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Teltow-Fläming Folge 31: Der Unfall
Lokales Teltow-Fläming Folge 31: Der Unfall
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17:11 30.10.2018
Klare Sache: der Knochen ist durch. Quelle: Foto: PRivat
Ludwigsfelde

Rabiha Yassin sitzt neben einem Bett im Ludwigsfelder Krankenhaus und streicht ihrem Sohn Rabi über die Wange. Sie sieht aus wie der Tod auf Latschen. Ihre Wangen sind eingefallen, um ihre Augen haben sich dunkle Ringe gebildet. Sie würde gern weinen, und in den vergangenen Stunden hat sie es, als sie sich unbeobachtet wähnte, hin und wieder auch getan. Aber gerade passt es nicht.

Ihre Kinder sollen ihre Tränen nicht sehen. „Ich muss stark sein“, sagt sie immer wieder. Deshalb presst sie die Lippen aufeinander und quält sich ein Lächeln ab, als eine Krankenschwester den Raum betritt und sich vorstellt. „Ich bin die Schwester“, sagt die Schwester. „Rabiha“, antwortet Rabiha, als sie die ausgestreckte Hand nimmt. Die Schwester nickt. „Ich weiß, wir kennen uns schon“, sagt sie. „Von Meis.“

Sie sagt das so nett, dass eigentlich alle düsteren Gedanken sofort verfliegen müssten. Aber andererseits: Wenn das Krankenhauspersonal schon weiß, wer man ist, dann ist das auch kein gutes Zeichen. Wahrscheinlich war man dann in den vergangenen Wochen und Monaten zu oft dort.

Rabiha schaut die Schwester müde an. Sie hat nächtelang nicht wirklich geschlafen, weil sich ihre Tochter, die kleine Meis, irgendeinen Infekt eingefangen hat. Tagsüber wurde das Kind von Fieberschüben gequält, weshalb Rabiha wieder einmal Stunden mit ihr in der Klink verbrachte. Und nachts war Meis dann nicht zur Ruhe gekommen. Nach drei Tagen ging es dem Kind etwas besser, Rabiha hatte deshalb schon Pläne gemacht, sie wollte sich bei der Stadt um einen Kitaplatz bewerben. „Wenn ich den habe, dann kann ich mich auch mal wieder um mich kümmern“, hatte sie gesagt. Aber dann kam es wieder anders – und diesmal knüppeldick. Rabi wurde auf dem Rückweg vom Fußballtraining von einem Auto angefahren. Er hatte mit seinem Fahrrad die Straße überquert, wohl bei Rot, wie die Polizei später mitteilt. Das Auto erwischte ihn voll.

Als Rabiha zur Unfallstelle kam, war der Krankenwagen noch dort. Die Sanitäter ließen sie mitfahren. Im Krankenhaus verbrachten sie und ihr Mann Mohammed bange Minuten im Warteraum. Während ihr Sohn hinter verschlossenen Türen untersucht und durchleuchtet wurde, sprach Rabiha leise Gebete, hielt sich an ihrem Mann fest und schüttelte immer wieder den Kopf. Was ist nur aus ihrem Leben geworden? Die Heimat zerbombt, die Familie über 4000 Kilometer verteilt, die Zukunft ungewiss in diesem Land, dessen Sprache und Regeln nach all den Monaten noch immer undurchdringlich scheinen. Und jetzt auch noch der Sohn in der Notaufnahme.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Ärzte Entwarnung gaben. Der Unterschenkel ist gebrochen, aber er wird wieder heilen, und ansonsten ist Rabi okay. Dass er die Fragen versteht und auf Deutsch antworten kann, erleichterte den Job der Ärzte ungemein. Hast du Schmerzen am Kopf? Nein. Am Ellenbogen? Nein. Nur am Bein.

Die Ärzte haben sich nach der Untersuchung auch viel Zeit für Rabiha genommen, sie sprachen lange auf Englisch mit ihr, erklärten ihr das Verletzungsbild und sagten, dass es keinen Grund zur Sorge gebe. Rabi müsse nur ein paar Tage in der Klinik bleiben. Die Schwestern organisierten extra noch ein Zimmer, in dem auch ein freies Bett für Vater Mohammed steht. Niemand liegt gern im Krankenhaus. Aber noch schlimmer ist es schließlich, wenn man allein dort liegt.

Alles wird also gut. Trotzdem kneift Rabiha die Augen zusammen, als die Schwester ein Kissen unter Rabis Bein legt und der Junge vor Schmerzen stöhnt.

„Er sollte jetzt ein bisschen schlafen“, sagt die Schwester. Rabiha nickt. Auch ihr täte Schlaf gut, aber sie weiß, dass sie in dieser Nacht wieder kein Auge zutun wird. Als sie das Krankenzimmer verlässt, seufzt sie: „Ich hasse Fahrräder.“

Info: Die Familie Yassin ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen und lebt jetzt in Ludwigsfelde. Die MAZ berichtet wöchentlich über ihr Leben in Deutschland. Alle Folgen: www.maz-online.de/ Brandenburg/Eine-syrische-Familie-hofft-auf-einen-Neustart

Von Oliver Fischer

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