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Die Angst vor Anschlägen

Sorge um Flüchtlingsheime wächst Die Angst vor Anschlägen

In Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming wächst nach dem mutmaßlichen Brandanschlag von Nauen die Sorge um die Sicherheit der Flüchtlingsunterkünfte in der Region. Polizei und Kreisverwaltungen versichern, dass es Sicherheitskonzepte für die Einrichtungen gibt.

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Das Asylbewerberheim in Waßmannsdorf.

Quelle: Gerlinde Irmnscher

Königs Wusterhausen. Die Situation rund um Flüchtlingsunterkünfte in Brandenburg wird offenbar immer bedrohlicher. Nachdem in der Nacht zu Dienstag eine geplante Unterkunft im havelländischen Nauen mutmaßlich von Brandstiftern angesteckt wurde, wächst auch in der Region Dahmeland-Fläming die Sorge vor weiterer Gewalt gegen Asylsuchende. Die Behörden sind alarmiert. „Wir haben das Thema im Fokus“, sagt etwa Ilona Filohn, Sprecherin der Polizeidirektion Süd. Mit konkreten Auskünften zu Sicherheitskonzepten halten sich allerdings alle Beteiligten zurück – auch, um es möglichen Angreifern nicht unnötig leicht zu machen.

Seitens der Kreisverwaltung Teltow-Fläming etwa heißt es auf MAZ-Anfrage nur knapp: „Für jede Einrichtung gibt es ein individuelles Konzept. Zudem steht man mit der Polizei im engen Austausch.“ Man wolle möglichen Nachahmern aber keine Hinweise liefern, wie die Bewachung der Heime im Kreis organisiert wird.

Das will auch Carsten Saß (CDU) nicht, Sozialdezernent im Landkreis Dahme-Spreewald, der die Situation unerträglich findet. „Dass Deutsche ihre eigene Infrastruktur lieber vernichten als dort Leute unterzubringen, die Schutz suchen, macht mich wütend. Das ist ekelhaft“, sagt er. In jedem Fall werde der Landkreis bei der Planung von neuen Unterkünften die Frage der Sicherheit noch stärker thematisieren und mit den Eigentümern abstimmen. Überdies seien auch klare politische Signale von allen Parteien nötig. „Aber wenn sich jemand in den Kopf setzt, dass er brandschatzend durch die Gegend ziehen will, weiß ich trotzdem nicht, ob wir ihn aufhalten können.“

Mit dem Anschlag in Nauen hat es im laufenden Jahr schon 14 Angriffe auf Flüchtlingsheime oder geplante Unterkünfte in Brandenburg gegeben, so viele wie im gesamten Jahr 2014. Drei der Anschläge wurden laut dieser Statistik in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald verübt. „Das Bedrohungssignal solcher Anschläge kommt bei den Flüchtlingen natürlich an“, erklärt Ingmar Pech von der Hilfsinitiative Opferperspektive.

In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat der Verein schon 88 rechte Gewalttaten registriert, fast so viele wie im gesamten Jahr 2014. „Die Lage ist gerade sehr gefährlich, denn die Bereitschaft zur Gewalt hat deutlich zugenommen“, sagt Ingmar Pech. „Und sie ist inzwischen flächendeckend und hat keine regionalen Schwerpunkte mehr.“ Die Gewalt gehe nicht nur von organisierten Rechtsextremen aus, sondern zunehmend von Gelegenheitstätern. „Wir registrieren, dass die rassistische Stimmung im Land deutlich zugenommen hat. Dadurch fühlen sich Gewalttäter bestärkt, die Hemmschwelle sinkt.“

Sorgen macht sich auch Frank Broshog (parteilos), der Bürgermeister von Am Mellensee. In seiner Gemeinde ist gerade ein Wohngebäude bezugsfertig geworden, in das bald 50 bis 60 Flüchtlinge einziehen sollen. „Wenn man solche Bilder wie jetzt in Nauen sieht, muss man sich schon Sorgen machen, ob das nicht wieder jemand versuchen wird“, sagt er. Hoffnungsfroh stimmt den Bürgermeister eine Informationsveranstaltung für die Anwohner in der vergangenen Woche: „Da kamen sehr viele positive Reaktionen und Hilfsangebote, zum Beispiel für Patenschaften und Deutschunterricht. Das ist schon wohltuend.“

Zivilgesellschaftliches Engagement und Widerstand gegen rechte Gewalt machen auch Ingmar Pech Hoffnung: „Selbst in kleinen Gemeinden finden sich inzwischen Menschen zusammen, um den Rechten nicht das Feld zu überlassen. Das ist ein großer Unterschied zu den 90er Jahren.“

Zuletzt brannte vor etwa zwei Wochen ein Gebäude auf dem Gelände einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Uckley (Königs Wusterhausen). Laut Polizei deutet aber inzwischen vieles darauf hin, dass es sich dabei nicht um einen extremistischen Anschlag gehandelt hat. „Wir sind noch nicht am Ende der Ermittlungen und wollen uns nicht festlegen, aber es sieht so aus, als ob sich in der alten Kegelbahn nachts Leute zum Trinken aufgehalten und das Gebäude fahrlässig in Brand gesetzt haben“, so Sprecherin Ilona Filohn.

Von Oliver Fischer, Hartmut F. Reck und Martin Küper

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