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Der Waschbär breitet sich ungehemmt aus

Raubtier in Dahmeland-Fläming Der Waschbär breitet sich ungehemmt aus

Die Jäger der Region Dahmeland-Fläming bekommen die Waschbär-Population nicht in den Griff. Im Jagdjahr 2016/17 wurden in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming wieder 400 Waschbären mehr gefangen und erschossen als im Jahr zuvor. Mufflons dagegen gibt es fast keine mehr.

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Rund 3700 Waschbären haben die Jäger in Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming im vorigen Jagdjahr erlegt, das sind 400 mehr als in der Vorsaison.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Er schaut putzig drein, plündert so ungehemmt Vogelgelege wie kein anderes heimisches Raubtier und breitet sich quasi unaufhaltsam aus: der Waschbär. Seit Jahren verzeichnet die Jagdstatistik in der Region Dahmeland-Fläming steigende Waschbärzahlen. Eine jetzt vorgelegte Jagdstatistik für die Saison 2016/17 bestätigt diesen Trend. Rund 3700 Waschbären wurden in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gefangen, geschossen oder tot aufgefunden. Das sind 400 mehr als in der Vorsaison. Die Kurve geht steil nach oben – genau wie die der Dachse und der Marderhunde.

„In vielen Jagdbezirken tun die Jäger schon, was sie können“, sagt Norbert Hill, zuständiger Sachbearbeiter in der Jagdbehörde Dahme-Spreewald. Es gibt immer mehr Jäger, die sich auf die Waschbärjagd spezialisieren, obwohl diese komplizierter ist als die auf andere Wildtiere. Waschbären sind nachtaktiv, sie werden vor allem mit Lebendfallen gefangen. Die Jäger investieren viel Zeit, weil sie die Falle mehrmals am Tag kontrollieren müssen. „Das reicht aber offenbar nicht, um den Zuwachs abzuschöpfen“, sagt Hill. Das ist die wohl deutlichste Erkenntnis aus den Zahlen: die Jägerschaft bemüht sich, aber sie wird der Waschbären nicht Herr.

Bei den meisten anderen Wildtierarten sind die Zahlen dagegen stabil. Die Rehwildstrecke ist seit Jahren unverändert hoch, auch in diesem Jagdjahr wurden wieder 8600 Rehe geschossen, genau so viele wie im vergangenen. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass das Land vor zwei Jahren die Abschusspläne aufgehoben hat. Bei der Reh-Strecke gab es damit keine Obergrenze mehr, auch weil man festgestellt hatte, dass die Rehe zu viele junge Bäume wegknabbern und somit die Verjüngung der Wälder bremsen. Nach der Entscheidung gab es damals Diskussionen: Die einen fürchteten übermäßig hohe Rehwildabschüsse, andere gingen davon aus, dass Jäger die Rehe eher vernachlässigen, weil sie keine Abschüsse mehr nachweisen müssen. Tatsächlicher Effekt bislang: keiner.

Auch beim Rotwild hat sich in den vergangenen Jahren wenig getan. In Dahme-Spreewald sank hier die Jagdstrecke zuletzt leicht, in Teltow-Fläming stieg sie im gleichen Maße an.

Zurückgegangen ist dagegen der Bestand an Damwild. In Dahme-Spreewald gibt es das ohnehin kaum, es ist nur eine kleine Population bei Hammer bekannt. In Teltow-Fläming ist etwas mehr Damwild anzutreffen. „Aber die Strecken gehen bei uns seit Jahren zurück“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Ortwin Seier. Die Vermutung: Teltow-Fläming ist flächendeckend Wolfsland, und Damwild hat kaum Stategien gegen den Wolf.

Ähnlich ergeht es dem Muffelwild. Das ist seit einigen Jahren aus Dahme-Spreewald verschwunden – dort allerdings wohl ohne Wolfseinfluss. In Teltow-Fläming gab es noch eine Population bei Groß Ziescht, die sei praktisch erloschen, sagt Ortwin Seier. Geschossen werden Mufflons heute nur noch in der Gegend um Thyrow. „Dort ist der Wolf noch nicht so präsent“, so Seier. „Aber wenn er dort hinkommt, dann rottet er das Muffelwild aus.“

Kopfzerbrechen bereitet Ortwin Seier derzeit aber eher das Schwarzwild. Nicht unbedingt, weil es sich unkontrolliert vermehren würde, das scheinen die Jäger ganz gut im Griff zu haben. Die Strecken bewegen sich stets um 4000 Stück in Dahme-Spreewald und 5000 in Teltow-Fläming. Das Problem sieht Seier eher in der Afrikanischen Schweinepest, die sich von Osten her in Richtung Mitteleuropa ausbreitet. Im Juli erst hatten Behörden einen Fall aus Tschechien gemeldet, wo sofort ein langer Elektrozaun gebaut wurde, damit die Tiere die hochansteckende und für Wild- und Hausschweine tödliche Krankheit nicht weiter verbreiten.

„Dort hat man es auf diese Weise zum Glück eingrenzen können“, sagt Seier. Aber sollte die Schweinepest erst in der hiesigen Region auftreten, dann käme auf die Jäger einiges zu. Sie müssten innerhalb kürzester Zeit die Bestände merklich senken, um das Weitertragen der Krankheit zu verhindern. „Wir stellen aber schon jetzt fest, dass das nicht so einfach ist, weil wir die großen Maisfelder haben, in denen die Schweine praktisch unsichtbar und unerreichbar sind“, so Seier.

Die gute Nachricht: Sollte es doch soweit kommen, sind immerhin genügend Jäger da. Die Nachwuchssorgen, die den Stand einst plagten, gehören der Vergangenheit an. Sowohl in Teltow-Fläming als auch in Dahme-Spreewald legen immer mehr junge Menschen die Jagdprüfung ab.

Von Oliver Fischer

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