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Der Kirchenchor bietet Heimat

Großbeeren Der Kirchenchor bietet Heimat

Seit 1933 gibt es in der Großbeerener Kirchengemeinde einen Chor. Derzeit treffen sich zwölf Mitglieder einmal wöchentlich zur Probe. In der Vergangenheit bot der Chor Geflüchteten oder Ausgesiedelten immer wieder eine Heimat. Sie fanden in Großbeeren zunächst musikalisch Halt.

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Kirchenchor Großbeeren

Quelle: Orth

Großbeeren. Jeden Donnerstag wird im Großbeerener Gemeindehaus gesungen – dann trifft sich dort der Kirchenchor. Zwölf Mitglieder hat er derzeit, es waren allerdings schon einmal bis zu 25. „Wir sind ein Mehrgenerationschor“, sagt die Kirchenmusikerin Dorothea Minke. Sie leitet heute den Kirchenchor. Viele Altersgruppen sind heute vertreten, von Schülern bis zu Senioren.

Chor 1933 gegründet

Gegründet wurde der Kirchenchor im Jahr 1933 als reiner Frauenchor. Nach dem Krieg half die Pfarrerfamilie Wicke ab 1954 dem Chor wieder auf die Beine. In der Nachkriegszeit betreute außerdem das damalige Hilfswerk der Diakonie den Chor. Namentlich für die Gemeinde Großbeeren war Schwester Marie zuständig, die zu Beginn der 1950er Jahre daran mitarbeitete, den Großbeerener Kirchenchor wieder aufzubauen. Sie sammelte junge Sängerinnen um sich. Zumeist wurden Kirchenlieder oder von der Schwester selbst arrangierte Verse der Bibel und Melodien bearbeitet. Ein Höhepunkt damals war die Aufführung von „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, den der Kirchenchor unter Schwester Marie einstudierte und aufführte, mit Klavierbegleitung und in Kostümen. Mit Hänsel, Gretel, Mutter und Vater, der Hexe und den Pfefferkuchenkindern.

Für viele bot damals der Chor eine Heimat. Sie waren Geflüchtete, Ausgesiedelte. Zunächst konnten sie musikalisch in Großbeeren Halt finden. Wie Helga Gensert. Sie ist seit 1958 Mitglied im Chor. Mit 18 Jahren ist sie in den Kirchenchor eingetreten. Sie hatte allerdings auch Verwandte in Großbeeren, da sei es ihr nicht so schwer gefallen, Fuß in der neuen Heimat zu fassen. Auch die Nähe zu Berlin habe dabei sicherlich eine Rolle gespielt, meint sie. Die Menschen seien offen gewesen. Mehrere Umsiedler waren damals im Chor, erinnert sie sich.

In der Oberschule aus Angst nicht im Chor

„Während der Oberschulzeit bin ich aber nicht in den Chor gegangen“, erzählt Gensert. Aus Angst vor politischen Repressionen in der DDR. Ein Mitschüler und ein Mitglied der evangelischen „Jungen Gemeinde“ seien damals bereits kritisch beäugt worden. Nach der Oberschulzeit und der Lehre in Berlin trat sie in den Kirchenchor Großbeeren ein.

Ab den 1960er Jahren wurde der Chor gemischt. Gesanglich hat sich Gensert eingesetzt, wo sie gebraucht wurde. Später hat sie ihre Kinder mit zu den Proben genommen, denn das Singen war ihr stets wichtig. Sie singt heute noch aktiv als Tenorin mit, ihre inzwischen erwachsenen Kinder schauen zu.

Seit dem Jahr 2000 hat die evangelische Kirchengemeinde eine eigene Kirchenmusikerin, seit vergangenem Jahr gibt es auch einen Kinderchor. Groß gefeiert wurde 2008: Damals wurde der Chor 75 Jahre alt.

Advent in Zehlendorf

Im Advent besuchen die Großbeerener alljährlich den Chor der Fürst-Donnersmarck-Stiftung in Zehlendorf, um mit Menschen mit und ohne Behinderung zusammen zu singen. Beide Chöre treten dann in beiden Orten gemeinsam auf. „Gemeinsames Singen macht glücklich“, sagt Chorleiterin Minke. Sie arrangiert oft selbst Texte und Lieder für den Chor. Oft bringen die Sänger auch Lieder von ihren Reisen mit, die dann in der Schinkelkirche zu hören sind. Wie „Mu Süda ärka üles“ aus Estland, in der Übersetzung: „Wach auf mein Herz und singe.“ Oder Musik aus Schweden und Island. Ein litauisches Weihnachtslied hat es beispielsweise in das feste Repertoire geschafft.

Die Hürden für neue Sänger sind nicht groß: „Man muss nicht unbedingt richtig singen“, sagt Chorleiterin Minke. Es komme beim Singen auf die Freude an.

Von Krischan Orth

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