischereien sind im Landesfischereiverband Brandenburg Berlin organisiert. Der setzt sich für den traditionellen Berufsstand ein, der laut Geschäftsführer Lars Dettmann heute größeren Herausforderungen gegenübersteht als noch vor einigen Jahrzehnten.

Binnenfischer beklagen zu viele Vorschriften

Da sind die ständig neuen Vorschriften, an die sich Fischer halten müssen. „Einige sind natürlich sehr sinnvoll“, sagt Lars Dettmann. Dazu zählt er Vorschriften zur Hygiene und Lagerung der Fische. „Bei anderen fragt man sich, was das noch soll.“ So müssen Fischer beispielsweise jeden zum Verkauf angebotenen Fisch neben dem deutschen zusätzlich mit dem lateinischen Namen etikettieren. „Am Ende kommt man kaum noch zum Fischen“, sagt Dettmann. Außerdem werden die Aalbestände seit Jahren knapper – sie sind in Brandenburg die Fischart, die den Fischern ihren wichtigsten Ertrag liefern. Wer von der Fischerei leben will, könne sich nicht nur auf das Fischen allein konzentrieren. Deshalb verkauft Peter Sombert Angelkarten und vermietet Boote – eines seiner Holzhäuser können Kunden auch für Privatfeiern anmieten.

Durchschnittlicher Fang

Peter Sombert ist an seinem ersten Stellnetz angekommen, das er zwischen zwei Bojen gespannt hat. Er hebt es an und zieht langsam ein Stück nach dem anderen aus dem Wasser: kein Widerstand. Doch, da! Sombert greift fester zu, da hat er den ersten Fisch zwischen den Fingern – ein Schlei. Er holt ihn aus dem Netz und wirft ihn in den Hälter auf dem Boot. Dort bleiben die Fische im Wasser, bis das Boot wieder an Land ist. Er holt noch drei weitere Fische aus dem Stellnetz, keine besonders gute Bilanz. Beim zweiten sieht es anders aus: fünf Schleie, vier Barsche und ein Marmorkarpfen. Insgesamt ein durchschnittlicher Fang – die Fahrt hat sich doch noch gelohnt.

 Peter Sombert mit dem gefanenen Marmorkarpfen

Peter Sombert mit dem gefanenen Marmorkarpfen

Quelle: Meyer

Peter Sombert steuert das Boot zurück zum Ufer. Es ist warm, die ersten Fische muss er sofort schlachten und verarbeiten. „Ich entschuppe die Fische immer, dann bleibt die Haut noch dran“, erzählt Peter Sombert. „Die ist doch besonders lecker.“ Anschließend packt er die bestellten Fische in den Lagerraum, andere filetiert oder räuchert er.

Viele Bestellungen rund um Weihnachten und Neujahr

Gerade stehen allerdings wenige Bestellungen auf seiner Liste. Mehr hat Sombert in den Wintermonaten, vor allem um Weihnachten und Silvester herum. „Ich stelle das ganze Jahr Netze und Reusen“, erzählt der Fischer. „Außer wenn der See mal zufriert.“ Selbst bei Regen und Wind fährt er dann in den frühen Morgenstunden raus.

 In Hältern am Ufer bewahrt Peter Sombert die gefangenen Fische auf, damit sie frisch bleiben

In Hältern am Ufer bewahrt Peter Sombert die gefangenen Fische auf, damit sie frisch bleiben

Quelle: Meyer

Für heute ist Peter Sombert schnell mit dem Schlachten fertig, die meisten Fische lässt er im Hälter und hebt sie so fürs Wochenende auf. „Dann muss mein Bestand gut aufgefüllt sein.“

Am Wochenende fahren die Berliner ins Strandbad Kallinchen. Die Gelegenheit nutzen viele Städter, um sich gleich frischen Fisch mitzunehmen. Unter der Woche sind vor allem Kunden aus der Region und vom Campingplatz da. Im Laufe der Zeit haben sich so auch gute Bekanntschaften entwickelt. Einige von ihnen kommen heute Abend noch zum Fußball schauen in der Fischerei vorbei.

Von Anja Meyer

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