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Der Schatz vom Dachboden

Lüdersdorf Der Schatz vom Dachboden

Lüdersdorfer Chronisten finden Unterlagen in alter Schule. Sie hoffen dank des Fundes die Geschichte des Ortes besser aufarbeiten zu können. In den Dokumenten finden sich unter anderem Wetterprotokolle von Schülern. Es befinden sich aber auch Dokumente zur Zwangskollektivierung darunter.

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Der Lüdersdorfer Ortschronist Jörg Roschlau hat schon einiges gesichtet. Bis alles durchforstet ist, wird noch eine Zeit vergehen.

Quelle: Margrit Hahn

Lüdersdorf. Die Lüdersdorfer Ortschronisten Hans Lucke und Jörg Roschlau sind auf einen sensationellen Fund gestoßen. Sie entdeckten auf dem Dachboden der alten Schule in Lüdersdorf einen Schrank voller eingestaubter Ordner. Es wurde im Ort schon seit längerem hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen, dass dort alte Unterlagen und Zeugnisse liegen könnten. Den entscheidenden Hinweis gab dann Rolf Hollebogen, der jetzt in dem Gebäude wohnt. Am Montagabend waren Hans Lucke und Jörg Roschlau dort und stellten einen alten Koffer und drei Kisten mit Unterlagen sicher. „Wir haben fast eine Staublunge bekommen“, sagt Jörg Roschlau, der einen Teil des Fundes in seinem Keller und den Rest im Arbeitszimmer untergebracht hat. Es wird Wochen und Monate dauern, bis das gesamte Material durchforstet ist.

Nach ersten Einschätzungen handelt es sich vorwiegend um Unterlagen aus den Nachkriegsjahren. Diese sollen dazu beitragen, noch offene Fragen zur Ortsgeschichte zu beantworten.

Klassenbücher und Versäumnislisten gehören zu den Schätzen

Zu den interessanten Stücken gehören Klassenbücher der Lüdersdorfer Volksschule aus den Jahren von 1952 bis 1958. In extra angelegten Versäumnislisten wurde genau aufgeschrieben, welcher Schüler wann am Unterricht teilnahm, wann er fehlte und wer wegen Umzug abgemeldet wurde. Auch fertigten die Schüler Wettertabellen, die älteste stammt aus dem Jahr 1937. Darin wurden alle Parameter wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur eingezeichnet.

Es handelt sich bei dem Fund aber nicht nur um Unterlagen, die die Schule betreffen, sondern auch um Protokolle über Sitzungen der Gemeindevertreter im Verwaltungsbezirk Trebbin aus dem Jahr 1945 sowie Anordnungen und Befehle der sowjetischen Kommandantur zur Bodenreform und Ablieferungspflicht von Nahrungsmitteln. Während einer Sitzung im Juli 1945 stellte der Trebbiner Bürgermeister fest, dass sich nicht alle Bauern an die Sollabgaben hielten. Dabei hatte er dies dem russischen Kommandanten versprochen: „Leider mussten wir in einem Dorf feststellen, dass noch 30 Zentner Roggen vorhanden waren und noch 700 Büchsen Konserven.“

Knochensammlungen für die Seifenherstellung

In einem Rundschreiben vom Februar 1946 rief der Landrat alle Bürgermeister der Region auf, die Knochensammlungen zu unterstützen, um daraus Seife herstellen zu können. Die Sammlung wurde in allen Küchen, öffentlichen Anstalten, Krankenhäusern, Kasernen , Kantinen und Schlächtereien vorgenommen. Die Knochenbestände, so hieß es, sollten rasch verarbeitet werden.

Jörg Roschlau ist jetzt dabei, jedes einzelne Schriftstück einzuscannen, damit es für die Nachwelt erhalten bleibt. „Es ist zwar alles recht gut erhalten, aber man weiß nicht, wie lange noch“, sagt Roschlau, Mitglied des Lüdersdorfer Heimatvereins. Seiner Ansicht nach ist es nicht nur ein sensationeller Fund für Lüdersdorfer, sondern auch für die anderen Ortsteile. Wenn es nach ihm ginge, müsste es in Trebbin ein Zentralarchiv geben, in dem solche Unterlagen gesammelt werden. Zumindest sollte es eine Verknüpfung der Ortschronisten geben, damit nicht jeder in seinem stillen Kämmerlein vor sich hinwurstele, sondern die Recherchen der einzelnen zu einem großen Puzzle zusammengefügt werden könnten.

„In Blankensee hat kürzlich jemand gesagt, dass unsere Vergangenheit droht verloren zu gehen. Das sehe ich genauso“, fügt Roschlau hinzu. Zu dem geborgenen Schatz gehören auch Aufsätze der Schüler, doch darüber will sich der Lüdersdorfer erst einmal einen Überblick verschaffen. Er freut sich, dass er in zwei Jahren in Rente gehen kann und dann endlich Zeit für umfangreiche Nachforschungen hat.

Von Margrit Hahn

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