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Teltow-Fläming Die Rettung des Zirkuswagens
Lokales Teltow-Fläming Die Rettung des Zirkuswagens
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00:28 10.09.2015
THW-Helfer Christian Peter zerlegt den Zirkuswagen Stück für Stück mit einem Brennschneider. Quelle: Dietrich von Schell
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Baruth

Plötzlich geht die Alarmierung ein: Zirkuswagen in einer Kurve umgestürzt, Tiere sind in Gefahr, möglicherweise auch Menschenleben! Als Einsatzort gibt die Leitzentrale der Feuerwehr ihrer zuständigen Ortswehr eine einsame Landstraße in Brandenburg durch.

Diesen außergewöhnlichen, aber realistischen Einsatz übten Kameraden der Baruther Feuerwehr und des Technischen Hilfswerkes am Sonnabend. Ort des Geschehens war aber keine einsame Straße, sondern der Wildpark Johannismühle.

Als die Kameraden eintreffen, stellt sich die Lage aber nicht so dramatisch dar. Die (fiktionalen) Tiere sind schon aus dem Zirkuswagen befreit, Menschen nicht verletzt. Aber das Gefährt bewegt sich nicht mehr von der Stelle, um es zu bergen, fordern die Floriansjünger das Technische Hilfswerk (THW) an. Marcel Jezierski und Daniel Höhne leiten die Aktion. Jezierski ist stellvertretender Stadtbrandmeister der Stadt Baruth, Höhne stellvertretender Zugführer des THW in Luckenwalde.

Der Zirkuswagen ist aber nicht verunglückt. Er war für drei alte Bärendamen im Wildpark Johannismühle 19 Jahre lang ein Rückzugsort. „Nun aber hat er ausgedient“, sagt Julian Dorsch, Assistent der Geschäftsführung. Daher kam Dorsch die Idee, den alten Wagen für Übungszwecke anzubieten. Das Gefährt ist mit seinem Unterbau einen Meter tief im Sand eingegraben. Auch sonst entspricht alles der Realität, bis hin zu den Bärinnen Mausi, Dolly und Carla, welche die gesamte Übung neugierig vom Zaun aus verfolgen. „Schwierigkeiten fördern die Kommunikation“, sagt Höhne, „die Herausforderung besteht darin, mit den Bedingungen im Wald klarzukommen.“

Am Anfang wurde der Wagen freigeschaufelt. Quelle: Dietrich von Schell

Also rücken Sonnabendfrüh um 9 Uhr zehn Feuerwehrleute aus der Stadt Baruth und dem Ortsteil Klasdorf sowie 13 THW-Helfer aus Luckenwalde an. Die Einsatzfahrzeuge werden an der Grenze zum Bärengehege platziert. Was zu tun ist, legen die Einsatzleiter am Anfang fest. Zwei Teams werden gebildet, jedes hat seine Anweisungen. Während die Mitglieder des einen Teams beginnen, mit Schippen den Wagen freischaufeln, bereitet die andere Gruppe alles vor, um den Zirkuswagen mit einer Winde herauszuziehen. Bis zu zehn Tonnen kann sie bewältigen.

„Uns geht es heute darum, die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und THW auszuprobieren“, erklärt Höhne den wichtigsten Aspekt der Übung. Jezierski führt aus, was zu tun wäre, falls tatsächlich Tiere in ein Unglück verwickelt wären: „An oberster Stelle steht, Leben zu retten, erst das von Menschen, dann das von Tieren.“ Wenn ein wildes Tier nicht zu beruhigen ist, müssen die Feuerwehrleute einen Tierarzt rufen, der es fachgemäß betäubt.

Die Bären schauten interessiert zu. Quelle: Dietrich von Schell

Unterdessen haben die Einsatzkräfte geschaufelt, Unterstützung bekommen sie von einem Mini-Traktor, der ansonsten im Wildpark benötigt wird. Jezierski sagt, dass Bürger in dringenden Fällen verpflichtet werden können, Geräte zur Verfügung zu stellen und zu bedienen. „Andernfalls ist das unterlassene Hilfeleistung.“ Und die steht unter Strafe.

Tatkräftige Hilfe gibt es auch von drei Asylbewerbern, die einer der THW-Helfer, der sich im Flüchtlingsheim Luckenwalde engagiert, mitgebracht hat. Abd Rahman Musem aus Somalia und die beiden Tschetschenen Bulat und Muslim machen schon zum wiederholten Male bei THW-Einsätzen mit. Die bieten Abwechslung und Interesse haben sie auch.

Schließlich kommt die Winde zum Einsatz, aber wie im echten Leben geht etwas schief: Die Achse des Zirkuswagens verstellt sich, er droht zu kippen. Allen Bemühungen zum Trotz lässt er sich nicht herausziehen. Jezierski muss Plan B aus der Tasche ziehen: Der Wagen wird mit Brennschneider und Trennscheibe zerlegt. Verschiedene Geräte zu benutzen, steht bei der Übung sowieso auf dem Programm. Trotzdem war das leichter gesagt als getan: Erst abends um halb sieben konnten die Einsatzkräfte den Zirkuswagen bergen. Um 20 Uhr ging es dann nach Hause.

Von Dietrich von Schell

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