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Teltow-Fläming Der Wolf vertreibt die ersten Jäger
Lokales Teltow-Fläming Der Wolf vertreibt die ersten Jäger
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02:16 23.03.2018
Frisst den Jägern das Wild weg: Der Wolf aus dem Dobbrikower Rudel bringt die ersten Pächter dazu, das Revier zu wechseln. Quelle: dpa
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Dahmeland-Fläming

Die Trophäen an den Wänden künden von vergangenen Zeiten, als den Weidleuten in Wittbrietzen bei Beelitz das Jagdglück noch hold war. 1986 bauten sie sich in vielen Arbeitsstunden unter Kiefern ihr massives Jagddomizil für dienstliche Zusammenkünfte und gesellige Stunden auf. Heute steht die Idylle fernab vom Dorf vor einer ungewissen Zukunft.

Neun Männer bilden die Pächtergemeinschaft Wittbrietzen – noch. Denn zum 1. April haben fünf Jäger ihren Abschied erklärt. Sie geben das Hobby nicht auf, sondern suchen sich andere Reviere. Kein Wunder, seit sich das Wolfsrudel in der Gemarkung Dobbrikow in Teltow-Fläming angesiedelt hat, sind die Chancen auf einen erfolgreichen Ansitz auch im benachbarten Südwesten Potsdam-Mittelmarks dramatisch gesunken. Vor wenigen Tagen erst hat das Landesumweltamt den Antrag eines Landwirtes auf „Entnahme“ dieses Rudels wegen Angriffe auf Weidetiere abgelehnt.

Ähnliches Problem in Teltow-Fläming

In Teltow-Fläming selbst kennt man das Problem ebenfalls. Gerade das ansässige Mufflon ist stark bedroht. „Die Tiere haben kein richtiges Fluchtverhalten vor dem Wolf“, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Teltow-Fläming, Ortwin Seier. Der Bestand des Wildschafs in Baruth sei schon ausgelöscht. Den verbleibenden Tieren bei Thyrow drohe in naher Zukunft das gleiche Schicksal. „Es ärgert uns Jäger schon, dass die Existenz des einen Tieres durch das andere komplett bedroht wird“, sagt Ortwin Seier. Eine Pachtgemeinschaft hat sich in Teltow-Fläming allerdings noch nicht auflösen müssen. „Gerade beim Schwarzwild wäre es gut, wenn uns der Wolf ein bisschen helfen würde“, sagt Seier.

Auch in Königs-Wusterhausen droht keine Aufgabe. „Bei uns sind die Gebiete wesentlich weitläufiger. Da ist es für den Wolf nicht so einfach Wildtiere zu reißen“, sagt Dieter Hennings vom Jagdverband Königs-Wusterhausen. „Wo wie bei uns die Nutzviehbestände hoch sind, bedient sich der Wolf lieber daran“, sagt Hennings.

Kein erlegtes Tier seit drei Jahren

Ganz anders sieht die Lage im benachbarten Wittbrietzen aus. „Sechs Stück Damwild hatten wir 2017/18 im Abschussplan. Doch seit drei Jahren haben wir nicht ein Tier erlegen können. Beim Rehwild ging die Strecke um die Hälfte zurück“, berichtet Manfred Wüstenhagen (80). Der erfahrene Weidmann, der seit 1964 den Jagdschein besitzt, gehört zu den vier Jägern, die nach dem personellen Aderlass den Rest der Pächtergemeinschaft bilden. Dort macht man sich Sorgen um die Zukunft der Jagd in Wittbrietzen. Denn nun müssen deutlich weniger Leute die Jagdpacht für das rund 1400 Hektar große Revier aufbringen.

Wittbrietzen Gerald Wagner und Manfred Wüstenhagen Quelle: Frank Bürstenbinder

„Wir gehen nicht zur Jagd um des Geldes wegen. Doch wenn die Einnahmen aus dem Wildbretverkauf ausbleiben, wird die Differenz zu den Aufwendungen immer höher. Da muss so mancher Jäger passen“, gibt der Potsdamer Gerald Wagner (73) zu bedenken, der seit 1984 in Wittbrietzen auf die Pirsch geht. Jäger müssen nicht nur Pacht an die Landeigentümer zahlen. Sie haben sich um Wildschäden zu kümmern, sollen Raubwild kurz halten, müssen eine private Haftpflichtversicherung abschließen und zahlen Beiträge in die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft.

Schutzstatus in der Kritik

Mit den Wölfen können sich die Jäger arrangieren, mit dem hohen Schutzstatus jedoch nicht. Ortwin Seier aus Teltow-Fläming plädiert für eine vernünftige Bewirtschaftung des Wolfs durch die Jäger. Auch Wagner wünscht sich eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht. Wie Wüstenhagen will auch Wagner dem angestammten Revier treu bleiben. Die Jäger hoffen auf eine einvernehmliche Regelung mit der ortsansässigen Jagdgenossenschaft, die alle Besitzer von bejagbaren Flächen vereint. In Kürze steht die Verlängerung des Pachtvertrages an. Ob die Landeigentümer sich mit Rücksicht auf die neue Lage der Jäger auf eine Senkung der Pachthöhe einlassen, wird sich erst auf deren Jahresversammlung am 17. April entscheiden.

Bei Wittbrietzen handelt es sich um ein Niederwildrevier aus Wald und Acker. Es gibt Rehwild und Wildschweine. Bis zur Rückkehr der Wölfe trat Damwild als Wechselwild auf. Inzwischen scheint die Art das von den Raubtieren besetzte Terrain weitestgehend zu meiden. Ein Trend, den Jäger kreisweit zu spüren bekommen. Ihnen liefen im vergangenen Jagdjahr 2534 Tiere vor die Flinte. In Spitzenzeiten wurden in Potsdam-Mittelmark rund 4700 Stück erlegt.

Eine Entwicklung, die auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Jagdpacht bleiben kann. „Die Diskussion kommt gerade ins Rollen. Von Revieraufgaben ist uns jedoch bisher nichts bekannt“, sagte Helge von Giese, Pressesprecherin des Landesjagdverbandes der MAZ. Dass die Konkurrenz durch Wölfe eines Tages zu jagdfreien Zonen führt, glaubt Karl-Heinz Hohmann vom Jagdverband Brandenburg an der Havel nicht. Insgesamt sei ausreichend Wild unterwegs. Außerdem würden viele Jäger mit genügend Geld in den Startlöchern stehen, um an ein eigenes Revier zu kommen – ob mit oder ohne Wolf, so Homann.

Von Frank Bürstenbinder und Ansgar Nehls

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