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Der einzige Braumeister in Teltow-Fläming

500 Jahre Reinheitsgebot Der einzige Braumeister in Teltow-Fläming

Alexander Knobelsdorf hält die lokale Brautradition hoch. Der junge Jüterboger ist der einzige Braumeister im Landkreis Teltow-Fläming. Jetzt ist er auf der Suche nach einem geeigneten Auszubildenden und braut anlässlich des großen Jubiläums des Deutschen Reinheitsgebots ein ganz besonderes Bier.

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Alexander Knobelsdorf ist Bierbrauer in Jüterbog.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Brautag ist bei Alexander Knobelsdorf immer dienstags. In einer ehemaligen Fleischerei in Jüterbogs Zinnaer Vorstadt hat der 27-jährige Diplom-Braumeister seine Tanks, Fässer und die Kühltruhen mit frischem Hopfen eingerichtet. Einmal pro Woche setzt er einen neuen Sud an. Acht verschiedene Sorten vom klassischen Hellen bis zum Honigbier anlässlich seiner Hochzeit hat er allein in diesem Jahr ausprobiert. Zum Jubiläum „500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot“ am Sonnabend riskiert er in dieser Woche etwas Ungewöhnliches: ein Pils.

„Wir wollen ein schlankes Bier.“

„Es soll ein goldgelbes, sattes Bier werden“, sagt Knobelsdorf und rührt mit einem beinahe armlangen Schneebesen das Malzschrot in 150 Liter vorgewärmtes Wasser. „Wir wollen ein schlankes Bier“, sagt er, während er eine Mixtur besonders heller Malzsorten in den Bottich schüttet. Rund 40 Kilogramm in drei großen Eimern hat er vorbereitet. Eine große Brauerei würde ihr Pils mit sogenanntem Röstmalzbier einfach golden einfärben, doch bei Knobelsdorf ist alles Handarbeit.

Alexander „Knobi“ Knobelsdorf beim Einmaischen des Suds mit eigener Malzmischung

Alexander „Knobi“ Knobelsdorf beim Einmaischen des Suds mit eigener Malzmischung.

Quelle: Peter Degener

Es ist das erste Pils, das Alexander Knobelsdorf seit seiner Ausbildung zum Brauer angesetzt hat. „Ich wurde wegen des großen Jubiläums angesprochen und möchte zeigen, dass ich auch das meistgebraute Bier Deutschlands herstellen kann. Jeder wird es als Pils erkennen, aber ich hoffe, es ist so einzigartig, dass man nicht als erstes irgendwelche Vergleiche anstellt“, sagt Knobelsdorf. Es soll nicht „glanzfein“ werden wie die Biere aus der Fernsehwerbung, sondern einen „leicht opalisierenden Schimmer“ haben.

Der historische Bierstreit

Ein legendärer Rechtsstreit zwischen den Brauern der Handelsstadt Jüterbog und Luckenwalde spielte sich ab 1429 ab.

Hintergrund war, dass der Abt von Kloster Zinna nicht nur in seinem Kloster, sondern auch in Jüterbog ein Braurecht hatte, weil sich dort der Abtshof befand. Dieses doppelte Braurecht war den Jüterboger Braumeistern ein Dorn im Auge – sie fürchteten, dass übermäßig viel Bier aus dem Kloster auf dem Jüterboger Markt verkauft wurde.

In einem Vertrag von 1430 wurde deshalb die Verkaufsmenge eingeschränkt. Das zum Kloster gehörende Dorf Luckenwalde war von der Beschränkung allerdings ausgenommen. Darin sahen die Jüterboger Brauer ihr Geschäft gefährdet und ihren Stolz verletzt. Die Luckenwalder feierten das Privileg als Symbol ihrer wachsenden Bedeutung. Erst 1607 solidarisierten sich die Brauer beider Orte.

Ohne Alexander Knobelsdorf wäre die Brautradition der Region bereits verloren. Kurz nach der Insolvenz der Peniger Spezialitätenbrauerei in Luckenwalde meldete der junge Jüterboger 2013 sein Brauereigewerbe an. Er ist seitdem der einzige aktive Brauer im gesamten Landkreis Teltow-Fläming. Unter dem Namen „Knobinger“ versorgt er vor allem eine Hand voll gastronomischer Betriebe mit seinem Bier.

Angefangen hat Knobelsdorf mit einem Bierbrau-Set, das sein Vater einst geschenkt bekam, aber nie ausprobierte. Nicht so der jugendliche „Knobi“. „Die Hefe war noch aktiv und ich habe mir immer mehr von den Sets bestellt, bestimmt 25 Stück, alles verschiedene Sorten. Das waren vor allem obergärige Biere, die auch in meinem Zimmer unter dem Dach reifen konnten“, erzählt Knobelsdorf. Er notierte akribisch Rezeptur und Ergebnis.

Zum „Herrentag“ Anfang Mai hat Knobelsdorf ein weiteres Bier gebraut

Zum „Herrentag“ Anfang Mai hat Knobelsdorf ein weiteres Bier gebraut. Es sieht aus wie ein Pils, aber „überrascht“ am Gaumen

Quelle: Peter Degener

Eigentlich wollte Alexander Knobelsdorf Biologie studieren, doch stattdessen bewarb er sich bei Brauerein in ganz Deutschland. Aus Bayern erhielt er Absagen – vielleicht war sein Wohnort den traditionsbewussten Betrieben zu weit nördlich. So ging er nach Sachsen und machte ab 2008 eine Ausbildung im Leipziger Brauhaus zu Reudnitz. Anschließend studierte er an der Technischen Universität in Berlin Brauwesen- und Getränketechnologie.

Noch während des Studiums entschloss er sich zur Selbstständigkeit. Im Dachgeschoss seines Elternhauses braute er mit Genehmigung der Lebensmittelaufsicht in großen Glühweinkochern sein erstes gewerbliches Bier. „Es war ein Test, ob ein lokales Bier überhaupt angenommen wird“, sagt er.

Brauer sucht Azubi

Mit dem Ergebnis kann Knobelsdorf zufrieden sein. Mittlerweile schaut er sich sogar nach einem Auszubildenden um. „Ich suche jemanden mit der Blutgruppe B. Das steht nicht für Bier, sondern für das Brauen. Man muss sich für Biologie und Chemie interessieren und auch etwas Kopfrechnen können“, sagt der Braumeister. Ob das Pils-Experiment geglückt ist, wird er Ende Mai erfahren. So lange reift der trübe Jubiläums-Sud und wird dabei immer klarer, bis nur ein opalisierender Schimmer bleibt.

Von Peter Degener

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