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Teltow-Fläming Der Sündenbock der Reformation
Lokales Teltow-Fläming Der Sündenbock der Reformation
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00:21 11.09.2017
Die Aufmachung der Schau ist ein Hingucker und führt Besucher an Ablasskreuz und Fegefeuer entlang. Quelle: Peter Degener
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Jüterbog

Auch nach 500 Jahren hört der theologische Disput um die Ablässe nicht auf. Bei der Eröffnungsführung der Ausstellung „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ am Freitagnachmittag in Jüterbog tauschte Kurator Hartmut Kühne, Theologe und Kirchenhistoriker, sich vor Publikum mit dem katholischen Pater Anselm zu Fragen des Ablasses aus.

Kurator und Theologe Hartmut Kühne (l.) im Gespräch mit dem katholischen Pater Anselm und Kulturministerin Martina Münch (SPD) bei der ersten Führung durch die Sonderausstellung. Quelle: Peter Degener

Immerhin endete der kurze, freundliche Diskurs friedlich und nicht in der dauerhaften Spaltung der Besuchergruppen. Kulturministerin Martina Münch (SPD) zeigte sich zur Eröffnung beeindruckt vom Engagement in Jüterbog, das nun in ein Altstadtfest und in diese Sonderausstellung mündet. Das Land hat die Ausstellung mit rund 63.000 Euro gefördert.

Der bleibende Wert sind die gefundenen Zeugnisse aus Tetzels Leben

Statt Überfrachtung gilt die Beschränkung auf das Wesentliche. Zu Beginn wird geklärt, wie es zur Entstehung der Ablässe kam und wozu sie dienten. Der Kern der Schau und ihr bleibender Wert besteht aus 27 Originalzeugnissen, die aus Archiven in München, Köln, Leipzig und anderswo geliehen wurden. Sie dokumentieren erstmals im Zusammenhang, was wirklich gesichert über das Leben des Ablasskommissars Johann Tetzel (1465-1519) gesagt werden kann.

Darunter sind die vermutlich einzig erhaltene eigenhändige Handschrift Tetzels sowie Briefe und Abrechnungen vom Erfolg seiner Ablassverkäufe. Ein großes Glück: In München wurde erst vor kurzem eine von Tetzel verfasste Druckschrift gefunden, die in deutscher Sprache erklärt, was bei einem Ablass zu beachten ist.

Diese „Instruction“ von 1516 aus dem Hauptstaatsarchiv Dresden ist vermutlich von Johann Tetzel selbst handschriftlich verfasst worden Quelle: Peter Degener

Die Ausstellung teilt sich auf Nikolaikirche und Kulturquartier auf

Zu sehen ist die Ausstellung an zwei Standorten – das Leben Tetzels wird im Jüterboger Kulturquartier präsentiert. Der zweite Teil führt die Besucher in die Nikolaikirche. Wer gerade „den wahren Tetzel“ in authentischen Zeugnissen kennen gelernt hat, kann sein Wissen in der Kirche den Legenden gegenüberstellen, die Tetzel schon zu Luthers Zeiten zum gierigen Gehilfen des Antichristen, zum naiven Krämer mit Glatze und dicken Backen gestempelt haben.

In der Kirche wird dokumentiert wie Tetzel als einerseits boshafter und andererseits lächerlicher Gegenpol zum leuchtenden Reformator Luther über Jahrhunderte zum Sündenbock der Reformation aufgebaut worden ist.

Als nächstes muss das Bild von Luther wieder gerade gerückt werden

Nun lässt die Schau die Person Tetzel dank der vom Reformationsjubiläum angestoßenen Forschung wieder in einem ausgeglichenen Licht erscheinen. Doch was ist mit Martin Luther? Kurator Hartmut Kühne kritisierte in seiner Rede zur Eröffnung einen Effekt der Luther­dekade, die das durchaus zwiespältige Bild Luthers wieder verändert hat. „Jetzt wird Luther wieder in die überkommene Ausnahmeposition gerückt“, sagte Kühne.

Bis zum 26. November ist die Ausstellung täglich ab 10 Uhr geöffnet.

Der Flügelaltar von Lucas Cranach aus der Jüterboger Nikolaikirche zeigt eine seltene Abbildung des Fegefeuers. Pfarrer Bernhard Gutsche (l.) und Kurator Hartmut Kühne sind seit 2014 in die Planung der Schau involviert. Quelle: Peter Degener

Von Peter Degener

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