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Die Annemarie-Polka bricht das Eis

Hohenseefeld Die Annemarie-Polka bricht das Eis

Bei der Verleihung des europäischen Dorferneuerungspreises in Ungarn hat die Delegation aus Hohenseefeld großen Eindruck gemacht. Sie repräsentierte den kleinsten Ort im Wettbewerb, sorgte mit der Annemarie-Polka aber für die beste Stimmung. Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski ist aus gutem Grund froh, nicht gewonnen zu haben.

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Niederer Flämings Bürgermeister David Kaluza und Hohenseefelds Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski mit der Plakette.

Quelle: Uwe Klemens

Hohenseefeld. In der Sommerhitze mit dem nicht klimatisierten Auto zum Plattensee nach Ungarn – was nach ostdeutscher Sommernostalgie klingt, brachte eine elfköpfige Delegation aus Hohenseefeld hochoffiziell in den vergangenen Tagen hinter sich. Der europäische Dorferneuerungspreis für das Flämingdorf wurde beim Vorjahressieger Tihany am Balaton vergeben. Ortsvorsteherin Sandra Klimaschewski, Berndt Schütze vom Kreislandwirtschaftsamt und eine ganze Reihe stolzer Hohenseefelder machten sich kostensparend mit einem Mannschaftswagen der Freiwilligen Feuerwehr auf die elfstündige Reise.

Bei einer Messe präsentierte Hohenseefeld Spezialitäten aus dem Fläming und ganz Brandenburg

Bei einer Messe präsentierte Hohenseefeld Spezialitäten aus dem Fläming und ganz Brandenburg.

Quelle: privat

Auf der weit in den See hineinragenden Halbinsel Tihany mit seiner barocken Klosterkirche trafen die Hohenseefelder mit 1200 Menschen zusammen, die zu weiteren Delegationen aus 24 Dörfern aus elf Ländern gehörten. „Wir mit unseren 400 Einwohner waren das kleinste Dorf, das einen Preis bekommen hat“, berichtet Ortsvorsteherin Klimaschewski, „die Menschen, mit denen wir dort gesprochen haben, waren vor allem überrascht, dass wir uns die Teilnahme überhaupt getraut haben.“

Mit „Annemarie“ zum Mitmachen animiert

Beim großen Festakt standen ganze Tanzgruppen und Chöre aus manchen Orten auf der Bühne, die teils mit mehreren Reisebussen angereist waren. Die Hohenseefelder dagegen machten aus der Personalnot eine Tugend. „Wir tanzten die Annemarie-Polka, die ja typisch für den Fläming ist, und haben die Leute zum Mitmachen animiert“, sagt Klimaschewski. „Die Schritte sind ja simpel – nachdem wir das erklärt hatten, war es vor der Bühne voll und das Eis zwischen den Teilnehmern war gebrochen“, erzählt Berndt Schütze, der schon mehrfach bei solchen Festakten des Dorferneuerungspreises dabei war. So eine gute Stimmung kannte er bislang nicht.

Die Hohenseefelder Delegation in Ungarn

Die Hohenseefelder Delegation in Ungarn.

Quelle: privat

Aus den Händen von Erwin Pröll, der Regierungschef von Niederösterreich und zugleich der Vorsitzende der Europäischen Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung und Dorferneuerung ist, bekamen die Hohenseefelder den Preis in Form einer bunten Plakette. „Für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorferneuerung“ heißt es darauf. In einer kurzen Laudatio lobte die Jury vor allem die „starke Dorfgemeinschaft, in der zwischenmenschliche Kommunikation und ehrenamtliche Tätigkeiten groß geschrieben werden“ sowie Maßnahmen zur Sicherung der Nahversorgung, touristische Aktivitäten, um sich als Naherholungsraum zu profilieren und das Bewusstsein für Natur-, Energie- und Umweltthemen.

Austausch mit anderen Preisträgern

Der Austausch mit den anderen Preisträgern wurde durch eine kleine Messe erleichtert, auf der sich die einzelnen Orte präsentierten. Dort zeigte sich Hohenseefeld in alten und neuen Ansichten und bewarb regionale Produkte aus dem Fläming und dem ganzen Land Brandenburg. Bis in den späten Abend ging es international um gemeinsame Probleme wie die Abwanderung der Jugend, aber auch um Gesang und die Verkostung der mitgebrachten Spezialitäten.

Hintergrund zum Wettbewerb

Wettbewerbe für den ländlichen Raum gibt es auf vielen Ebenen. Die Bundesregierung ruft seit 1961 Orte unter 3000 Einwohnern zur Teilnahme auf.

Ursprünglich wurde mit dem Titel „Unser Dorf soll schöner werden“ geworben, seit 1998 mit dem Slogan „Unser Dorf hat Zukunft“. Daran dürfen auch die zwei bestplatzierten Orte aus dem Land Brandenburg teilnehmen.

Der Landkreis Teltow-Fläming veranstaltet in der ersten Stufe eine eigene Konkurrenz, deren Sieger zum Landeswettbewerb geschickt wird. Im Frühjahr 2017 wird erneut dazu aufgerufen.

Das Dorf Hohenseefeld wurde in Brandenburg zwar nur Dritter, wurde aber vom Land als einziger Ort zum Europäischen Dorferneuerungspreis vorgeschlagen, den es seit 1990 gibt.

Nach der Reise ist Sandra Klimaschewski glücklich, dass Hohenseefeld nicht den ersten Platz gemacht hat, der nach Fließ in Tirol gegangen ist. „Wir haben festgestellt, das wir mit den Großen durchaus in einem kleinen Rahmen mithalten können“, sagt sie. Für eine derartige Veranstaltung wäre die Hohenseefelder Turnhalle aber vielleicht doch zu klein.

Von Peter Degener

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