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Teltow-Fläming Die Frosch-Lotsen
Lokales Teltow-Fläming Die Frosch-Lotsen
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11:40 15.04.2016
Blick in einen Fang-Eimer. Quelle: Naturwacht Dahme-Heideseen
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Dahmeland-Fläming

Die Frösche und Kröten können es unter den gegebenen Umständen kaum besser haben als in Sernow (Niederer Fläming). Es gibt dort Äcker und Gärten, in denen sie den Winter verbringen können, und es gibt einen Tümpel, der wie gemacht ist für ihr Liebesspiel. Sobald die Frühlingssonne die Froschhormone in Wallung bringt, wandern die Tiere in Richtung ihrer Liebespfütze – und den gefährlichsten Teil des Weges werden sie getragen.

Es gab eine Zeit, da war das Leben der Sernower Frösche riskanter. Mitunter fanden Hunderte den Tod auf der Dorfstraße, sie wurden breitgefahren. Doch seit etwa fünf Jahren ist die Gefahr gebannt und das verdanken sie Christine Tomat – und einem Krötenzaun.

Krötenzäune werden in der Region gerne eingesetzt, um die lüsternen Lurche vor dem Unfalltod zu bewahren. Das Prinzip ist simpel: Die Zäune bestehen aus einem Gewebe, das die Frösche am Überqueren der Straße hindert. Die Tiere krauchen stattdessen den Zaun entlang und fallen nach ein paar Metern in einen in die Erde eingelassenen Eimer. Morgens und abends kommen dann Helfer, die die Eimer über die Straße tragen.

Drei solcher Zäune stehen derzeit in der Region: einer in Sernow, einer in Glau und einer in Sperenberg. Ein Zaun in Staakmühle südlich von Halbe ist schon wieder abgebaut. Viele Frösche dort hatten die Fortpflanzung kurz nach Ostern schon erledigt und sich wieder auf den Rückweg gemacht. Da war der Zaun eher hinderlich.

In Sernow kümmern sich Christine Tomat und ihre Familie um den Frosch-Shuttle. Christine Tomat war es auch, die den Zaun im Jahr 2010 angeregt hat. Vorher habe sie immer wieder beobachtet, wie die Frösche im Frühjahr totgefahren wurden. „Es war heftig. Die Straße war zum Teil von toten Fröschen übersäht“, erinnert sie sich. Als sie sich bei der Unteren Naturschutzbehörde nach einer Lösung erkundigte, ging alles ganz unkompliziert. Anfang März 2010 baute erstmals jemand von der Behörde den Zaun auf und nahm Christine Tomat das Versprechen ab, sich um alles andere selbst zu kümmern. Seither geht sie ab Anfang März zweimal täglich zum Zaun, trägt die Eimer über die Straße, zählt die Tiere und entlässt sie wieder in die Natur. „Abends kommen immer meine Kinder mit“, erzählt sie. Sie hat auch schon ihre Schwester zum Froschdienst eingespannt und die wiederum ihre Tochter. Christine Tomat: „Die ganze Familie hat Spaß daran.“ Und sinnvoll ist es obendrein.

Denn Frösche aller Art sind in Brandenburg bedroht und geschützt. In Sernow fallen vor allem Moorfrösche, Erdkröten, Knoblauchkröten, Teichmolche und Grasfrösche in die Eimer. Christine Tomat hat aber auch schon Rotbauchunken und Laubfrösche über die Straße getragen, „absolute Raritäten“, wie Gerhard Maetz von der Unteren Naturschutzbehörde sagt.

Da die Frösche gezählt werden, lässt sich auch gut erkennen, wie sich die Population entwickelt. In Sernow haben die Tomats in diesem Jahr bisher etwa 350 Tiere über die Straße getragen. Im vorigen Jahr waren es mehr als 500, es gab aber auch schon deutlich schwächere Jahre. Die Gründe für die Schwankungen sind schwer zu ermitteln, sagt Experte Gerhard Maetz. Eine Erklärung könnten extreme Winter sein, in denen übermäßig viele Amphibien erfrieren.

Manchmal brechen Populationen aber auch einfach zusammen – wie vor etwa zehn Jahren in Teupitz. Dort hatte der Naturschutzbund den Krötenzaun betreut. Im Jahr 2000 trugen die Helfer auch noch 450 Tiere über die Straße. Sechs Jahre später fielen nur noch 65 in die Eimer. Der Zaun wurde danach nie wieder aufgebaut.

Von Oliver Fischer

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