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Der Zauber von Schloss Stülpe

Denkmale in der Region Der Zauber von Schloss Stülpe

Die Schlossbesitzer Barbara und Wolfgang Rupilius haben nicht nur das Schloss, sondern auch die dazugehörigen Gebäude aufwendig restauriert. 100 Betten können sie ihren Gästen zur Verfügung stellen. Doch der Weg war nicht einfach.

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Schloss Stülpe.

Quelle: Margrit Hahn

Stülpe. Barbara und Wolfgang Rupilius haben das Schloss Stülpe vor zehn Jahren gekauft. Sie hatten schon länger nach etwas Passendem gesucht. Barbara Rupilius, die in Beeskow geboren wurde und deren Vater dort einst Bürgermeister war, hatte den Wunsch, sich hier wieder niederzulassen. Ein Zeitungsartikel über Schlösser brachte den entscheidenden Hinweis. In einem Nebensatz wurde darin Stülpe erwähnt. Allerdings gab es kein Foto dazu. „Ich bin daraufhin sofort losgefahren und habe es mir angeschaut“, sagt Barbara Rupilius.


Die Schlossherren, Barbara und Wolfgang Rupilius  freuen sich, dass  es ihnen gelungen ist, dass  Anwesen  vor dem Verfall zu retten

Die Schlossherren, Barbara und Wolfgang Rupilius freuen sich, dass es ihnen gelungen ist, dass Anwesen vor dem Verfall zu retten.

Quelle: Margrit Hahn

Es dauerte aber noch einige Zeit, bis der Kaufvertrag unterschrieben werden konnte. Bis heute weiß Barbara Rupilius nicht, warum sich der Landrat dagegen gestellt hat, dass sie das Schloss bekommen. „Es gab damals einen Mitbewerber, der sich aber als Strohmann entpuppte. Wir haben nie herausgefunden, für wen dieser das Anwesen kaufen sollte“, sagt Barbara Rupilius. Sie ist sich sicher, dass man sie ausbooten wollte, denn plötzlich hieß es, wenn sie das Schloss kaufen wollten, dann müssten sie innerhalb von zwei Tagen die Kaufsumme aufbringen. Wahrscheinlich hatte niemand damit gerechnet, dass es ihnen gelingen würde.

Für den Traum vom Schloss von New York in den Fläming gezogen

Das Anwesen passte genau zu den Vorstellungen des Paares. Für den Traum vom Schloss zog es von New York in den Fläming.„Es war von der Größe zu finanzieren, ohne dass wir anfangs Schulden machen mussten. Wir wollten keine Luftschlösser bauen und irgendwann mit der Sanierung fertig sein“, berichtet die Schlossherrin. „Ein bisschen gruselig war es anfangs schon. 1999 hatte es ja im Schloss, das als Erholungs- und Pflegeheim genutzt wurde, gebrannt. Da stand sogar noch das Essen auf dem Tisch“, erzählt sie.


Der historische Reitstall

Der historische Reitstall.

Quelle: Margrit Hahn

Danach stand das Gebäude längere Zeit leer. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde geklaut. Das Gesindehaus hatte lecke Stellen, Pferdestall und Schmiede waren in erbärmlichem Zustand, der Park war verwildert und der Obstgarten so zugewachsen, dass es ein halbes Jahr dauerte, bis man ihn entdeckte. Das Gewächshaus glich einer illegalen Müllentsorgungsstelle. Es dauerte zwei Jahre, bis alles entrümpelt war.

Kritik an der Politik

„Unser Ziel war es, das Objekt zu sanieren und vor dem Verfall zu retten“, betont Wolfgang Rupilius. Da von Anfang an feststand, dass auf dem Anwesen auch Pferde gehalten werden sollen, hatten sich die Schlossherren schon vor Jahren um das Land ringsum beworben. „Damals war das Land an die Agrargenossenschaft „Der Märker“ verpachtet worden. Inzwischen hat „Der Märker“ die Ländereien gekauft. Obwohl wir hier so viel investiert haben, erhielten wir kein Vorkaufsrecht“, ärgert sich Barbara Rupilius. „Das war ein Dolchstoß durch die Bundesregierung. Jetzt können wir nur auf die Bevölkerung hoffen, dass man Ländereien an uns verpachtet oder verkauft.“

Justin Ehlert wird Tourismus-Kaufmann

Justin Ehlert wird Tourismus-Kaufmann.

Quelle: Margrit Hahn

Genauso ärgert sich das Ehepaar über die Förderpolitik. Das Schloss hat es aus eigenen Mitteln finanziert, für das Hotel gab es zwar eine Förderung, aber die reicht hinten und vorne nicht. Inzwischen verfügt das Hotel über insgesamt 100 Betten in exklusiv eingerichteten Apartments und Wohnungen mit stilvollen Details. „Man hat uns gesagt, dass alte Sachen Antiquitäten seien, die nicht gefördert werden. Wenn wir aber einen Schrank nachmachen lassen würden, der könnte auch teurer sein, den würden wir bezahlt bekommen“, sagt Wolfgang Rupilius.

Kampf um Fördermittel

Anfangs waren im Schloss von zehn Mitarbeitern drei damit beschäftigt, zu recherchieren und zu telefonieren, um Originalteile aufzutreiben. Bei jedem Stück, bei jeder Fliese und bei jeder Türklinke musste auf dem Kaufvertrag vermerkt werden, dass dieser Gegenstand in den vergangen sieben Jahren nicht gefördert wurde. Die Personalkosten stiegen enorm. Und so blieb dem Ehepaar nichts anderes übrig, als seine Ferienwohnung zu verkaufen und sämtliche Versicherungen aufzulösen, um die laufenden Kosten tragen zu können. „Wir kämpfen um 400 000 Euro Fördermittel, die uns bereits zugesagt wurden“, sagt Barbara Rupilius. Das Geld wird dringend für die Reithalle benötigt, die schon längst stehen sollte.

Die Bibliothek wird für Hochzeiten zum Standesamt

Die Bibliothek wird für Hochzeiten zum Standesamt.

Quelle: Margrit Hahn

Trotz allem haben es Barbara und Wolfgang Rupilius nicht bereut, dass sie Schloss Stülpe gekauft haben, auch wenn es Knochenarbeit war und sie einen sehr hohen Preis dafür gezahlt haben. Sie hören immer wieder, wie schön ihr Anwesen geworden ist. In diesem Jahr sahen sich 80 Brautpaare das Schloss an, 15 von ihnen haben sich dort das Ja-Wort gegeben. Die größte Hochzeit wurde bisher mit 160 Gästen gefeiert. Dafür waren Brautpaar und Familie extra aus Brasilien angereist.

Hollywood-Stars in Stülpe

Auch als Filmkulisse wird das Herrenhaus genutzt. Selbst Hollywood-Stars geben sich in Stülpe die Klinke in die Hand. Gedreht wurde dort unter anderem für die 5. Staffel der US-Serie „Homeland“ oder der Film „Ein russischer Sommer“. Dafür mussten zwei Räume gestrichen werden. Der rote und der blaue Salon behielten ihre Farben auch nach dem Ende der Dreharbeiten.

Das Ehepaar freut sich, dass auch junge Menschen Interesse an alten Schlösser haben. So haben Barbara und Wolfgang Rupilius mit Justin Ehlert aus Luckenwalde einen engagierten Auszubildenden gefunden. Der angehende Kaufmann für internationalen Tourismus ist dabei, einen Pilgerweg von Wittenberg nach Stülpe zu erstellen.

Historische Ansicht von Schloss Stülpe

Historische Ansicht von Schloss Stülpe.

Quelle: privat

Hintergrund

1754 wurde das Schloss Stülpe von Adam Ernst II. von Rochow erbaut.

D


Nicht nur das Schloss, auch Teile der barocken Gesamtanlage sind im Original erhalten. Das Anwesen besitzt eine für Brandenburg außerordentliche baukünstlerische und bauhistorische Bedeutung.

Anliegen der Schlossherren ist es, die unter Denkmalschutz stehenden Gesamtanlage als historische Rarität zu erhalten.

Von Margrit Hahn

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