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Teltow-Fläming Der Speicher ist Denkmal des Monats
Lokales Teltow-Fläming Der Speicher ist Denkmal des Monats
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00:23 30.09.2018
Petkus Speicher Quelle: Landkreis Teltow-Fläming
Petkus

 Der Speicher in Petkus ist das Denkmal des Monats September im Landkreis Teltow-Fläming. Dort gibt es etwa 1000 denkmalgeschützte Bauten beziehungsweise Bauensembles, bestehend aus 3500 Einzeldenkmalen. Zudem gibt es mehr als 1400 bekannte Bodendenkmale. Einige von ihnen werden im jährlich erscheinenden Denkmalschutzkalender vorgestellt. Das Kalenderblatt September widmet sich dem Speicher in Petkus.

Über die Grenzen hinaus bekannt

Petkus war seit Ende des 19. Jahrhunderts durch den Roggen- und Haferzüchter Ferdinand von Lochow weit über die Grenzen Deutschlands in der Landwirtschaft bekannt. Durch seine Verdienste in der intensiven Pflanzenzucht konnten die geringen Erträge im Fläming maßgeblich gesteigert werden. Diese landwirtschaftliche Tradition setzte sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg im damals gegründeten Getreidesaatzuchtbetrieb VEG Saatzucht Petkus fort.

In Stahlbetonweise errichtet

Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der Speicher im Wesentlichen in monolithischer Stahlbetonbauweise errichtet, wobei die Wände der Silozellen aus Fertigteilen bestehen. Das Gebäude ist mit einem steilen Satteldach ausgestattet und wurde in unmittelbarer Nähe der alten Lochow'schen Saatzucht errichtet, am östlichen Rand des Parkgeländes.

Architektonische Klarheit

Geprägt sind die Giebel- und Traufseiten des Gebäudes durch eine strenge optische Aufteilung in sechs beziehungsweise neun Felder durch kräftige Pfeiler in Stahlbetonbauweise. Die Fenster wurden als Bänder einfach- beziehungsweise doppelreihig angeordnet. Die farbliche Gestaltung reichte von putzfarbenen konstruktiv bedeutenden Teilen bis rot-ocker eingefärbten Bereichen an den Giebelfassaden und tieferliegenden Flächen.

Technik auf der Höhe der Zeit

Der Speicher diente über seine sechs Etagen einst der Trocknung, Reinigung und Lagerung von täglich bis zu 30 Tonnen angelieferten losen Getreides. Auf Durchlaufwaagen wurde das Gewicht ermittelt. In der Trockensiloanlage wurden dem Getreide mittels Wärmepumpenprinzips innerhalb von zwei bis drei Tagen allmählich bis zu acht bis zehn Prozent Feuchtigkeit entzogen; ein Vorgang, der sonst deutlich länger dauert. Danach wurde das Getreide mechanisch gereinigt und als Saatgetreide in den zwölf Fertiggetreidesilos beziehungsweise sackweise bis zur weiteren Verwendung aufbewahrt.

Auch Maiskolben getrocknet

Nach abschließender manueller Feststellung der Güte der Ware wurde das Getreide gebeizt und anschließend als Sackware bereitgestellt. Mit der Errichtung des Speichers wurde ebenso eine Möglichkeit der Trocknung von Maiskolben geschaffen. Großer Wert wurde bei der Errichtung der Anlage auf eine gute Entstaubung, insbesondere an den Waagen, den Vorreinigungsmaschinen und den Elevatorköpfen gelegt.

Modernster Einmannspeicher

Die Bedienung des gesamten Speichers war einem einzelnen Speichermeister von der zentralen Schalt- und Kontrollwarte aus möglich; sie beschränkte sich im Wesentlichen auf Bedienungs- und Überwachungsarbeiten. Der 750-Tonnen-Einmannspeicher galt zu seiner Zeit als einer der modernsten im mitteldeutschen Raum.

Keine Ahnung vom Denkmal

Heute gehörte das Gebäude dem Getränkelieferservice MAC-Apfel mit Sitz in Berlin. Geschäftsführer Bernd Apffelstaedt nutzt es als Lagerhalle. Als er es vor mehr als 15 Jahren erwarb, wusste er nicht, dass es sich um ein Denkmal handelt. „Das hatte uns der Vorbesitzer, der das Objekt ersteigert hatte, verschwiegen“, sagt Apffelstaedt. Er hat den alten Speicher für 60.000 Euro entkernen lassen. „Wir haben dort 80 Tonnen Schrott rausgeholt, um das Gebäude überhaupt nutzen zu können“, berichtet Apffelstaedt. Für einige Gerätschaften fanden sich Interessenten. Die Löcher für den Korntransport zwischen den einzelnen Etagen wurden geschlossen. Zudem wurden die Fenster ausgetauscht und Strom verlegt. Der gesamte Speicher ist unterkellert. Er wird gegen ein geringes Entgelt an Jugendliche aus Petkus vermietet, die ihn hin und wieder als Partykeller nutzen.

Lagerhalle abseits vom Schuss

Zwischenzeitlich wurde überlegt, das Gebäude zum Wohnhaus umzunutzen. Doch dieser Gedanke wurde schnell wieder verworfen. „Den Betonklotz über sechs Etagen warm zu bekommen, wäre schwierig“, sagt der Unternehmer. Er ist stolz darauf, dass seine Firma in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen ist und inzwischen 15 Mitarbeiter zählt. Die Lagerhalle in Petkus möchte er nicht missen. „Es ist zwar etwas abseits vom Schuss, aber in Berlin würde ich eine solche Halle nicht bekommen“, fügt er hinzu.

Von Margrit Hahn

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