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Teltow-Fläming Die Bombennacht vom 23. August 1943
Lokales Teltow-Fläming Die Bombennacht vom 23. August 1943
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16:43 22.08.2013
Nach dem Bombeneinschlag: Zerstörte Gebäude der Bauernwirtschaft von Friedrich Henners in Horstfelde am 24. August 1943.Foto: Archiv Voeckler Quelle: Archiv Voeckler
Nächst Neuendorf

Unterstützt durch die USA und Kanada, flogen britische Bomberverbände zu Anfang des Krieges sporadische, ab dem Sommer 1942 anhaltend schwere Luftangriffe gegen deutsche Industrieanlagen und Wohngebiete. Schon ab Juni 1940 gab es vereinzelt Bombardements der Reichshauptstadt Berlin, an deren Weichbild der Raum Zossen grenzte. Während die britischen Verbände der Royal Air Force (RAF) wegen der anfangs recht erfolgreichen Abwehr der Deutschen zumeist nächtliche Angriffe flogen, unternahm die seit Sommer 1943 in Großbritannien stationierte 8. US-Luftflotte mit ihren B-17-Maschinen ausgedehnte Flächenbombardements vielfach bei Tage. Die Bombardements gegen Industrie- und Militärobjekte verfolgten das Ziel, die Schlagkraft der Wehrmacht zu schwächen. Bei den Angriffen auf die Wohngebiete ging es vor allem darum, die Zivilbevölkerung zu demoralisieren und dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in die vermeintliche Überlegenheit der Luftwaffe und den Glauben an den Endsieg zu erschüttern.

Auf Berlin wurden durch alliierte Bomberverbände von 1940 bis zum Ende des Krieges insgesamt 310 Luftangriffe geflogen. Einer der schwersten Angriffe traf Berlin-Lankwitz in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943, in die Geschichte als Lankwitzer Bombennacht eingegangen. Einem Bericht der Royal Air Force ist zu entnehmen, dass der Verband um 20.20 Uhr mit 727 Flugzeugen, darunter 335 Avro Lancaster-Bomber, in Wyton, Cambridgeshire, startete. Der Führungsbomberpilot war J. E. Fauquier. Als der Pulk den Raum Hannover erreicht hatte, wurde von deutscher Seite das Ziel Berlin vermutet. In der Stadt sowie in der Umgebung warnten alsbald die durch Mark und Bein dringenden Sirenen vor den bevorstehenden Angriffen. Unverzüglich hatte sich die Bevölkerung des in Betracht kommenden Bereiches in die eigens dafür hergerichteten Luftschutzräume zu begeben. Wer eine "Goebbelsschnauze" besaß, wie der Bakelit-Volksempfänger genannt wurde, erfuhr freilich schon früher über die Meldungen des "Großdeutschen Rundfunks", dass alliierte Bombergeschwader in den deutschen Luftraum eingedrungen waren.

Die zum Verband gehörenden vorausfliegenden Pfadfinderflugzeuge konnten trotz ihres neuen Radarsystems H2S in dieser Nacht nicht, wie beabsichtigt, das Zentralgebiet Berlins identifizieren und markierten so versehentlich Gebiete der südlichen Reichshauptstadt mit den lange in der Luft schwebenden Leuchtmitteln. Da diese brennenden Christbäumen glichen, wurden die Zielmarkierungen im Volksmund als Christ- oder Weihnachtsbäume bezeichnet. Die Hauptflotte traf recht spät ein, wie es im britischen Bericht heißt. Ein heftiges Abwehrfeuer der Vierlingsflakbatterien in der Stadt und im Umland empfingen die Bomber. Zugleich griffen deutsche Nachtjäger die Schwadronen an.

Geplant war ein Anflug auf Berlin aus Süd-Süd-Ost, doch viele Flugzeuge kürzten ab und flogen von Süd-West an. Daraus resultierte, dass das Gros der abgeworfenen Sprengbomben, Luftminen und Brandbomben in Randgebiete und offenes Gelände fielen. 25 Dörfer berichteten von Bombenschäden und Menschenopfern in dieser Nacht. Die Briten schätzten die Verluste dieses Luftangriffs als hoch ein. 17 Lancaster-, 23 Halifax- und 16 Stirlings-Bomber kehrten nicht mehr zum Ausgangsflugplatz zurück.

Nach Berichten von Zeitzeugen war am 23.August 1943 etwa um 22 Uhr in Nächst Neuendorf wie in den umliegenden Orten Fliegeralarm ausgelöst worden. Die meisten Menschen, so auch meine Mutter mit ihren beiden kleinen Söhnen und die Großeltern, nahmen die bereitstehenden kleinen Koffer mit den wichtigsten Sachen und suchten die Luftschutzkeller in den Häusern oder die mit dicken Baumstämmen abgedeckten selbst gebauten Bunker in den Gärten auf. Bei Notkerzenlicht harrte man der bevorstehenden Ereignisse, die sich immer wieder mit dem Dröhnen der Bombermotoren ankündigten. Zogen die Bomber weiter, atmeten die angstvoll zusammengekauerten Schutzsuchenden mit der Entwarnung erst einmal erleichtert auf. Auch an diesem späten Abend hatten britische Pfadfinderflugzeuge an den nördlichen Himmel die schon seit langem bekannten Weihnachtsbäume gesetzt, aber alles blieb hier vorerst ruhig. Und da nichts Auffälliges geschah, schauten sich einige Mutige vorsichtig um.

Kurt Henschel, damals 17 Jahre alt, war aus der Dachluke seines Elternhauses in Dabendorf gestiegen und hatte auf der Schornsteinfeger-Laufbohle stehend ein sich von Nord-West über Glienick, Schünow, Horstfelde annäherndes brennendes einzelnes Flugzeug ausgemacht. Er weiß noch: "Nach mehreren heftigen Detonationen war das Flugzeug wohl bei Zossen abgestürzt. Erst am nächsten Tage suchte ich die bereits gesperrte Absturzstelle auf. Alle Flugzeuginsassen waren ums Leben gekommen. Der Zossener Superintendent Ahme hielt so gegen Mittag an der Absturzstelle in Nächst Neuendorf eine Totenandacht. Viele Neugierige standen an den Absperrleinen und beobachteten die beginnenden Bergungsarbeiten."

Elfriede Könneberg, geb. Heners, in Horstfelde erinnert sich, als sei es gestern geschehen: "Alle warteten auf die baldige Entwarnung, da setzte plötzlich ein furchtbar anschwellendes Getöse ein. Wir wussten nicht, wie uns geschah, als unmittelbar darauf ganz in der Nähe zwei Sprengbomben einschlugen. Unser ganzes Haus bebte. Der Putz rieselte, und wir waren nicht sicher, ob unser Haus noch stand. Als wir zu uns kamen und merkten, dass alle unverletzt geblieben waren, schauten wir vorsichtig nach, was geschehen war. Unsere Scheune stand nicht mehr. Es brannte. Auch der Stall war stark beschädigt. Vieh war umgekommen. In der Nachbarschaft gab es gleichfalls Schäden. Feuerwehr und viele Helfer eilten herbei."

Heinz Lehmann, Glienick, 1930 geboren, lebte zu dieser Zeit in Horstfelde. Er weiß zu berichten: "Es war schon spät, viele schliefen schon, als die Sirenen Fliegeralarm gaben. Plötzlich, es muss schon nach 11Uhr nachts gewesen sein, kam ein unheimliches Rauschen immer näher, Motorenbrummen wie ich es noch nie erlebt hatte. Zwei Explosionen ließen alles beben. Gleich danach schlug etwas weiter noch eine Bombe ein, und es folgte ein dumpfer Schlag. Dann war alles ruhig. Wir hörten, dass es im Dorf hauptsächlich die Gebäude des Bauern Friedrich Heners getroffen habe. Am nächsten Morgen sahen wir den Schaden und man erzählte, dass in Nächst Neuendorf ein großer Bomber abgestürzt sei. Wir Jungs waren neugierig und fuhren mit dem Fahrrad zur Absturzstelle in den Wulzen. Alles war abgesperrt. Dicht heran durften wir nicht."

Ingeborg Leon, Gastwirtstochter aus Nächst Neuendorf, geb. 1928, erzählt: "Es war ungefähr um 23 Uhr in der Nacht zum 24. August 1943, als ein Heulen, Dröhnen und Getöse in der Luft immer näher kam. Dann schlugen drei Bomben irgendwo in der Nähe ein und wir dachten, das ist das Ende. Es gab noch kurz nach der letzten Bombe einen dumpfen Aufschlag, dann trat Stille ein. Mein Vater, Otto Leon, war als Landwachtführer im Dorf für die Einhaltung der Luftschutzmaßnahmen verantwortlich und hatte eventuelle Abstürze feindlicher Flugzeuge sofort von unserem Telefon aus zu melden. Auch die vorläufige Sicherung der Absturzstelle bis zum Eintreffen der Bergungsmannschaften gehörte zu seinen Pflichten. Als Vater im Morgengrauen zum Wrack kam, waren schon Plünderer aus Zossen dort. Einer hatte einem Toten die Stiefel ausgezogen und ein anderer machte sich mit einer Fliegerjacke davon. Ab und zu knallten noch Patronen der Bordmunition. Vater fand ein Bild von der Familie eines Mitgliedes der Flugzeugbesatzung. Wo es verblieben ist, weiß ich nicht."

Von Klaus Voeckler

Fortsetzung folgt: Die Bergung der Lancaster-Motoren am 25. September 1999.

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