Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Der eine friert, der andere schwitzt

Dahmeland-Fläming Der eine friert, der andere schwitzt

Straßenbauer Mario Kummel und Lagerleiter Jörg Kotte haben extreme Jobs. Was sie unterscheidet ist die Temperatur am Arbeitsplatz. Der eine hat den heißesten, der andere den kältesten Job in Dahmeland-Fläming. Die MAZ hat die beiden besucht.

Voriger Artikel
Bauarbeiten in der Schützenstraße
Nächster Artikel
Der Gutspark hat jetzt ein „Bellevue“

Gegen die Hitze hilft nur Schatten und viel Wasser: Mario Kummel trotzt als Straßenbauer den hohen Temperaturen.

Quelle: Danilo Hafer

Dahmeland-Fläming. Wenn die Temperaturen, so wie in diesen Tagen, die 30-Grad-Marke wieder deutlich übersteigen, freut sich Mario Kummel über jedes schattige Plätzchen, dass er auf seiner Baustelle finden kann. Seit 25 Jahren arbeitet der Luckenwalder schon im Straßenbau. Gerade im Sommer ist das alles andere als ein leichter Job. „Die Arbeit ist an sich schon anstrengend und dann kommt noch die Hitze dazu“, sagt Mario Kummel.

Wald spendet ein wenig Schatten

Derzeit baut er zusammen mit seinen Kollegen der Firma Kober-Tiefbau zwei Bushaltestellen am Ortsausgang von Hennickendorf (Nuthe-Urstromtal). Mit einem Minibagger bereitet er den Boden für die weiteren Arbeiten vor. „Verglichen mit anderen Baustellen ist diese eigentlich noch ganz angenehm. Hier haben wir das Glück, dass die Baustelle im Wald ist, dann können wir zwischendurch auch mal im Schatten eine Pause machen“, sagt der 42-Jährige. Dennoch staut sich auch hier die Hitze.

Kein Schutz vor der Sonnen auf Autobahnen

„Viel schlimmer aber ist die Arbeit auf Autobahnen oder Landstraßen auf freier Fläche. Dort hat man keine Möglichkeit, sich in den Schatten zu stellen und die Sonne knallt einem direkt auf den Kopf“, sagt Mario Kummel. Einige Kollegen hätten sich so auch schon mal einen Sonnenstich geholt. Die härteste Arbeit sei im Sommer aber das Aufbringen von Asphalt.

Jörg Kotte arbeitet bei minus 20 Grad Celsius in einem Kühllager

Jörg Kotte arbeitet bei minus 20 Grad Celsius in einem Kühllager.

Quelle: DH

„Wenn man direkt auf dem Asphalt steht, sind es gut 60 Grad Celsius, das wird irgendwann fast unerträglich“, sagt Mario Kummel aus eigener Erfahrung. Auch der kräftig gebaute Vorarbeiter kam da schon das ein oder andere Mal an seine Grenzen. „Irgendwann sagt der Körper halt und man muss einfach eine Pause machen“, so Kummel. Das einzige was dann wirklich hilft, ist trinken, viel trinken. Wir fahren schon immer mit einem guten Vorrat an Wasser zur Baustelle, holen uns wenn möglich zwischendurch aber auch noch was“, sagt er.

Im Tiefkühllager herrschen minus 20 Grad Celsius

Während sich Straßenbauer Mario Kummel mit der Hitze rumplagt, herrschen am Arbeitsplatz von Jörg Kotte im Tiefkühllager der Firma Frigo-Log in Niederlehme ganz andere Temperaturen. Unzählige Tiefkühlprodukte von Aufbackbrötchen bis Pizza werden hier auf einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern gelagert. Im Drei-Schicht-System laden die Mitarbeiter Lkw’s ab, räumen die angelieferte Ware ins Lager und beladen schließlich wieder Lkw’s, die die Ware weitertransportieren. Acht Stunden am Tag. Und das bei einer Temperatur von minus 20 Grad Celsius.

Auf die richtige Kleidung kommt es an

Lagerleiter Jörg Kotte macht diesen Job inzwischen schon seit knapp 20 Jahren. An die Kälte hat er sich inzwischen gewöhnt. „Ich bin aber auch ein Typ, der grundsätzlich nicht so schnell friert“, sagt der 54-Jährige. Mittlerweile hält er es sogar mehrere Minuten mit offener Thermojacke in dem Tiefkühllager aus. Doch wenn es an die Arbeit geht, das Be- und Endladen, sowie das Kommissionieren von Ware im Kühlhaus, zieht sich auch Jörg Kotte etwas wärmer an. Neben Thermojacke, Hose und Handschuhen setzt er dabei auch auf Pullover mit Kapuze. Die sei bei dem ständigen Wechsel zwischen Kühlhaus und Verladerampe schlichtweg einfacher zu handhaben. „Das ist wie bei einem Kind, man sucht ständig die Mütze“, sagt Jörg Kotte.

Ständige Temperaturwechsel belasten den Körper

Das anstrengende an seinem Beruf sei gar nicht die eisige Temperatur im Kühlhaus, sondern der ständige Temperaturwechsel, betont Kotte. Vor allem im Sommer. „Wenn man jetzt in der Pause mal kurz vor die Tür geht, sind das ja schnell Temperaturunterschiede von über 50 Grad Celsius“, erklärt der Tiefkühllagerchef. Das sei vor allem eine Belastung für den Kreislauf.

„Man hat das Gefühl, dass der Daumen einfriert“

Besonders in der Nachtschicht von 22 bis 6 Uhr merkt auch Jörg Kotte die Anstrengung, weil der Körper zu dieser Uhrzeit eh schon stärker belastet wird. „Ab 4 Uhr fange ich dann schon mal an zu schwächeln“, sagt Kotte. Dann hat er aber immer noch zwei Stunden Arbeit vor sich. Doch auch dem äußerlich abgehärteten Lagerleiter wird irgendwann mal kalt. „Wenn man sehr lange am Stück im Kühlhaus ist oder die ganze Zeit mit dem Kabelstapler unterwegs ist, werden irgendwann die Finger klamm und man hat das Gefühl, dass der Daumen einfriert“, so Kotte. Dann ist es höchste Zeit für eine Pause.

Gegen die Kälte hilft Bewegung

Doch heißer Tee oder Kaffee ist dabei nicht die erste Wahl im Kampf gegen die Kälte. „Was oben reinkommt, will auch irgendwann wieder raus und dann muss man schon nach 20 Minuten wieder aus dem Kühlhaus raus, weil man auf die Toilette muss“, erklärt er. Nach all den Jahren hat sich Jörg Kotte seine eigene Aufwärmstrategie zurechtgelegt. „Ich gehe am liebsten die Rampe fegen, dabei wird mir immer warm“, sagt er. Auch im Kühlhaus sei Bewegung das Wichtigste. „Wenn man aber die ganze Zeit auf dem Stapler sitzt, ist das mit der Bewegung natürlich schwierig“, gibt er zu. Einen ganz speziellen Nachteil haben die hohen Außentemperaturen dieser Tage auch noch: „Nach der Nachtschicht kann ich kaum schlafen, weil es so warm ist“, sagt Jörg Kotte.

Von Danilo Hafer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Würden Sie Wasserfähren im alltäglichen Nahverkehr als Alternative zu Bus und Bahn annehmen?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg