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Teltow-Fläming Der Mann ohne Geburtsurkunde
Lokales Teltow-Fläming Der Mann ohne Geburtsurkunde
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06:46 11.09.2014
Uwe Schwidrowski (l.) vor seinem Geburtshaus mit seiner Frau Ana und Dietrich Maetz. Quelle: Elinor Wenke
Luckenwalde

Uwe Schwidrowski hat bis heute keine Geburtsurkunde, aber nach 69 Jahren zum ersten Mal sein Geburtshaus in Luckenwalde besucht. Die bis dato unbekannte Villa in der Puschkinstraße 28 konnte mit Hilfe seines 17 Jahre älteren Bruders Hans-Joachim Schwidrowski und des Luckenwalder Heimatforschers Dietrich Maetz ausfindig gemacht werden.

Flucht vor der Sowjetarmee

Uwe Schwidrowski wurde am 19. April 1945 mitten in den Kriegswirren in Luckenwalde geboren. Sein Vater und sein Bruder waren damals Wehrmachtsangehörige. Die Sowjetarmee hatte Jüterbog eingenommen und war auf dem Weg nach Luckenwalde. Dort befand sich schon alles in Auflösung. Fluchtartig verließ die Mutter am 22. April mit ihren Kindern die Stadt und hatte keine Chance mehr, die Geburt ihres Sohnes entweder standesamtlich oder im Kirchenregister eintragen zu lassen. Auch spätere Versuche, eine Geburtsurkunde aus Luckenwalde zu erhalten, blieben ohne Erfolg.

Zu Tränen gerührt bei Besichtigung des Geburtshauses

Statt eines Geburtsdokuments wollte Hans-Joachim Schwidrowski seinem jüngeren Bruder nun wenigstens ein Foto seines Geburtshauses schenken. Der heute 86-Jährige erinnerte sich nur an eine Villa mit schmiedeeisernem Zaun und den Blick auf eine Bahnunterführung. Nach akribischer Recherche fand Dietrich Maetz die Puschkinstraße 28 als das Geburtshaus heraus.

Als Uwe Schwidrowski in dieser Woche nach einem ausgiebigen Stadtrundgang mit Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) und Dietrich Maetz vor seinem ersten Zuhause stand, mussten er und seine Frau Ana mit den Tränen kämpfen. „Es ist sehr bewegend und aufwühlend für mich“, sagte Schwidrowski. Die Situation entspannte sich, als er von den heutigen Hauseigentümern Heinz und Maria Brede aufs Grundstück gebeten wurde. Trotz des unangekündigten „Überfalls“ erklärte Heinz Brede, dem das Haus seit 1958 gehört, den Besuchern gern einige Details. „Das Haus wurde um 1900 gebaut, das Gebäude daneben kam erst später hinzu“, berichtete er. „Ein schönes Haus“, befand Schwidrowski. Er wunderte sich über den lebhaften Fahrzeugverkehr in der Puschkinstraße. „Vom Foto her dachte ich, das Haus steht ganz ruhig und einsam“, sagte er. Und auch die Stadt Luckenwalde hatte er sich völlig anders vorgestellt. „Von meinem Bruder erfuhr ich, dass Luckenwalde früher eine Arbeiterstadt und sehr arm gewesen wäre. Wenn ich mir die vielen schönen Häuser anschaue, das ist keine arme Stadt“, meinte er, „und dass die Leute hier gearbeitet haben, ist schließlich keine Schande.“

Thema Geburtsort war lange Tabu

Schwidrowski lebt heute in Bad Honnef im Rheinland. Vom Chemiefacharbeiter bis zum Versicherungskaufmann hat er mehrere Berufe gelernt und einige Leitungspositionen besetzt. Heute genießt er seinen Ruhestand. „Das Thema meiner Geburt in Luckenwalde war für meine Mutter immer tabu, wahrscheinlich waren die Erinnerungen zu düster“, erzählt er und nimmt es persönlich mit Galgenhumor: „Ich sag’ immer, an meinem Geburtstag herrschte eine Bombenstimmung.“ Dass er keine Geburtsurkunde hat, bereitete ihm nur wenige Schwierigkeiten. „Als ich heiraten wollte, mussten meine Eltern bezeugen, dass ich ihr Sohn bin, das war alles“, sagt der Senior.

Von Elinor Wenke

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