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Der Traum vom Schloss

Denkmalschutz in der Region Der Traum vom Schloss

Keine zwanzig Jahre ist es her, da teilte der Streit um die traurigen Reste des Dahmer Schlosses die Einwohner. Längst sind die Kritiker verstummt. Denn der Erfolg der Teilsanierung ist heute Aushängeschild.

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Das Dahmer Schloss wird seit mehr als 20 Jahren in vielen kleinen Schritten in seiner Ruinen-Form erhalten und inzwischen als Veranstaltungsstätte genutzt.

Quelle: Uwe Klemens

Dahme. Dass ein Herrscher von einem eigenen Schloss träumt, war zumindest früher nichts Ungewöhnliches. Frank Pätzig ist zwar kein Herrscher, aber immerhin seit 24 Jahren parteiloser Amtsdirektor in Dahme – und die Schlossruine des Flämingstädtchens erinnert noch an vergangene Zeiten.

Geträumt von seinem Schloss hat Pätzig dennoch viel und hat damit wohl auch die eine oder andere schlaflose Nacht zugebracht. Hätte Pätzig dies nicht getan, gäbe es das Schloss heute sicher nicht mehr. Nicht mal mehr die Ruine, die Anfang der 90er Jahre kurz vor dem Zusammensinken stand, aber bewahrt werden konnte und sich heute als atmosphärischer Veranstaltungsort zunehmender Beliebtheit erfreut.

Bevölkerung tendierte zum Abriss

„Keiner wusste, wie es mit der Ruine weitergeht“, beschreibt Frank Pätzig die Situation, als er 1992 Amtsdirektor wurde und die Stadt samt kläglichem Schlossrest zu seinem Zuständigkeitsbereich wurde. Während in der Bevölkerung die Stimmung zum Abriss tendierte, propagierten Investoren die Idee, hinter den alten Mauern eine moderne Klinik entstehen zu lassen. Auch wenn sich die der Kapitalismusbegeisterung entsprungene Idee später als Hirngespinst herausstellte, wurde der Traum von herrschaftlichem Glanz wieder in Dahme geträumt. Und die Begeisterung dafür wurde noch entfacht, nachdem der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und sein Kulturminister Hinrich Enderlein (FDP) die Unterstützung der Landesregierung zusagten.

Derzeit sind Handwerker damit beschäftigt, Setzungsrisse und marode Fugen im Schlossmauerwerk fachmännisch zu schließen

Derzeit sind Handwerker damit beschäftigt, Setzungsrisse und marode Fugen im Schlossmauerwerk fachmännisch zu schließen.

Quelle: Uwe Klemens

„Stolpe hielt Wort“, sagt Pätzig. Aus dem Förderprogramm „Dach und Fach“ gab es Geld für erste Sicherungsmaßnahmen. Daran jedoch, wie weit eine Sicherung gehen sollte, schieden sich weiterhin die Geister. Zur fachlichen Unterstützung kamen der Luckauer Architekt Axel Seemann, der noch heute die Sanierung begleitet, und der Sanierungsträger Baugrund mit ins Boot.

Fortschritte durch Mini-Sanierungsprojekte

Als Mitte der 1990er Jahre der Bauboom der Nachwendezeit langsam abebbte, Baufirmen pleite gingen und viele Beschäftigte ohne Arbeit dastanden, schlug man mit sogenannten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) zwei Fliegen mit einer Klappe, wie sich Frank Pätzig erinnert: vom Arbeitsamt geförderte Mini-Sanierungsprojekte. So kamen Menschen wieder in Lohn und Brot und die Fortschritte an und in der Ruine wurde langsam sichtbar.

Seit seinem Amtsantritt 1992 kümmert sich Amtsdirektor Frank Pätzig um die Schlossruine – auch seinen 60

Seit seinem Amtsantritt 1992 kümmert sich Amtsdirektor Frank Pätzig um die Schlossruine – auch seinen 60. Geburtstag hat er dort gefeiert.

Quelle: Uwe Klemens

„Schritt für Schritt kamen wir weiter“, blickt Pätzig zurück, „irgendwann stand die Frage, was wir denn nun mit der Ruine eigentlich anfangen wollen.“ Die Nutzung als zwar spartanisch ausgestatteter, aber gleichzeitig auch romantischer Veranstaltungsort lag praktisch auf der Hand und floss in die Sicherungsmaßnahmen mit ein. Die Überdachung von ersten Gebäudeteilen, die das Mauerwerk vor dem weiteren Verfall schützen sollte, schützte nun auch die Besucher von kleinen Konzerten und die Gäste privater Feiern vor Regen. Es wurden eine Notbeleuchtung und eine Metalltreppe eingebaut. Darauf folgten Glasscheiben für die blinden Fensterhöhlen. Eine kleine Bühne für Vortragsveranstaltungen und auch eine barrierefreie Toilettenanlage kamen hinzu.

Fördermittel flossen in Millionenhöhe

Wo immer Fördermittel möglich schienen, hat die Amtsverwaltung Anträge gestellt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stiftung der damaligen Kreissparkasse Teltow-Fläming (heute: Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam) beteiligten sich ebenso wie das Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Auch der Landkreis Teltow-Fläming förderte einzelne Projekte, die zur Erhaltung der Schlossruin e betrugen, mit Konjunkturmitteln und aus dem sogenannten GFG-Fonds für Investitionen. Mehr als 2,2 Millionen Euro flossen bis 2015 in die Sicherung und Teilsanierung des Schlosses. Rund 172 000 Euro betrug dabei der insgesamt geleistete Eigenanteil der Stadt Dahme.

„Vieles von dem, was wir in Etappen gemacht haben, ginge so heute nicht mehr“, sagt Pätzig, „,Dach und Fach ’ und ABM sind Geschichte.“ Doch er bekräftigt: „Müssten wir noch mal mit denselben Möglichkeiten von vorn anfangen, würde ich es wahrscheinlich wieder genauso machen wollen.“

Zahlreiche Veranstaltungen an der Schlussruine

Dass sich die Mühe und Weitsicht gelohnt haben, beweist der Blick auf die zunehmende Beliebtheit der Schlossruine als Veranstaltungsort. „Etwa 20 bis 30 Veranstaltungen pro Jahr gibt es“, sagt die für Stadtmarketing zuständige Rathausmitarbeiterin Ursel Ochs. „Dazu zählen Konzerte, Theateraufführungen, Vereinsfeste und private Feiern. Und die Tendenz ist steigend.“ Auch Frank Pätzig selbst hat dort seinen 60. Geburtstag mit seinen Gästen gefeiert.

Hintergrund

Von 1712 bis 1714 wurde das Dahmer Schloss an der Stelle einer früheren Burg erbaut. Zwei Gemälde dieser Burg befinden sich im Heimatmuseum.

Herzog Friedrich von Sachsen-Weißenfels bezog den für ihn bestimmten Neubau nicht mehr. Er starb am 16. April 1715. Aber 1719 kam Herzog Johann Adolf II., kursächsischer Generalfeldmarschall, er wählte Dahme als Wohnsitz. Später wurde das Schloss vor allem von Witwen der Herzöge bewohnt.

Im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon verlor Sachsen als Verbündeter der Franzosen 1815 den Besitz in Dahme an Preußen.

1873 kaufte die Stadt das Schloss und gestaltete das Areal zu einem „Haus der Schulen“ um. Von 1876 bis 1904 war dort die Landwirtschaftsschule untergebracht. 1881 kamen alle Knabenklassen der Volksschule und 1905 alle Mädchenklassen ins Schloss.

1940 wurde die Polizeiverwaltungsschule dort eingerichtet. Doch der Umbau wurde wegen des Zweiten Weltkrieges nie vollendet.

Nach 1945 gab es Pläne, das Schloss instandzusetzen. Doch 1957 wurden dafür die Mittel entzogen. Das Gebäude verfiel fast 40 Jahre lang.

1995 begannen die Sicherungsarbeiten an der Schlossruine.

So schön die Entwicklung auch ist, so sehr bringt es die Ruinenbewahrer auch in Bedrängnis. „Aus der Sicherung ist ja inzwischen unübersehbar eine Teilsanierung geworden, so dass wir uns jetzt strengen Auflagen in Sachen Brandschutz und Notwegekonzept stellen müssen, was natürlich auch Geld kostet.“

Bauarbeiter werkeln wieder

Seit wenigen Wochen werkeln nun wieder Bauleute. Mehr Lampen als bisher sollen künftig die Fluchtwege beleuchten und auch weitere Toiletten sollen eingebaut werden. Zugleich werden Setzungsrisse im Mauerwerk fachmännisch mit Eisen und Spezialmörtel stabilisiert, weitere Fensterhöhlen verglast und die letzten, nicht überdachten Mauerstümpfe im Dachbereich mit Blech geschützt. Da das Schlossareal seit Ende vergangenen Jahres zum offiziellen Sanierungsgebiet gehört, ist nun auch der Einsatz von Städtebaufördermitteln möglich.

Währenddessen blickt Frank Pätzig schon wieder in die Zukunft. „Schön wäre es, wenn alle in der Stadt erkennen, welchen Schatz man hier besitzt und dass das Interesse, ihn wieder zum Funkeln zu bringen, nicht nachlässt. Ein besseres Aushängeschild kann man sich eigentlich nicht vorstellen.“

Von Uwe Klemens

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