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Dicke Luft im Heinrichstift

Luckenwalde Dicke Luft im Heinrichstift

In der Öffentlichkeit punktet Privateigentümer Werner Weng mit seinem viel gepriesenen Wohnkonzept „50 life“ für das Heinrichstift, in dem inzwischen 30 Mietparteien wohnen. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Nicht alle Mieter sind so zufrieden.

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Die Ostansicht des Luckenwalder Heinrichstiftes.

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. „50 life“ heißt das Wohnkonzept im Luckenwalder Heinrichstift, mit dem Privateigentümer Werner Weng bereits 30 Mietparteien in das denkmalgeschützte Gebäude geholt hat. Angestrebt und angepriesen wird ein selbstbestimmtes, barrierefreies und generationsübergreifendes Leben in der Gemeinschaft. Doch hinter den Kulissen brodelt es offenbar gewaltig.

Einige Mieter fühlen sich bevormundet und von „50 life“ enttäuscht. „Es ist nicht alles so goldig, wie es nach außen aussieht. Wir hatten uns das Wohnen hier anders vorgestellt“, sagt Mieter Thomas Kaubisch. Ähnlich äußern sich seine Frau Angelika, seine Schwester Sabine Kaubisch, Ina Buntrock und weitere Mieter, die aus Angst vor juristischen Konsequenzen ihre Namen nicht öffentlich nennen wollen.

Sie beklagen zum einen die „ewige Baustelle“. „Die Sanierung sollte 2016 fertig sein“, sagt Thomas Kaubisch. Stattdessen müsse man bis jetzt Lärmbelästigungen, Staub und Schmutz in Kauf nehmen. Das Außengelände sei zeitweise verschandelt und die Baustelle nicht genügend gesichert gewesen.

Mieter müssen Mitglied im Verein „50 life“ sein

Wer im Heinrichstift eine Wohnung mieten will, muss zwingend Mitglied im Verein „50 life“ sein und seinen Mitgliedsbeitrag entrichten. „Aber es wird auch gefordert, dass wir Mieter uns aktiv an den öffentlichkeitswirksamen Events beteiligen“, sagt Kaubisch. So wurden Feste, sportliche Betätigungen, Ausflüge, Osterfeuer, Vorträge und Wanderungen organisiert. „Wer nicht mitmacht, wird schief angesehen und ermahnt. Die damalige Vereinschefin wurde von Herrn Weng kritisiert, weil nicht genug Veranstaltungen im Plan standen“, sagt Kaubisch.

Im Vorjahr sei der gesamte Vorstand des Vereins frustriert zurückgetreten. Den gemeinschaftlichen Lindensaal dürfe man nur nutzen, wenn alle Vereinsmitglieder eingeladen seien. „Der Gedanke des gemeinschaftlichen Miteinanders kehrt sich ins Gegenteil um, es herrscht ein süffisanter Druck“, moniert Kaubisch. Nach einem Jahr erwägen die ersten Mieter bereits, wieder auszuziehen.

Weng: „Die meisten Mieter sind zufrieden“

Werner Weng weist die Vorwürfe zurück und sieht in den Kritikern eine „Minderheits-Opposition, die versucht, die Mieter zu polarisieren“. Er vermutet: „Einige haben mich als Vermieter zum Feind auserkoren und instrumentalisieren den Verein gegen mich, das geht nicht.“ Die meisten Mieter seien mit dem Wohnkonzept sehr zufrieden.

Das bestätigt Maria Gerstengarbe, die mit ihrem Mann zwar erst im Oktober einzieht, aber schon zwei Jahre im Verein mitwirkt. „Alles ist freiwillig, aber unser Bestreben ist schon das gemeinschaftliche Miteinander. Man kann nicht nur fordern, sondern muss auch geben“, sagt sie. „25 Prozent der Fläche sind Begegnungsfläche, fünf Prozent Gemeinschaftsfläche“, sagt Weng, „das geht nicht ohne Spielregeln.“ Maria Gerstengarbe hofft, dass durch eine bessere Kommunikation die Wogen geglättet werden. „Da muss man auch mal Blessuren einstecken, aber das Leben im Verein und in der Gemeinschaft ist mir immer noch lieber.“ Sollte allerdings jemand aus dem Verein austreten wollen, muss er eine höhere Miete zahlen.

Von Elinor Wenke

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