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„Deutsch ist sehr schwer“

Sprachkurs für Flüchtlinge in Blankenfelde „Deutsch ist sehr schwer“

Erfahrung mit fremden Sprachen und anderen Kulturen hat man an der Blankenfelder Ingeborg-Feustel-Grundschule schon lange. Seit ein paar Wochen lernen auch Kinder aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien dort. Nicht alle Eltern waren darüber begeistert, doch Schulleiter Rainer Osthoff wirbt für Weltoffenheit und Toleranz.

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Rainer Osthoff, der Leiter der Ingeborg-Feustel-Grundschule.

Blankenfelde. Als Rainer Osthoff 1989 Schulleiter in Blankenfelde wurde, war die Welt noch einfach. Es gab Brudervölker und Klassenfeinde. Flüchtlinge waren Menschen, die Deutsch sprachen und in einem anderen Deutschland leben wollen. Mehr als ein Vierteljahrhundert später ist die Welt komplizierter. Gut und Böse sind nicht mehr so leicht zu unterscheiden. Menschen flüchten zu Tausenden nach Deutschland.

Rainer Osthoff sitzt in seinem Büro in der Ingeborg-Feustel-Grundschule. „Schon ärgerlich, was da so im Internet geschrieben wird“, sagt der 63-Jährige. Dass seine Schule einen Raum zur Verfügung stellt, damit Flüchtlinge aus der Notunterkunft an der Käthe-Kollwitz-Straße Deutsch lernen, war einigen bei Facebook ein Dorn im Auge. Sie echauffierten sich darüber, dass die Neuankömmlinge von den Kindern mit einem Lied begrüßt wurden und fürchteten, dass die Flüchtlinge auf ihre Kinder losgehen. „Von solchen Gerüchten lassen wir uns nicht runterziehen. Wir erziehen die Kinder zu Toleranz und Weltoffenheit und das werden wir nicht wegen ein paar Leuten ändern“, sagt Rainer Osthoff. Die Realität sei viel unkomplizierter, als es im Internet oft dargestellt wird. 17 Kinder aus Flüchtlingsfamilien habe man seit November in die regulären Klassen integriert. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien und bekommen täglich bis zu drei Stunden Deutsch zusätzlich. „Das klappt sehr gut“, sagt Rainer Osthoff. Für die meisten Eltern seien „die Neuen“ auch kein Problem. Seine Schule habe sei Jahren Erfahrung mit der Integration polnischer oder spanischer Kinder. Es gibt eine Partnerschaft mit Schulen in Ungarn und Schweden.

Sekretärin Katrin Hahn sagt, sie habe nur positive Erfahrungen gemacht. Die Flüchtlinge seien sehr am Erfolg ihrer Kinder in der Schule interessiert. „Wenn die Kinder krank sind, sagen sie persönlich Bescheid“, sagt Katrin Hahn. Auch der Umgang mit den überwiegend weiblichen Lehrern sei höflich und sehr respektvoll.

Wenn die Schule aus ist, kommen die Großen, die Schützlinge von Iris Friederici. Die Psychologin aus Königs Wusterhausen unterrichtet seit Mitte Dezember jeden Nachmittag drei Stunden lang überwiegend junge Männer. Die Ausgangsbedingungen waren denkbar schwierig. Sie konnte kein Wort arabisch, ihre Schüler kein Deutsch. „Es funktioniert mit ein paar Brocken Englisch, mit Händen und Füßen und mit Bildern“, erklärt Iris Friederici ihr pädagogisches Konzept. Und das scheint erfolgreich zu sein. Mittlerweile könnten alle das deutsch Alphabet. Das Verstehen klappe auch schon ganz gut, nur das selber Sprechen trauten sich viele noch nicht. Da sie in der Unterkunft untereinander meist ihre Muttersprache sprechen, fehle es an Übung.„Ein paar Wörter Arabisch habe ich auch schon gelernt“, sagt sie.

„Deutsch lernen ist sehr schwer“, so Ahmad, ein junger Syrer. Einen Satz, den können er und seine Freunde in- und auswendig. „Wie geht es dir?“ Die Antwort kommt auch prompt: „Guuut!“

Von Christian Zielke

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