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Die Spiegelbild-Familie

Außergewöhnliche Verwandtschaft in Rangsdorf Die Spiegelbild-Familie

Geballte Frauenpower hat bei Familie Brosko aus Rangsdorf Tradition. Bereits in fünfter Generation waren die erstgeborenen weiblich. Als wäre das noch nicht außergewöhnlich genug, setzt der andere Teil der Familie in Chemnitz diese Tradition fort. Wenn sich die Damen im Alter von 1 bis 93 treffen, steht Ur-Uroma Hanni Handke im Mittelpunkt.

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Über das Laptop sind Hanni und Herbert Handke immer mit der Familie in Rangsdorf in Verbindung: Die Urenkelinnen Franziska (l.) und Melinda (r.) Brosko, , Tochter Dagmar Steinwascher (2.v.r.) und Enkeltochter Susanne Brosko (2.v.l.) mit Ur-Urenkeltochter Leni auf dem Schoß

Quelle: Zielke

Rangsdorf. Als Hanni Handke geboren wurde, schreiben sich Menschen Postkarten und Briefe, die oft Tage, manchmal Wochen unterwegs waren. Telefone waren umständliche Apparate, und wer mit seinen Liebsten sprechen wollte, musste vorher beim Fräulein vom Amt eine Verbindung schalten lassen. Heute ist Hanni Handke 93 Jahre alt, doch auch die moderne Technik hat ihre Tücken. Die Internetverbindung, über die die Chemnitzerin via Skype mit ihrer Familie in Rangsdorf sprechen möchte, will nicht so recht. Ihre Tochter Dagmar (68) hat Mühe, den abgehackten Tönen und dem stotternden Bild zu folgen.

Rangsdorfer Tochtergesellschaft in fünf Generationen

Rangsdorfer Tochtergesellschaft in fünf Generationen: Ur-Ur-Oma Hanni Handke (93), Dagmar Steinwascher (68), Susanne Brosko, Franziska Brosko (28) mit Töchterchen Leni (1. v.l.).

Quelle: privat

Täglich sprechen die beiden miteinander – meistens per Telefon. „Zwischen 16 und 17 Uhr ist unsere Zeit“, sagt Dagmar Steinwascher. Doch heute wollen sich alle sehen und plötzlich funktioniert auch das Skypen wieder. „Das ist ja wie bei einer Konferenz“, sagt Hanni Handke, während sie von Chemnitz aus in das noch immer weihnachtlich geschmückte Wohnzimmer im 250 Kilometer entfernten Rangsdorf blickt, in der ihre Ur-Urenkelin Leni alle auf Trab hält. Den Laptop hat Hanni Handke zum 85. von der Familie bekommen. „Ich finde gar keine Zeit, alt zu werden“, sagt sie. Angst vor der modernen Technik hat sie nicht. Mittlerweile besitzt sie auch ein Smartphone und schreibt Nachrichten in der familieneigenen Whats-App-Gruppe. „Die Familie motiviert mich jeden Tag“, sagt Hanni Handke. Kein Wunder bei so vielen Mitgliedern. In Rangsdorf wollen neben Tochter Dagmar Enkelin Susanne Brosko (49), die Ur-Enkeltöchter Melinda (23) und Franziska (28) und Ur-Urenkelin Leni ständig wissen, wie es ihr geht. Die Einjährige lacht, als sie das Gesicht der Ur-Uroma auf dem Bildschirm sieht. „Oma Hanni“, strahlt Leni, die insgesamt sieben Großmütter hat: drei Omas und vier Uromas. „Sie kann alle auseinanderhalten“, sagt Franziska Brosko.

Chemnitzer Tochtergesellschaft

Chemnitzer Tochtergesellschaft: Hanni Handke mit ihren Nachfahren Monika Wehran (72), Colette Schulz (48), Mandy Richter (27) und Tochter Ronja (1, v.r.).

Quelle: Privat

Wer in der Familie den Überblick behalten will, muss früh anfangen. Denn, als wäre das noch nicht genug, gibt es fast die gleiche Familienkonstellation noch einmal in Chemnitz. Dort leben Hanni Handkes zweite Tochter Monika Wehran (72), deren Tochter Colette Schulz (48) und Enkelin Mandy Richter (27) mit Töchterchen Ronja (1). Eine Familie wie im Spiegelbild, in der die Erstgeborenen immer weiblich waren. „Es ist schon merkwürdig, wenn man den Leuten diesen Frauenüberschuss zu erklären versucht“, sagt Susanne Brosko. Überhaupt ist es für Außenstehenden schwer, die familiären Verhältnisse zu verstehen. Würde man alle zusammenbringen, bräuchte man wohl eine kleine Halle. Die Familie ist nicht nur ungewöhnlich groß, sondern hält auch ungewöhnlich gut zusammen. Franziska Brosko beschreibt die regelmäßigen Treffen als „verrückt harmonisch“ und auch die Männer bekommen offenbar reichlich Pflege. Herbert, der Mann von Hanni Handke ist 95. Beide sind 70 Jahre verheiratet und haben im vorigen November die Gnadenhochzeit gefeiert. Als Fitnessprogramm verordnet seine Frau ihm jeden Morgen den Gang vom fünften Stock zum Briefkasten, um die Zeitung zu holen. „Der Fahrstuhl ist tabu“, sagt sie. Ihr eigenes Altersgeheimnis sind regelmäßige Bürstenmassagen. Die fördern die Durchblutung. Jeden Morgen macht sie Liegestützen. Im Garten mäht sie den Rasen selbst.„Gegen Medikamente habe ich was“, sagt sie.

Ihre Tochter Dagmar glaubt an die Kraft der guten Gene. Die 68-Jährige ist mit 60 beruflich noch einmal durchgestartet und zusammen mit ihrer Tochter Susanne die Kindertagespflege „Schmusekätzchen“ eröffnet. „Ich brauche das. Zuhause sitzen und putzen ist nicht meine Welt“, sagt sie.

An den Weihnachtstagen waren Chemnitzer und Rangsdorfer wieder vereint. Im Haus der Broskos wurde sogar das Wohnzimmer vergrößert. Ur-Uroma Hanni Handke hat sich von ihrer Urenkelin abholen lassen. Bis vor drei Jahren ist sie die Strecke noch selbst mit dem Auto gefahren, doch die Augen sind nicht mehr so gut. Irgendein Zipperlein hat schließlich jeder.

Von Christian Zielke

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