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Teltow-Fläming Die Meister der Pfeifen
Lokales Teltow-Fläming Die Meister der Pfeifen
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14:15 29.04.2016
Der Jühnsdorfer Pfarrer Steffen Wegener und Kreiskantor Peter-Michael Seifried (v.l.). Quelle: Melanie Höhn
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Dahmeland-Fläming

Wenn sich der Zimbelstern in der Jüterboger Wagnerorgel dreht, schaut Peter-Michael Seifried oft in glückliche Gesichter. Seitdem er vor zwei Jahren Kreiskantor wurde, hat sich in den Kirchengemeinden der Region in Sachen Musik viel getan, einige Orgeln wurden restauriert und es konnten zahlreiche Nachwuchs-Organisten ausgebildet werden: Mit dem „Eignungsnachweis Orgel“, auch ENO-Kurs genannt, haben viele, die vorher nichts mit Kirchenmusik zu tun hatten, das Orgelspiel erlernt.

Derzeit besuchen 58 Schüler den Kurs, 18 von ihnen legen in diesem Jahr noch ihre Prüfung ab. „Die Situation ist derzeit gut, viel besser als noch vor zwei Jahren, aber wir suchen trotzdem immer nach neuen Talenten“, berichtet der 54 Jahre alte Kreiskantor. Schon zu Weihnachten 2014, nur ein paar Monate nach seinem Amtsantritt, organisierte er die Veranstaltung „Schluss mit Stille Nacht“ – Ziel war es, in jeder der 140 Kirchen einen Organisten spielen zu lassen, viele Orgeln erklangen damals zum ersten Mal wieder.

Wenige Orgelschüler brechen Kurs ab

Wenige Orgelschüler brechen den ENO-Kurs ab, die meisten schaffen die zwei Jahre Ausbildung und bleiben dem Instrument treu. Einmal pro Woche treffen sie sich mit ihrem Orgellehrer, aber auch die Kirche steht ihnen zum Üben offen. Im Winter ist das wegen der Kälte oft ein Problem. Die jüngste Kursteilnehmerin ist 13 Jahre alt, die älteste bereits 75.

Gieselheid Wimmer in der Rangsdorfer Kirche Quelle: Höhn

Nachwuchs rekrutiert Peter-Michael Seifried unter anderem mit dem Projekt „Klingende Gärten“: In den Sommermonaten laden Privatpersonen und Kirchengemeinden in ihre Gärten ein und der Kreiskantor singt mit den Gästen Kirchen- und Volkslieder. Oft kommen bei solchen Veranstaltungen Orgelinteressierte auf ihn zu. Und die Beweggründe der Schüler? „Für die meisten ist das Erlebnis der Raumakustik toll. Durch ihr Spiel lebt der Raum, der nach einer Weile etwas ausstrahlt. Und man bekommt ein Feedback der Besucher“, sagt der Kantor. Viele würden süchtig nach der Akustik und dem Klang. „Gerade bei Jugendlichen hat es einen starken Effekt. Es bewegt etwas in ihnen.“ Mitglied in der Evangelischen Kirche zu sein ist für den Kurs keine Voraussetzung, einige der Schüler gehören dem katholischen Glauben an oder sind nicht gläubig.

Acht hauptberufliche Organisten im Kirchenkreis

Im Kirchenkreis Zossen-Fläming, für den Peter-Michael Seifried zuständig ist, gibt es acht hauptberufliche Organisten, vier davon haben 100 Prozent-Stellen. Ab Januar 2017 wird eine neue Vollzeitkraft gesucht, der zukünftige Organist darf dann in eine Turmvilla in Mahlow einziehen, die als Dienstwohnung bereit gestellt wird. „Man muss als Kirche gute Arbeitsbedingungen schaffen. Wer kann schon von einer 50-Prozent-Stelle die Miete am Stadtrand bezahlen?“, fragt sich Seifried, der selbst Orgelunterricht in Baruth, Jüterbog, Groß Ziescht und Merzdorf gibt.

Die kleinen Gemeinden im Kirchenkreis wechseln sich mit dem sonntäglichen Gottesdienst im zwei- oder vierwöchigen Rhythmus ab, in den Städten findet jeden Sonntag ein Gottesdienst statt. Pfarrer Steffen Wegener in Jühnsdorf ist zufrieden mit der derzeitigen Situation seiner Organisten: Die Kirchenmusikerin Hanna Hahn zählt seit zwölf Jahren fest dazu. „Sie macht musikalische Arbeit für Groß und Klein“, freut er sich. In der Kirche steht noch eine Orgel aus dem Jahr 1868, die seit den 1980er Jahren nicht mehr gespielt wurde und restauriert werden soll. „Ich möchte dieser Kirche Leben einhauchen“, sagt Wegener. Seifried ergänzt: „Es ist eine Orgel mit zwei Manualen, auf der man auch Stücke von Mendelssohn oder Reger spielen kann, die auf der derzeitigen Notorgel nicht möglich sind. Noch fehlt dieser Kirche die Seele.“

Generalsuperintendent traf Ehrenamtliche

Ohne das Engagement der etwa 60 bis 70 Ehrenamtler wäre der Bedarf an Organisten im Kirchenkreis nicht zu stemmen. Einige von ihnen trafen sich Anfang April, als Generalsuperintendent Martin Herche in Rangsdorf zu Besuch gekommen war – er wollte sich einen Überblick über die musikalische Orgelarbeit in der Gemeinde verschaffen.

Die Organistin Giselheid Wimmer, die fast jeden Sonntag in der Rangsdorfer Kirche spielt, mag es, die Menschen mit ihrer Musik zu berühren: „Ich bin nicht nur Schmuckwerk, sondern richtig eingebunden in den Gottesdienst. Die Kommunikation mit der Pfarrerin Susanne Seehaus ist sehr wichtig“, sagt sie. Die 59-Jährige, die eigentlich Klavier spielt, saß 1997 zum ersten Mal an einer Orgel und war seitdem fasziniert von diesem Instrument. In Buckow besuchte sie einen Orgel-Wochen­end-Kurs und legte innerhalb von zwei Jahren ihre Eignungsprüfung ab. „Zwei wunderbare Jahre, die ich nicht missen möchte“, sagt die gebürtige Ludwigsburgerin, die vor 20 Jahren mit ihrem Mann nach Rangsdorf zog. Verblüfft waren die Teilnehmer des Treffens, als die 86-jährige Brigitte Streng von ihrem 70-jährigen Organistenjubiläum erzählte: Im Februar 1946 spielte sie zum ersten Mal bei einer Hochzeit in Glienick.

Pfarrerin stolz auf Engagement

Pfarrerin Susanne Seehaus ist stolz auf die Arbeit der Ehrenamtler in der Gemeinde, denn einen hauptamtlichen Organisten gibt es bei ihr nicht. Orgelmusik und Konzerte sieht sie als Chance, die Menschen an die Kirchengemeinde zu binden: „Vor allem für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen birgt das großes Potenzial.“

Kreiskantor Peter-Michael Seifried Quelle: Höhn

Für die Sommerferien, wenn viele der freiwilligen Organisten im Urlaub sind, hat Kreiskantor Peter-Michael Seifried Gastmusiker aus Oxford, Cambridge und Groningen organisiert, die von den einzelnen Pfarrern angefragt werden können. „Wir wollen, dass die Menschen merken, dass wir den Gottesdienst so gut es geht schön gestalten“, sagt der dreifache Familienvater. Für Seifried sind Orgeln ein Schatz der Kirchen, die die Emotionen der Gemeinde ausdrücken können. Organisten müssen besonderes Fingerspitzengefühl haben und ein Gefühl für das Singen transportieren: „Wer gut spielt, führt die Menschen in ihrer Atmung, dem Tempo und der Tonhöhe.“ Die Rückmeldung der Kirchenmitglieder im Hinblick auf die Gottesdienste ist gut, resümiert der Kreiskantor: „Sie fühlen sich ernst genommen und sind dankbar. Die Orgel kommt in den Herzen der Menschen wieder an.“

Von Melanie Höhn

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