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Der Pfarrer und die verbotene Lyrik

Jänickendorf Der Pfarrer und die verbotene Lyrik

Wilfried Flach prägte als Pfarrer das Leben in Jänickendorf und Umgebung. Doch er ist auch Literat. Schon in der DDR-Zeit schrieb der 1945 in Seggerde geborene Flach Gedichte – zumeist kritische. Daher wurden die Werke nie veröffentlicht. Bis jetzt. Inzwischen sind viele Gedichte in Sammlungen verbotener Werke erschienen.

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Wilfried Flach mit dem Buch „Gesperrte Ablage“ das jetzt erschienen ist.

Quelle: Margrit Hahn

Jänickendorf. Wilfried Flach hat sich seit Jahren der Lyrik verschrieben. Die Liste seiner veröffentlichten Gedichte, Rezensionen und Beiträge wird immer länger. Jetzt findet ein Teil seiner Werke auch in dem Buch „Gesperrte Ablage – Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland von 1945-1989“ Erwähnung. In diesem Buch geht es um zensierte Werke aus gut 40 Jahre DDR-Literaturgeschichte.

Inzwischen 35 Bücher mit Flach-Gedichten

Ines Geipel und Joachim Walther erzählen sie. „Die beiden haben alles gesammelt, was in der DDR nicht veröffentlicht wurde, mit einer Bestandsübersicht der Werke und Kurzbiografien der Autoren “, sagt Wilfried Flach. Der Pfarrer im Ruhestand hat alle Bücher zusammengetragen, in denen er mit einem oder mehreren Beiträgen vertreten ist – inzwischen sind es 35 Bücher und er denkt darüber nach, ein eigenes Buch herauszubringen, denn es gibt zwei Ordner mit Gedichten, Tagebüchern und Texten, die noch nicht veröffentlicht wurden.

Auch ein Theaterstück mit dem Titel „Der glasklare Spiegel“ gehört dazu – eine etwas sarkastische LPG-Geschichte über den Mauerbau, die der Realität sehr nahe kommt. Eine Veröffentlichung wäre zu DDR-Zeiten nie in Frage gekommen. Nur ein Gedicht von ihm „Kirchturm im Winter“ ist zu DDR-Zeiten in dem Buch „Einkehr der Stille“ erschienen.

Mit neun Jahren erste Gedichte geschrieben

„Als Pfarrerssohn hatte ich früher kaum eine Möglichkeit, etwas zu veröffentlichen“, bedauert der in Seggerde (Kreis Gardelegen) geborene Flach. Er hatte bereits mit neun Jahren angefangen, Gedichte zu schreiben. Die Zeit seiner lyrischen Versuche fing in Halle an. Dorthin zog die Familie hin, weil sein Vater Vorsteher des Diakonissenhauses geworden war.

Mit dem Umzug nach Halle – in eine neue Umgebung, die ihm kalt und abweisend erschien – wurde er von der Fülle der Anforderungen fast erschlagen. Dies trieb ihn dazu, sich damit literarisch auseinanderzusetzen. „Ich war in der 4. und 5. Klasse ein sehr trauriges Kind“, erinnert sich Flach. In Gedichten, Tagebuchnotizen und Prosatexten versuchte er, mit allem was ihn bedrückte, fertig zu werden. „Ich begab mich in einen inneren Dialog und Reflexionsprozess , der bis zum heutigen Tag andauert“, sagt Flach.

Erst nach der Wende wurde seine Werke veröffentlicht

Seine Aufzeichnungen zeugen davon, wie er als Pfarrerssohn und Pfarrer die DDR erlebte. Nach der Wende veröffentlichte er unter anderem auch Rezensionen zu religionsphilosophischen Büchern und Heimat-Jahrbuch-Beiträge – vor allem aber Gedichte, wie sie auch in den „Schubladentexten aus der DDR“ zu finden sind. Im Teil IV sind von ihm Texte aus vier Jahrzehnten erschienen – von einem Pfarrer, der über Jahrzehnte kritische Gedichte schrieb, die dann in der Schublade verschwinden mussten. Aber nicht nur kritischen Zeilen sind von ihm zu lesen, er beschreibt in seinen Versen auch gern die märkische Landschaft.Es wurden einige Gedichte von ihm ins Englische und auch auf Plattdeutsch übersetzt.

Mit Lyrik ist kein Geld zu verdienen

Inzwischen hat er seine Werke auf seiner Internetseite nach Themen sortiert wie Natur, Liebe oder Trauriges. Geld verdienen lässt sich mit Lyrik allerdings nicht. „Bei manchen Verlagen musste man noch draufzahlen, wenn man ein Gedicht veröffentlichen wollte“, fügt Flach hinzu.

Die Ideen für seine Verse bringt das Leben. Als er  Ostern in der Lausitz war, wurde dort gesungen. Daraus ist ein Gedicht entstanden.

 

Von Margrit Hahn

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