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Die Sache mit der Fahrkarte

MAZ-Serie „In der neuen Heimat“ Die Sache mit der Fahrkarte

In dieser Woche hat Rabihas vom BAMF geförderter Integrationskurs für Frauen in Berlin-Neukölln begonnen. Sie fühlte sich unterfordert und beginnt nun Mitte Februar denselben Kurs wie ihr Mann. In der Zeit will sie weiter versuchen, das teure Fahrticket nach Berlin erstatten zu lassen.

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Die fünfköpfige Familie Yassin aus Syrien lebt in einem Flüchtlingsheim in Ludwigsfelde. Die Eltern besuchen bad einen Integrationskurs in Berlin.

Quelle: Anja Meyer

Ludwigsfelde. Mit der Schule hat Rabiha ein gutes Gefühl, viel mehr kann sie jetzt noch gar nicht sagen. Erst Ende der Woche hatte ihr vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderter Integrationskurs für Frauen begonnen – gleich am ersten Tag merkten sie und die Lehrer jedoch, dass sie in der Gruppe falsch ist. Den Frauenkurs besuchen viele Frauen, die in ihren Heimatländern nicht mehr als fünf Jahre zur Schule gegangen sind. Entsprechend langsam geht das Lernen voran. Rabiha war schlichtweg unterfordert. In den vergangenen Monaten hat sie sich aus eigener Kraft einiges angeeignet, versteht mittlerweile schon recht viel, wenn sich andere auf Deutsch unterhalten.

Aber sie hatte Glück: Im Integrationskurs ihres Mannes Mohammed sind über die Nachrückliste noch zwei Plätze frei geworden. Jetzt können beide Mitte Februar zusammen anfangen, das hatten sie sich ohnehin gewünscht. Im Endeffekt ist nun also alles gut gelaufen für die Yassins. Noch besser kann es werden, wenn das mit der Fahrkarte auch noch klappt.

Hohe Fahrkosten wegen des Integrationskurses

Weil Rabiha und Mohammed wegen ihres mittlerweile abgewendeten Dublin-Verfahrens nun so lange warten mussten, bis sie den Integrationskurs besuchen dürfen, kann es ihnen gar nicht schnell genug gehen. Sie wollen so bald wie möglich fließend Deutsch sprechen und eine Arbeit finden. Deshalb müssen sie nun zu einer Schule nach Berlin-Neukölln fahren. Dort gibt es eine Kinderbetreuung für die kleine Meis. Die gäbe es in Ludwigsfelde nicht und dort würde der nächste Integrationskurs auch erst im April beginnen.

Der längere Fahrtweg nach Neukölln ist für Rabiha gar kein Problem, sagt sie. Den nimmt sie gerne in Kauf. Einzig die hohen Kosten für das Fahrticket werden die Familie Yassin in den kommenden zehn Monaten schmerzen. Zusammen müssen Mohammed und Rabiha nun monatlich 201 Euro für ihr Ticket, die Umweltkarte „Berlin ABC“, zahlen. „Das ist so viel für uns“, sagt Rabiha. Eigentlich gäbe es für sie als Flüchtlinge Vergünstigungen, doch sie fallen da in eine Regelungslücke zwischen Ländergrenzen, die auch andere Menschen aus der Region kennen.

Keine Vergünstigungen für die Yassins

Die Tickets des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) werden von den jeweiligen Bundesländern bezuschusst. Erst Anfang der Woche hatte der neue Berliner Senat bekanntgegeben, die Zuschüsse für das sogenannte Sozialticket für Bedürftige wie Hartz IV-Empfänger, Rentner oder Flüchtlinge um weitere 15 Millionen Euro zu erhöhen. Damit kostet das Berliner Sozialticket für den Bereich A und B künftig 27,50 Euro statt 36 Euro pro Monat. Das können Rabiha und Mohammed sich aber nicht kaufen und mit dem C-Bereich kombinieren, da es nur für in Berlin registrierte Menschen verfügbar ist.

Auch Brandenburg hat eine Vergünstigung für Bedürftige. Bestimmte Personengruppen, zu denen auch Flüchtlinge gehören, müssen nur die Hälfte bezahlen. Jedoch nur für Bahnen und Busse des VBB im Land Brandenburg. Die Yassins brauchen aber ein Ticket nach Berlin – und damit haben sie Pech.

Möglicherweise übernimmt das BAMF die Kosten

Wie VBB-Pressesprecherin Elke Krokowski erklärt, hängen solche Vergünstigungen immer mit dem Wohnort und den Strecken in unmittelbarer Nähe zusammen. „Schon landkreisübergreifend wird es schwierig, wenn es dann noch über die Ländergrenze Berlin-Brandenburg geht, ist da nichts mehr zu machen“, sagt sie. Das erleben auch Eltern, die in Brandenburg wohnen und ihre Kinder auf eine Berliner Schule schicken. „Es ist dann ihr privates Problem, wenn sie wollen, dass die Kinder in Berlin zur Schule gehen.“

Für die Yassins gibt es nun noch eine andere Hoffnung. Sie müssen nachweisen, dass in der nächsten Zeit kein Kursus für sie in Ludwigsfelde beginnt. Dann könnte es sein, dass das BAMF die Kosten übernimmt. Bei einigen Asylbewerbern aus dem Heim am Birkengrund habe das schon funktioniert, erzählt Rabiha. Bei anderen nicht. Sie geht vom Guten aus und nutzt die Zeit bis zum Kursbeginn, um Bescheinigungen von allen Integrationskursanbietern aus nächster Umgebung einzusammeln.

Von Anja Meyer

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