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Der Traum vom Fliegen

Schulzendorf Der Traum vom Fliegen

Der Schulzendorfer Günter Krönert war in der Luft einst ein ganz Großer. Der in Tharandt bei Dresden geboren Ex-Pilot erfüllte sich an seinem 85. Geburtstag seinen Herzenswunsch und flog in Schönhagen mit einen Hubschrauber. Ihm zur Seite saß Fluglehrer Klaus Wenske.

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Günter Krönert macht sich mit den Instrumente vertraut, die anders sind, als er sie aus seiner aktiven Zeit kennt.

Quelle: Margrit Hahn

Schönhagen. Das war ein Geburtstag nach seinem Geschmack: Günter Krönert aus Schulzendorf hatte gehofft, dass er in die Luft gehen kann – und es hat geklappt. Für den 85-Jährigen steht nun fest: Mit dem Fliegen ist es wie mit Fahrradfahren und Schwimmen – wenn man es einmal kann, verlernt man es nicht. Das bewies er in dieser Woche im Cockpit eines Hubschraubers am Flugplatz in Schönhagen. Dort erfüllte er sich seinen vielleicht größten Geburtstagswunsch. Allerdings war bis zuletzt die bange Frage, ob das Wetter mitspielen würde.

Spezialaufträge waren ihm am liebsten

Günter Krönert ist so etwas wie eine Fliegerlegende der DDR. Er flog nicht nur Hubschrauber von einem Ort zum anderen, sondern vor allem Spezialaufträge waren sein Ding. Er war als Retter im Einsatz, startete für Filmdreharbeiten und half per Hubschrauber bei der Elektrifizierung der Eisenbahnstrecken in der DDR. Selbst Weihnachtsmänner und die Kinderfigur Meister Nadelöhr entstiegen zu Werbezwecken seinem Fluggerät. Insgesamt 33 Arbeitsjahre verbrachte er als Hubschrauberpilot und hat mehr als 6000 Flugstunden absolviert.

Vor dem Start muss die Technik im Hubschrauber überprüft werden

Vor dem Start muss die Technik im Hubschrauber überprüft werden.

Quelle: Margrit Hahn

Er war bei der Lufthansa der DDR und späteren Interflug als Gruppenleiter, Staffelleiter und Oberinstrukteur tätig. Im März 1991 wurde er gekündigt und in den Vorruhestand abgeschoben, erzählt er. Er schrieb das Buch „Hubschrauber im Einsatz“ indem er über seine Arbeit in der Spezialhubschrauberstaffel bei der Interflug berichtet.

Er kann es noch immer

Dass er schon vor fünf Jahren zu seinem 80. Geburtstag unbedingt fliegen wollte, kam nicht von ungefähr. „An meinem 30. Geburtstag, dem 11. Oktober 1961 stülpten wir, die Besatzung des Hubschraubers Mi-4, DM-SPC, der alten königlich-sächsischen Triangulationssäule auf dem Lilienstein ein neues Vermessungssignal über“, berichtet Günter Krönert. Zum Gedenken daran wollte er genau ein halbes Jahrhundert später – also an seinem 80. Geburtstag – nochmals mit dem Hubschrauber zum gleichen Zeitpunkt in der Luft sein. Damals flog er mit seinem Sohn Berth, der ebenfalls Hubschrauberpilot ist. Dieses Mal sprang Fluglehrer Klaus Wenske ein. Zum Glück hatte sich das Wetter am Dienstag kurz vor dem Start gebessert. „Ich will unbedingt sehen, ob ich es immer noch kann“, sagte Günter Krönert vor dem Start. Und er konnte es.

Günter Krönert (r) und Fluglehrer Klaus Wenske fachsimpeln

Günter Krönert (r.) und Fluglehrer Klaus Wenske fachsimpeln.

Quelle: Margrit Hahn

Sicher: Die Technik hat sich weiterentwickelt. Aber damit machte sich der Routinier schnell vertraut. Klaus Wenske wies ihn in das moderne Fluggerät ein. Die beiden Piloten fachsimpelten auf dem Flugfeld, bevor es in die Kanzel ging. Helm auf, Funk an. Technik-Check. Dann startete Günter Krönert den Motor und der Rotor begann, sich schwungvoll zu drehen. Der weiß-gelbe Flieger der Firma Hubschrauber und Flugzeugdienst GmbH hob ab und der 85-jährige Schulzendorfer erlebte sein Geburtstagsgeschenk.

Neun Jahre musste er waren, bis sich sein Traum erfüllte

Vom Fliegen hatte er schon als Kind geträumt. Doch zuerst absolvierte er eine Lehre als Buchdrucker. Er wurde von der Polizei geworben und war als Schutzpolizist tätig. „Nach neunjährigem Kampf wurde ich dann endlich für die Hubschraubertruppe zugelassen“, berichtet Günter Krönert.

Ludwig Wagatha, Chef der Hubschrauber und Flugzeugdienst GmbH (sitzend),  mit Günter  Krönert und seinen Söhnen Berth (l) und Jens

Ludwig Wagatha, Chef der Hubschrauber und Flugzeugdienst GmbH (sitzend), mit Günter Krönert und seinen Söhnen Berth (l.) und Jens.

Quelle: Margrit Hahn

Sein Spezialgebiet war immer die Navigation, nur den Knüppel in der Hand zu halten, war ihm zu wenig. Das Leben als Hubschrauberpilot war immer aufregend – an einem Tag aber ganz besonders. Am 8. Februar 1962 stürzte die Maschine, in der er saß , bei Waldarbeiten in Thüringen bei Creuzburg ab. Günter Krönert versuchte noch, den Fehler seines Kopiloten zu beheben, doch die Flughöhe war zu gering und der Absturz nicht mehr zu vermeiden. Ein entwurzelter Baum zerschlug obendrein die Kanzel. Die Mi-4 war Schrott, aber die Crew kam mit Schrammen davon, berichtet Krönert: „Wenige Zentimeter von meinem Gesicht hingen scharfkantige Trümmerstücke. Eines davon verursachte bei mir einen feines Riss über der linken Augenbraue. Am Wärmegefühl spürte ich, dass etwas Blut floss.“ Er konnte weder seinen linken Arm noch das linke Bein bewegen, sie waren eingeklemmt zwischen den Trümmern und den noch gezogenen aber inzwischen arretierten Steigungshebel. Er konnte sich befreien und stellte fest, dass er verdammt viel Glück gehabt hatte.

Mit 90 sitzt er vielleicht wieder im Cockpit

Mit seiner Liebe zur Fliegerei hat er seinen Sohn Berth angesteckt. Längst necken sich Vater und Sohn, denn der Sohn hat inzwischen 2000 Flugstunden mehr als sein Vater. „Zum 90. Geburtstag bin ich entweder im Himmel oder auf der Erde. Ich würde gern wieder fliegen. Genetisch gesehen, gibt es eine Chance. Meine Mutter ist 95 geworden“, sagt der Schulzendorfer.

Von Margrit Hahn

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