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Der dickste Baum weit und breit

Naturdenkmal Der dickste Baum weit und breit

Sie hat einen Stammumfang von 7,60 Metern, das muss der Stieleiche in Stülpe erst einmal ein anderer Baum nachmachen. Laut den Listen der Unteren Naturschutzbehörden ist der Baum damit sogar der dickste in der Dahmeland-Fläming Region. Ober er allerdings auch der älteste ist, weiß kein Mensch.

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Die Eiche in Stülpe ist ein Naturdenkmal – und was für eins!

Quelle: Foto: Oliver Fischer

Stülpe. Wer in Stülpe zur Eiche will, der kann einfach nach dem Weg fragen, den Baum kennt in dem Ortsteil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal jeder. Oder man biegt beim Spielplatz von der Hauptstraße ab und parkt nach 50 Metern das Auto, von dort sieht man sie schon. Man muss dann nur noch ein kleines Gartentor öffnen und einen kurzen Weg hinter sich bringen, der wie eine Schneise durch einen Hühnerhof gezogen wurde. Links ein Zaun, rechts ein Zaun, dahinter jeweils Federvieh und vorne, was für ein Anblick: der dickste Baum der Gegend.

In der gesamten Dahmeland-Fläming-Region gibt es keinen Baum, der einen größeren Stammumfang als die 7,60 Meter der Stülper Stieleiche aufweist – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass sämtliche Bäume diesen Ausmaßes bei den Naturschutzbehörden erfasst sind. Der Baum ist schon alleine deshalb eine Attraktion. Regelmäßig öffnen Besucher die kleine Pforte, umschlendern die Eiche, betrachten ehrfürchtig ihre mächtigen Äste oder verfolgen mit den Fingern die Spuren der Heldbocklarven, die ihre Gänge in ihre Rinde gefressen haben. „Dieser Baum tut den Menschen gut, er lässt sie staunen“, sagt Rainer Zimmermann von der Unteren Naturschutzbehörde Teltow-Fläming.

Alter wird konservativ auf 500 Jahre geschätzt

Der Durchgang zur Eiche wurde erst vor einigen Jahren dem Hühnerhof abgetrotzt. In der Naturschutzbehörde wollte man erreichen, dass die Eiche, die Ende der Neunzigerjahre mit dem gesamten Grundstück an eine Familie verkauft worden war, weiter öffentlich zugänglich bleibt. Die Familie spielte mit. Man legte den Pfad an, der den Ausmaßen des Baumes zwar nicht gerecht wird, aber dadurch wirkt die Eiche nun noch größer, noch stattlicher.

Viel mehr als ihr Umfang und ihre Höhe von rund 25 Metern lässt sich über diese Urgewalt von einem Baum allerdings nicht gesichert sagen. Das Alter wird konservativ auf etwa 500 Jahre geschätzt. Die Eiche könnte durchaus älter sein, aber herausfinden lässt sich das nicht mehr, sagt Rainer Zimmermann. Denn im Inneren ist der Stamm – obwohl generell noch vital und robust – schon etwas angegangen, so dass es nicht mehr möglich ist, einen Bohrkern zu ziehen und die Jahresringe abzuzählen.

Auch in ortsgeschichtlichen Werken findet die Eiche keine weitere Erwähnung, so dass unklar bleibt, ob sie im Dorf eine Funktion hatte. „Üblicherweise war das bei solchen Bäumen so“, sagt Zimmermann. Schon bei den Germanen galten Eichen als Kultbäume, später wurden unter stattlichen Exemplaren Gericht gehalten oder Feste gefeiert. Oder sie dienten als Wegmarkierungen. „In der Gegend stehen noch weitere Eichen. Es lässt sich durchaus vermuten, dass dort ein Weg oder eine Straße entlangführte“, sagt Rainer Zimmermann. Auch Kirche und Schloss liegen nebenan, deshalb sei genauso denkbar, dass der Baum einst eine zentrale Funktion im Ort hatte, die sein langes Überleben sicherte. Wege-, Gerichts- oder Versammlungsbäume waren schon vor hunderten Jahren mit einem Fällverbot belegt.

Regelmäßig kontrolliert ein Gutachter den Baum

In jedem Fall hat die Stülper Eiche bisher alle Katastrophen und Kriege, die über Stülpe hinweggingen, überstanden. Ihre Krone grünt immer noch bis in den Wipfeln, auch wenn sie inzwischen mit einem Seilsystem gesichert ist und unter besonderer Beobachtung steht. Zweimal im Jahr, wenn es gestürmt hat auch häufiger, kommt ein Gutachter vorbei, der den Zustand kontrolliert, Totholz meldet und in der Vergangenheit auch schon den einen oder anderen gesunden Ast zur Kappung empfohlen hat, um die Krone zu entlasten. „Trotzdem ist vor zwei Jahren ein großer Ast heruntergekracht. Er hat einen Stall beschädigt“, sagt Rainer Zimmermann. Für Menschen und Hühner ging der Zwischenfall glimpflich aus.

Von Oliver Fischer

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