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Der Wolf dezimiert das Muffelwild

Besorgte Jäger Der Wolf dezimiert das Muffelwild

Muffelwild, das friedlich am Waldesrand grast – in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald könnte dieses Bild bald der Vergangenheit angehören. Jäger bekommen immer weniger der Tiere vor die Flinte. Schuld daran ist der Wolf, der es auf das Wild abgesehen hat. Aber auch etwas anderes spielt eine Rolle.

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Auf dem Speiseplan des Wolfs: Muffelwild, wie hier im Tierpark Kunsterspring, wird man in Zukunft seltener sehen.

Quelle: Peter Geisler

Dahmeland-Fläming. In der Dahmeland-Fläming-Region wird der Anblick von friedlich grasendem Muffelwild immer seltener. Grund für den Rückgang der Muffelwild-Populationen ist vermutlich der steigende Wolfsbestand.

„Das Muffelwild hat ein ganz ungünstiges Feindverhalten“, erklärt Klaus Grüneberg, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbands Teltow-Fläming. Das Tier beuge den Hals nach unten, um sich mit den schneckenartigen Hörnern vorm Feind zu verteidigen. „Da kommt der Wolf dann von der Seite – und zack.“ Das Muffelwild stamme nicht aus der Gegend und wisse daher nicht, wie es sich gegen Wölfe verteidigen kann. „Eine Herde wird dann Stück für Stück regelrecht aufgefressen. Für die Jagd ist das natürlich schade.“

Erschreckende Statistik

9974 Schalenwildtiere (Hornträger, Geweihträger und Wildschweine) kamen im Jagdjahr 2014/2015 im Landkreis Dahme-Spreewald zur Strecke. 8973 Tiere starben durch Jäger, 779 durch Unfälle im Straßenverkehr und weitere 222 verendeten auf Grund anderer Ursachen.

Da nur zwei (Vorjahr: 18) Mufflons in der Statistik sind, vermutet man steigende Wolfsbestände als Ursache.

In Teltow-Fläming wurde im aktuellen Jagdjahr eine Strecke von 41 Muffelwild gezählt. Im Vorjahr waren es noch 49, 2011 mehr als 100 Tiere.

Das Rehwild stellt im Landkreis Teltow-Fläming die Hauptnahrung des Wolfes dar. Aufgrund der Häufigkeit dieser Tiere sind jedoch noch wenig Auswirkungen auf den Bestand zu erkennen, während dies beim Damwild bereits der Fall ist.

Jäger schießen immer weniger Muffelwild

Dass die Unwissenheit den Tieren in der Region zum Verhängnis wird, wird auch in den jüngsten Statistiken der Unteren Jagdbehörde beider Landkreise deutlich: Die Zahl des Muffelwildabschusses liegt dabei auf einem Tiefpunkt. Zwei Populationen in Teltow-Fläming – bei Johannismühle sowie im Grenzgebiet zu Elbe-Elster – seien durch den Wolf bereits stark dezimiert worden, berichtet Grüneberg. Lediglich bei Siethen gebe es noch einen großen Bestand an Muffelwild. „Dort wurde der Wolf aber auch schon gesichtet“, sagt Grüneberg. Wie lange es diese Population noch gibt, sei damit ungewiss.

Darüber hinaus reiße der Wolf vor allem Reh- und Schwarzwild, zum Beispiel Frischlinge. „Er jagt immer das, was am leichtesten zu kriegen ist – also alte, schwache, kranke Tiere“, so Grüneberg. „Anders ist es, wenn die Wölfe im Rudel jagen.“ Dann jagen sie, was sie bekommen.“ Jedoch sei die Dezimierung des Reh- und Schwarzwilds weniger stark als beim Muffelwild.

Verlust des Muffelwildes steigt an

Dass die Populationen der Mufflons zurückgehen, kann auch Uwe Scharnagel von der Unteren Jagdbehörde Teltow-Fläming bestätigen. „Die Jäger schießen die Tiere kaum noch, und wenn dann die männlichen. Überfahren werden sie kaum. Und irgendwo muss der Verlust ja herkommen“, erläutert er. Wölfe ernährten sich zudem gerne von Dam- und Rehwild. „Beim Rot- und Schwarzwild traut er sich noch nicht ran, wenn dann an die Jungtiere.“ Beim Damwild mache sich sogar ein Rückgang der Population bemerkbar, wenn auch weniger ausgeprägt als beim Muffelwild.

Muffelwild ist eine einfache Beute für den Wolf

Die Situation im Landkreis Dahme-Spreewald sieht ganz ähnlich aus. Lediglich zwei Mufflons tauchen in der Statistik auf – die bisher geringste Anzahl. Beide Tiere sind dem Fallwild zuzurechnen, das heißt, sie sind nicht durch einen Jagdschuss, sondern durch Krankheit oder äußere Einwirkungen wie einen Straßenunfall gestorben.

Hans-Dieter Hennings, Vorsitzender des Jagdverbandes Königs Wusterhausen, sagt jedoch, dass das Muffelwild in der Region um Königs Wusterhausen nie groß verbreitet gewesen sei. „In Gegenden, wo mal viel Muffelwild gewesen ist, spielt der Wolf sicherlich eine Rolle am Rückgang“, mutmaßt der Experte. „Das Muffelwild ist ja eine einfache Beute für den Wolf. Bei Gefahr rudeln sich die Tiere schlagartig zusammen wie Schafe.“ Doch in dieser Region seien Wolfspopulationen eher im Süden bei Spremberg (Landkreis Spree-Neiße) beziehungsweise im nördlichen Bereich bei Friedersdorf (Märkisch-Oderland) beheimatet. „Bei uns zieht mal ein Wolf durch und dann merken wir, dass das Rehwild für kurze Zeit weg ist“, sagt Hennings. „Und auch das Damwild ist für ihn eine leichte Beute.“

Von Anne-Kathrin Fischer

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